Wer braucht die BEST OF EVENTS?

Kommentar von Wolf Rübner

Der Umzug von Wiesbaden nach Dortmund im vergangenen Jahr hatte der wichtigsten Branchen-Messe eindeutig gut getan. Nun ist die zweite Auflage in der Messe Westfalenhallen Dortmund über die Bühne gegangen und die alten Schwächen wurden wieder sichtbar. Um die ketzerische Frage vorab zu beantworten: als Fachmesse bedingt tauglich, als Treffpunkt unersetzlich.

Die Antworten der Aussteller

Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache – die Zahl der Aussteller ging um 8,0% zurück. Die Angaben des Veranstalters zur Ausstellungsfläche verhindern den Vergleich zum Vorjahr: 11.500 qm netto im vergangenen gegenüber 20.000 qm brutto im aktuellen Jahr. Warum dieser Wechsel der Bezugsgröße? Zur Verdeutlichung: Die Nettofläche besteht aus der vermieteten Standfläche und der Sonderschaufläche. Die Bruttofläche besteht aus der Nettofläche und den dazugehörigen Verkehrs- und Service-Flächen. Hier wünscht man sich ohnehin FKM-geprüfte Zahlen.

Auffällig war das Fehlen zahlreicher namhafter Unternehmen aus der VA-Technik (satis+fy, PRG, LK-AG) und Catering (Kofler, Käfer, Party Löwe, Hoffmann, FR Catering). Dagegen fielen einige Gemeinschaftsstände auch von Big Shots auf wie de Boer oder Broich Premium Catering. Gerade der Düsseldorfer Caterer und der weltgrößte Zeltanbieter bestachen in früheren Jahren durch üppige Standflächen, die sie ganz allein gestalteten.

Die Stände der Marktführer unter den Technik-Dienstleistern (Gahrens + Battermann, Neumann & Müller) zeugten eher von einem eindrucksvollen Sparwillen als von Begeisterung für diese Messe. Die Platzhirsche waren die Event-Ausstatter/Non-Food-Caterer wie, allen voran, der Branchen-Primus PartyRent. Desgleichen EventRent, ORGATECH oder JMT.

Die Event-Agenturen traten wie immer erst gar nicht an und ließen sich durch ihren Verband FME vertreten. Das war aber schon immer ein Manko dieser Veranstaltung. Alle Versuche, den Agenturen eine Plattform zu bieten, haben nicht gefruchtet.

Die Antworten der Besucher

Hier verzeichnet die Messe in 2011 nach Angaben der Veranstalter ein leichtes Plus von 9.100 auf 9.580 Besuchern. Die Stand-Parties waren dem Vernehmen nach ein Renner. Bei der Besucher-Analyse wünscht man sich genauere Zahlen zu den Endkunden, sprich Veranstaltern, also den Corporate Plannern bzw. Corporate Buyern, wie sie in der Fachsprache genannt werden. Der Veranstalter verlautet lediglich, dass der Fachbesucheranteil bei 90% lag und von dieser Gruppe 70% an Einkaufsentscheidungen zumindest beteiligt sind. Ein Branchen-Schlüssel wäre hilfreich: Unternehmen, differenziert nach Sektoren, Agenturen nach Sparten, Dienstleister, Schüler/Studenten, Inland/Ausland.

Das Konzept der BEST OF EVENTS

Beginnen wir beim Untertitel: „Internationale Fachmesse für Wirtschaftskommunikation, Live-Marketing, Veranstaltungsservices und Kongress“. Luft holen. ‚Wirtschafts-Kommunikation‘ ist anmaßend, dazu fehlen all die anderen Kommunikationsdisziplinen. ‚Live-Marketing‘ ist ein unsinniger Begriff. Wenn man die personellen Verflechtungen der Branche kennt, fällt auf, dass der FAMAB ein Kooperationspartner der Messe ist – der Verband für Direkte Wirtschaftskommunikation. In dessen Vorstand sitzt Volkwart Dams, dem wir die Wortschöpfung ‚Live-Marketing‘ verdanken, mit der er seine Agentur positioniert. Ein Schelm, wer Böses denkt…

Bleibt ‚Veranstaltungsservices & Kongress‘ – wunderbar, das trifft es. Mehr ist es auch nicht. Das ist auch völlig in Ordnung. Das jahrelange Gemecker über das Niveau und Erscheinungsbild der Messe kann sofort eingestellt werden.

Das Live-Forum ist eine professionelle Bühne für Entertainment-Angebote. Die zahlungspflichtigen Workshops gehören zum Angebot einer Fachmesse. Das vom Bildungsanbieter IST veranstaltete INA-Forum ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, aber warum man Berufsanfängern € 89,- dafür abknöpfen muss, ist nicht nachvollziehbar. Doch schließlich wird niemand dazu gezwungen.

Fazit

Die Branche nutzt seit jeher diese Messe, um sich zu treffen. Networking ist der Mehrwert, den die „Event-People“ in Dortmund suchen. In diese Richtung sollte das Konzept weiter entwickelt werden. Die zweite Anregung wäre, einen Fachkongress anzudocken. Damit kann man Agenturen einbinden und die Corporate Planner einfangen. Denn – der Branche fehlt eindeutig ein anspruchsvoller Fachkongress.

Autor: Wolf Rübner
Wolf Rübner ist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Event-Markt ein bekannter Name und gehört heute zu den Event-Experten in Deutschland. Als Gründer des EventCampus hat er sich auf Event-Consulting und die Beratung von Unternehmen, Agenturen, Messebauern und Event-Dienstleistern spezialisiert.

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