Crowdsourcing: 16 Tipps, Vorteile und Hürden & Fotos vom Crowdsourcing Summit

Marketing & Kommunikation, Veranstaltungen & Messen · Katharina Falkowski · 16.05.2012 · 4 Kommentare

Am 27. April 2012 waren wir beim Crowdsourcing Summit im betahaus Köln. Eine Konferenz über ein, wie ich finde, sehr spannendes Thema. Denn Crowdsourcing ist für mich persönlich der Inbegriff von Social-Media: ein Projekt von einer unbekannten, meist fachlich ungebundenen Menschengruppe gemeinsam via Internet bearbeiten lassen. Gerade Unternehmen können diese Art von Gruppenarbeit effektiv zur Ideenaggregation, Produkt- und Angebotsverbesserung, aber auch zur Kundenbindung einsetzen.

Doch noch ist die Unsicherheit groß. Viele haben sich so gerade mit Social-Media Kommunikation abgefunden. Und jetzt soll man Kunden auch noch an die Produkte, Angebote und Kampagnen ran lassen? Doch wie Christian Hirsig von Atizo in seinem Vortrag so schöne sagte: "Die Zeiten des stillen Kämmerleins sind vorbei!" Die Menschen wollen sich beteiligen, interagieren und kommunizieren. Sie wollen Angebote, die ihren Wünschen entsprechen und nicht denen der Unternehmen. Crowdsourcing ist eine Antwort auf diesen gesellschaftlichen Trend!

Für alle, die sich langsam an das Thema heran tasten möchten, haben wir 16 Tipps, Vorteile und Hürden nach Christian Hirsig, Atizo, und Michael Gebert, marketingsociety, vom Crowdsourcing Summit mitgebracht.

16 Tipps, Vorteile & Hürden von Crowdsourcing

Crowdsourcing Vorteile:

  • Frischer Wind: Innerhalb eines Unternehmens herrscht nicht selten eine Art "Betriebsblindheit" vor. Meinungen und Ideen von Außen sind wie ein frischer Wind und ermöglichen ganz andere Blickwinkel.
  • Kundenorientierung: Meistens sind Produkte oder Angebote direkt für Kunden gedacht. Was liegt da näher, wenn nicht die Kundenwünsche direkt bei der Entwicklung einzubeziehen?!
  • Kundenloyalität: Wenn Kunden merken, dass ihre Meinung, ihre Ideen aufgegriffen werden und dem Unternehmen wichtig sind, erhöht das die Kundenloyalität enorm.
  • Geld & Zeit sparen: Die Flop-Rate bei neuen Produkten ist vor allem bei den Konsumgütern sehr hoch. Durch die frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit oder einer Crowd kann man eine Menge Geld und Zeit sparen.

Crowdsourcing Hürden

  • Zeit & Teilnehmer: Falls man eine eigene Community aufbauen möchte, dauert das sehr, sehr lange. Nicht nur weil man eine entsprechende Zahl an Teilnehmern finden muss. Die Gesamtzahl der Crowd ist nicht alleine der Knackpunkt. Noch wichtiger sind die "richtigen" Teilnehmer, die regelmäßig aktiv sind und gute Ideen liefern.
  • Risiken 1: Beim Crowdsourcing bestehen einige Risiken, so wie bei allen Projekten. Unter anderem natürlich ein finanzielles Risiko, aber auch ein organisatorisches, technologisches und kreatives Risiko. Klar schief gehen kann prinzipiell alles.
  • Risiken 2: Nach Michael Gebert ist das größte und am häufigsten auftretende Risiko jedoch das der internen Akzeptanz im auftraggebenden Unternehmen. Wenn Leistungen, die intern gelöst werden könnten, extern eingeholt werden, haben die Mitarbeiter zwangsläufig Angst oder sträuben sich innerlich gegen die Ideen. Um diese Reaktion weitestgehend zu verhindern, sollten alle Abteilungen und Bereiche einbezogen werden. Es sollte kommuniziert werden, dass es alle betrifft und nicht nur ein "paar" Mitarbeiter. Crowdsourcing sollte ganzheitlich betrieben werden, wenn es nicht alleine dem Marketing-Zweck dient.
  • Reaktionen & Öffentlichkeit: Eine fremde Menschenmenge ist natürlich unberechenbar. Man weiß nie so ganz, was passiert. Jedoch liegt das Ausmaß dieses Risikos in der eigenen Hand. Wer von Anfang an transparent und ehrlich kommuniziert, hat eigentlich nicht viel zu befürchten. Wer meint er könnte die Crowd doch ein bisschen foppen oder halt nicht die komplette Wahrheit sagen, erhöht unnötig das Risiko und gefährdet den Erfolg.

