Studie zur Pitchkultur im Messebau: wenige Infos, keine Pitchhonorare, aber hohe Anforderungen

Eine Studie zum Thema Pitchkultur im Messebau lässt mal wieder nichts Gutes erahnen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Auftraggeber und Messebau-Unternehmen bei Projektausschreibungen beiderseits keine großen Gefallen tun. Kaum vorhandene Pitchhonorare und geringe Erfolgsquoten sind nicht nur für die Messebau-Unternehmen frustrierend. Mangelnde Informationen führen gleichzeitig zu ineffizienten Ergebnissen für die Auftraggeber.

„Der Pitch hat sich in der Ausstellerlandschaft flächendeckend als das Instrument zur Suche neuer Messebaupartner etabliert. Zumindest dann, wenn Unternehmen Messebauprojekte direkt vergeben und sie nicht gerade langfristig vertraglich an einen Messebauer gebunden sind. Doch während klassische Werbeagenturen es zumindest teilweise schaffen, für ihre Ideen und Konzepte bereits in der ersten Wettbewerbsphase ein Ausfallhonorar auszuhandeln, haben es Messebauer zunehmend schwerer, ihre kreative Arbeit überhaupt vergütet zu bekommen.“ Auszug aus der Pressemeldung

Die von Lars Lockemann, fairconcept GmbH, sowie Alexander Gnauck, medienformer GmbH, und Thomas Meichle, coeffizienz Litschko & Meichle GbR, initiierte Umfrage befragte insgesamt über 150 Messebau-Firmen und 200 ausstellende Unternehmen. Hier eine kleine Auswahl der umfangreichen Ergebnisse. Die komplette Studie mit allen Ergebnissen gibt es auf Nachfrage bei Herrn Lars Lockemann.

Um die Grafiken zu vergrößern, einfach draufklicken!

Steigende Zahl an unbezahlten Pitches

Dass sich die Situation für Messebau-Unternehmen verschärft hat, spiegelt sich in den steigenden Zahlen von Pitch-Anfragen wider. Laut 36,4% der Umfrage-Teilnehmer haben kostenlose Wettbewerbs-präsentionen in den letzten 5 Jahren stark zugenommen. 33,8% finden, dass sie etwas zugenommen haben.

Wären die Ausschreibungen bezahlt, wäre das ja eher erfreulich. Jedoch geben 62,3% der Umfrage-Teilnehmer (Messebauer) an, dass Pitches nie vergütet werden. 35,1% sagen, dass sie selten bezahlt werden. Auch 85% der Auftraggeber geben zu, dass sie Präsentationen, die nicht genommen wurden, nicht bezahlen.

Hohe Erwartungen der Auftraggeber

Die Anforderungen der Auftraggeber sind dagegen nicht unbedingt weniger geworden. Die meisten ausstellenden Unternehmen erwarten bei einer Präsentation einen Grundriss, 2D sowie 3D Ansichten und Fotos, ein schriftliches Konzept, ein detailliertes Angebot mit sämtlichen Posten oder eine grobe Kosteneinschätzung.

Kaum Zeit für die Messebau-Firmen

Viel Zeit gibt es dafür aber nicht! In über 50% der Fälle sollen Pitch-Präsentationen innerhalb von 1-2 Wochen oder weniger erarbeitet werden.

Mangelnde Qualität der Ausschreibungsunterlagen

Die Informationen fallen in vielen Fällen auch mehr als mager aus. Sowohl was Informationen bezüglich der Anzahl und Namen von Mitbewerbern angeht, als auch was konkrete Unternehmens-, Marketing- und Messe-Ziele betrifft.

Geringe Erfolgsquote für die Messebau-Unternehmen

Bei einer durchschnittlichen Erfolgsquote von 1:4 bzw. knapp 24% fragt man sich ob und wie sich das für Messebau-Unternehmen rechnet. Wahrscheinlich eher weniger, aber viele Alternativen gibt es aktuell wohl nicht.

Übrigens dürfen laut Umfrage nur 28,6% der Messebau-Unternehmen ihre Präsentationen persönlich vorstellen. 60% werden dagegen per Post oder per E-Mail versandt. Nur 10% der Auftraggeber wollen ihren potenziellen neuen Messebauer im Vorfeld persönlich kennenlernen.

Foto: _Tasmo / Flickr


1 Kommentar
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Ein Kommentar

  1. Gerhard Ruhr

    es sind treffende Beobachtungen, die ich in ähnlicher Form täglich erlebe. Gerade bei Anfragen zu kleineren Messeauftritten hat sich längst eine „Umsonstkultur“ eingeschlichen.

    Selbst wenn Messebauer qualifizierte Designer beschäftigen, es ist kaum noch möglich, Planungshonorare einzufordern. Aber kann man Kunden tatsächlich einen Vorwurf machen? Es erinnert ein wenig an den Niedergang der Musikindustrie, als plötzlich im Netz neue Angebote entstanden. Erst Steve Jobs hatte eine Lösung.

    Nun ist die Messebranche auch erst einmal selbst gefragt. Es gibt immer wieder Ideen, oder auch Nischen, die helfen, trotz der Veränderungen durch die Krise zu kommen.

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