Best of Events 2012: Eindrücke & Nachbericht


Kommentar von Wolf Rübner, EventCampus

Die deutsche Erlebnisgesellschaft trifft sich alljährlich, kaum dass die letzte Silvester-Rakete verglüht ist, in den Dortmunder Messehallen, quasi im Schatten der Schwarz-Gelben Wand. Deren Roar, also die akustische Manifestation dieses Fußball-Mythos, bereicherte die BoE-Night atmosphärisch und die gute Laune dort hatte offensichtlich auf die Aussteller und Besucher abgefärbt: Die Mienen schienen deutlich freundlicher und zufriedener als in den vergangenen Jahren. Die Messe ein Stimmungsbarometer für die aktuelle Geschäftslage der Veranstaltungswirtschaft? Ein klares Ja!

Das Rahmenprogramm – runderneuert und überladen

Der Veranstalter hat sich einiges einfallen lassen, um den Messebesuch attraktiver zu gestalten. Ausgezahlt hat sich das nicht, denn der Besucherzuspruch stieg gegenüber 2011 nur um 2% auf 9.800 Personen.

Das umfangreiche Vortragsprogramm und die zahlreichen Plattformen: BOEXPERIENCE, BoE-Forum, BoE Speaker Forum live, BoE Social Network Lounge, BoE Recruitment Area, dazu die traditionellen Verleihungen des Nachwuchspreises INA und des BEA für die „Großen“ – da konnte man sich verdammt schwer tun, was außer den Ständen noch besucht werden sollte. Weniger wäre mehr gewesen.

Die großspurig als Recruitment Area betitelte Zone entpuppte sich als der Stand des Studieninstituts für Kommunikation – mit dem Flair eines Rekrutenplatzes. Allerdings hatten sich als Arbeitgeber nur zwei Agenturen für die Idee erwärmt und logischerweise eine Personalberatung.

Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache

Die Zahl der Aussteller ging erneut und zwar um 6,0% auf 410 zurück. Die Ausstellungsfläche stagniert bei 20.000qm brutto nach Angaben des Veranstalters. Da kann man sich – wie bei den Besucherzahlen – nicht zufrieden zurücklehnen.

Auffällig das Fehlen zahlreicher namhafter Unternehmen aus der Veranstaltungstechnik (satis+fy, PRG, POOL, SIRIUS, CT) und Catering (Kofler, Käfer, Party Löwe, Hoffmann, FR Catering und erstmals auch LPS, ehemals Lufthansa Party Service). Bis auf Broich Premium Catering fehlten alle in der LECA (unter dem Dach des FAMAB) organisierten Catering-Betriebe. Die Event-Agenturen traten wie immer erst gar nicht an und ließen sich durch ihren Verband FME (auch unter dem Dach des FAMAB) vertreten. Das war schon immer ein Manko dieser Messe. Das ist schon ein Politikum, ist der FAMAB doch ein wesentlicher Partner des Veranstalters.

Welche Lücke reißt die Insolvenz der MICE AG?

In den Aufbau der Messe platzte die Meldung über die Insolvenz der MICE AG, dem Veranstalter der Konkurrenzmesse stb marketplace. Bei der letzten Ausgabe im November 2011 in München hatte man noch den „Big Bang“ und die überfällige Totalrenovierung verkündet. Nun ist es ungewiss, ob die geplante und in MICE-Marketplace umbenannte Veranstaltung am 27. März in Hamburg stattfinden wird. Hier entsteht unter Umständen eine strategische Chance, Hotels und Locations stärker an die Best of Events heranzuführen, die bisher eher auf dem stb marketplace vertreten waren.

Fazit

Die manchmal als Jahrmarkt und „Leid-Messe“ verspottete Best of Events hat ihren Nutzwert als wichtigster Branchen-Treffpunkt untermauert. Wenn der Veranstalter das „Live-Marketing“ (im übrigen ein völlig unsinniger Begriff) aus dem Untertitel streichen würde, könnte das Gemecker sofort eingestellt werden.
Das Niveau der Messestände ist mittlerweile sehr ansehnlich, der repräsentative Branchen-Querschnitt hingegen steigerungsfähig: Agenturen, Caterer, Messebau und einige Bigshots der technischen Dienstleister hinterlassen große Lücken in der Ausstellerbilanz.

Der Besucherzuspruch stagniert, obwohl die „Eventisierung“ der Gesellschaft zunimmt. Die Stadt wird zur Bühne, Kultur- und Sport-Events sind selbstverständliche Bestandteile der heutigen Erlebnisgesellschaft. Das deutet auf unzureichend erschlossene Potentiale.

Die Branche nutzt diese Messe seit jeher, um sich zu treffen. Networking ist der Mehrwert, den die „Event-People“ in Dortmund suchen. In diese Richtung wurde das Konzept weiterentwickelt. Im Überschwang ist das ein wenig aus dem Ruder gelaufen und könnte mit wenigen Handgriffen korrigiert werden. Meine Anregung ist wie im Vorjahr, einen Fachkongress anzudocken. Damit kann man Agenturen einbinden und die Corporate Planner locken. Der Branche fehlt ein anspruchsvoller Fachkongress für Eventkommunikation. Zuguterletzt – der Messekatalog ist Klasse!

Autor: Wolf Rübner
Wolf Rübner ist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Event-Markt ein bekannter Name und gehört heute zu den Event-Experten in Deutschland. Als Gründer des EventCampus hat er sich auf Event-Consulting, Personal-Vermittlung und -Beratung für Unternehmen, Agenturen, Messebauer und Event-Dienstleister spezialisiert.

1 Kommentar
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Ein Kommentar

  1. Jürgen Kausmann

    Im Großen und Ganzen war das auch mein Eindruck – wobei mir die Halle 8 doch ein wenig abfiel. Da war ziemlich viel „Theater“, laut und anscheinend diejenigen, die die Messe kurzfristig oder von der Größe woanders nicht unterbringen konnte (passiert in DO aber öfters).
    Wobei zum Thema „Networking“ m.E. kein richtiges Konzept oder eine „geplante“ Plattform zu sehen ist bzw. vorhanden war. Sollte stb-/MICE-Marektplace nicht mehr auf die Füsse kommen – Hamburg st für den März schon definitiv abgesagt – ist insbesondere mit angedocktem Kongress bzw. mehr Fachvorträgen noch mehr Potential an Teilnehmern zu erreichen.

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