Crowdsourcing Tipps

  • Prämien: Man muss die Crowd nicht immer mit reinen Geldanreizen belohnen. Geld ist in dem Fall nicht die treibende Kraft um sich zu beteiligen. Alternativ belohnt beispielsweise O2 ihre Crowd mit Gesprächsguthaben für gute Ideen. Die zentralen Antriebe sind jedoch unter anderem: Freude, Interesse, Ruhm, Ehre, Bekanntheit und Anerkennung.
  • Guter Content: Das wichtigste an Crowdsourcing sind gute Projekte und attraktive Inhalte! Nur wenn die Aufgabe reizvoll ist, wenn es relevante Gründe gibt teilzunehmen, regt man die Beteiligung an.
  • Usability: Die Möglichkeit teilzunehmen, muss möglichst einfach sein. Sowohl technisch als auch inhaltlich. Usablity ist ein ganz wichtiger Aspekt beim Crowdsourcing. Wenn es mühsam wird, verliert die Crowd schnell den Spaß an der Sache.
  • Wenige Filter: Baut möglichst wenige Hürden und Filter ein. Begrenzt die Crowd nicht zu sehr auf z.B. Alter, Geschlecht oder Erfahrung.
    • In Etappen planen: Einerseits muss man sich als Unternehmen früh auf die allgemeinen Regeln festlegen und darf sie später auf keinen Fall noch mal ändern. Wenn das Ergebnis aber absolut offen ist, wünscht man sich ein wenig Flexibilität. Die Lösung ist es in Etappen vorzugehen. Soweit planen, wie man kann und will. Zum Beispiel: 1. Projekt nach Regeln x: Ideen sammeln, die 5 besten aussuchen (lassen) & belohnen. 2. Projekt mit Regeln y: gemeinsam diese 5 weiteren vertiefen und eine Idee am Ende ausarbeiten.
    • Prämien immer vergeben: Eine Prämie, falls mehr als Ruhm und Ehre versprochen wurde, sollte immer verteilt werden. Auch wenn z.B. keine passende Idee oder Lösung gefunden wurde, sollte die Prämie vergeben werden! In dem Fall an die beste Idee oder verteilt auf mehrere Teilnehmer - je nach vorher kommunizierten Regeln. Vorschläge und Arbeit wurden ja geliefert, und müssen honoriert werden.
    • Transparenz & Ehrlichkeit: Die Crowd muss immer wissen was, wie und warum etwas passiert und passieren wird. Die Crowd akzeptiert Regeln und hält sie auch ein - wenn der Auftraggeber sie auch einhält. Doch wenn Spielregeln auf ein mal verändert werden, führt das zu Frustration und Ärger. Wenn Bedenken, Unsicherheit oder Enttäuschung aufkommen, funktioniert das Prinzip nicht mehr und schlägt ins negative Gegenteil um: von der Unterstützung der Crowd zur Schädigung durch die Crowd.
    • Transparenz nach Außen & Innen: Eine gute Kommunikation sowohl nach Außen (zur Crowd) als auch intern den Mitarbeitern gegenüber ist sehr wichtig. Siehe "Risiken 2"!
    • Crowdsourcing für Events: Auch im Bereich Events, Messen oder Incentives ist Crowdsourcing möglich und sinnvoll! Zum Beispiel hat Rivella bei Atizio ein Event, dazugehörige Give Aways und mehr crowdsourcen lassen. So gestaltet man am Ende ein Event, das sich die Kunden wirklich wünschen.

    Fotos vom Crowdsourcing Summit

    Foto

    Foto

    Foto

    Foto

    Foto

    Mehr vom Crowdsourcing Summit: hier gibt es Vorträge & Präsentationen und hier die Videos dazu!

    Ähnliche Artikel wie dieser

    4 Kommentare zu diesem Artikel

    1. Martin Benkovics schrieb am

      Die wichtigste Aussage (für mich): "Doch noch ist die Unsicherheit groß. Viele haben sich so gerade mit Social-Media Kommunikation abgefunden."
      Ich bin gerade dabei meine Kunden nach ihren Social Media Aktivitäten zu "kategorisieren" (mir fällt kein anderes Wort ein).
      Nach ca. 50 durchaus großen Kunden mit internationalen Auftraggebern (alles Locations) ahne ich schlimmes. Es gibt noch viel zu tun, auch ohne Croudsourcing.
      Übrigens... werden deine Fotos immer besser, das wollte ich dir schon lange einmal sagen. :)

    2. Katharina Falkowski schrieb am

      Ja, Du hast schon Recht. Aber andererseits kann man Entwicklungen nicht anhalten, um auf Nachzügler zu warten.
      Letztlich finde ich es auch ok, dass jeder/jede Firma Social-Media, Crowdsourcing oder andere Entwicklungen dann nutzt, wenn er/sie soweit ist oder den Bedarf für sich entdeckt. Sofern das Angebot nicht auf Aktualität & Trends angewiesen ist.

    3. Martin Benkovics schrieb am

      Ich denke da geht´s gar nicht so um Nachzügler, sondern eher um die "Vorprescher", die sich sofort mit den neuen Gegebenheiten zurechtfinden und diese auch einsetzen. Zumindest in Österreich sind die Nachzügler die Mehrheit. Was auch verständlich ist, weil es ja einen enormen Zeitaufwand bedeutet, sich mit den sinnvollen Online-Tools auseinander zu setzen. Vor allem, wenn man vorher nicht weiß, was wirklich sinnvoll ist.
      Das muss erst erwirtschaftet werden.
      Ich denke auch, dass wir, die wir permanent mit den Online-Spielereien zu tun haben, das Verhältnis etwas in unsere Wunschrichtung verschieben. Also, dass wir glauben, der Großteil weiß, wie wichtig einzelne Online-Tools sind und dementsprechend sein zukünftiges Handeln danach ausgerichtet hat. Ich glaube allerdings, dass einem nicht unerheblichen Teil Facebook, Twitter und Co einfach egal sind. Weil es sich die meisten einfach nicht leisten können oder wollen.
      Und nein, ich will natürlich auch nicht, dass die Entwicklung angehalten wird. ;)

    Schreibe hier deinen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>