Ist die Erde eine Scheibe, Herr Dams? – Kommentar und Rezension von Wolf Rübner

Das Schweigen der Lämmer

Nun könnte es gleichgültig sein (auch dem Rezensenten), dass Dams sich und seine Agentur feiert, auch wenn alles ein wenig nach Großmannssucht schmeckt. VOK DAMS ist eine der führenden Agenturen für Live-Kommunikation, Volkwart Dams war viele Jahre im Vorstand des FAMAB. Da trägt man Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Reputation der Branche, die Ausbildungsstandards, da bietet man Orientierung für andere Marktteilnehmer. Ganz wichtig: VOK DAMS wird durch die mediale Präsenz ihrer Vertreter als Meinungsführer wahrgenommen. Tabelle-PM-RuebnerEntgegen der weit verbreiteten Auffassung, dass Dams große Verdienste um die Branche hätte, man kann leicht zu einer gegenteiligen Auffassung gelangen, ist er lediglich der Lauteste. Zur Illustration mag die Zahl der Pressemitteilungen des Jahres 2012 im Vergleich mit Uniplan und BBDO dienen:

Vater und Sohn Dams sind meinem Eindruck nach ihrer großen Verantwortung nicht gerecht geworden. ‚Eventmarketing‘ findet in Marketing-Fachzeitschriften nicht statt, die bizarre Pitch-Praxis der Industrie ist evtl. auch Ausdruck der Geringschätzung dieser Kommunikationsdisziplin und dieses Agentur-Typs. Der Begriff ‚Eventagentur‘ hat keinen guten Klang, der ‚Eventmanager‘ ist geradezu ein Schimpfwort, allerdings haben das Branchen-Fremde zu vertreten.

Die meiner Meinung nach mangelhafte Marketing-Kompetenz, natürlich auch anderer Agenturen, verhindert den Dialog auf Augenhöhe. Publikationen in der Art von Code Rouge schaden aus meiner Sicht dem Image der Branche und damit der Wertschätzung durch Kunden. Mangelnde Wertschätzung schadet dem Honorar. Das geht dann alle an, auch die Eventdienstleister. Ein anderes Beispiel: Unter der Ägide von Volkwart Dams stagnierte die Mitgliederzahl des FAMAB bei ca. 250, die Zahl der Agenturen halbierte sich in der Zeit, u.a. wegen des Streits um das Umsatzranking.

Zeit für ein Fazit

„50 Jahre KommunikationDirekt – Entstehung und Entwicklung von Event- und Live-Marketing“ ist ein pompöses Pamphlet in eigener Sache. Dies wird dem Leser allerdings erst nach etlichen Seiten klar. Wenn sich der Weihrauch verzogen hat, hält man ein Sachbuch in Händen, das dem interessierten Laien ein buntes Kaleidoskop der letzten 50 Jahre Veranstaltungswirtschaft vermittelt. Die Entwicklungsgeschichte wird sachkundig mit streckenweise lesenswerten Beiträgen erzählt. Die Entstehungsgeschichte erweist sich aus meiner Sicht allerdings als grober Irrtum, als schwerer Fall von Betriebsblindheit. Das Konstruktionsprinzip mit eigenen und fremden Beiträgen ist nachahmenswert. Das Verhältnis von Text und Bild lässt einige Wünsche nach Vertiefung offen. Berechtigter Stolz auf die eigene unternehmerische Leistung gleitet zuweilen in Selbstgefälligkeit ab. Volkwart Dams hält sich seit Jahren für Maß und Mitte, in Wahrheit ist es aber Maßlosigkeit.
 
 
 
Wer schweigt stimmt zu, wussten schon die alten Römer. Daher appelliert der Verfasser an Hochschullehrer, Dozenten und Weiterbildungsinstitute, die Verbände sowie Geschäftsführer von Agenturen, Messebau und Eventdienstleister, sich in Zukunft nachdrücklich zu wehren:

1. Gegen eine private Geschichtsschreibung, die ein verzerrtes Bild insbesondere bei Auszubildenden und Studierenden entstehen lässt
2. Gegen verdrehte Fachbegriffe, die bei Marketing Experten Kopfschütteln auslösen
3. Gegen Gattungsbegriffe der Marke Eigenbau, die ein schiefes Licht auf die Branche werfen
4. Gegen eine angemaßte Deutungshoheit, die sich als Sprachrohr der Branche geriert

Der „wissenschaftliche Zustand“ unserer Branche erfordert dringend Investitionen in die Forschung! An die Spitze der Bewegung müsste sich der FAMAB setzen. Ich bin gespannt.

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Autor: Wolf Rübner
Wolf Rübner ist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Event-Markt ein bekannter Name und gehört heute zu den Event-Experten in Deutschland. Als Gründer des EventCampus hat er sich auf Event-Consulting, Personal-Vermittlung und -Beratung für Unternehmen, Agenturen, Messebauer und Event-Dienstleister spezialisiert. Seit 2006 lehrt Wolf Rübner Eventmarketing und Eventmanagement an verschiedenen privaten Hochschulen.
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11 Kommentare
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11 Kommentare

  1. Simon Schneider

    Guter und wichtiger Artikel aus objektiver Perspektive. Einzig hinsichtlich des „wissenschaftlichen Zustandes“ möchte ich anfügen, dass es um diesen wirklich nicht schlecht bestellt ist. Autoren wie Zanger, Drengner, Nufer, Erber, Sistenich und nicht zuletzt auch der im Artikel genannte Wünsch haben zahlreiche wichtige Beiträge im konkreten Kontext des Eventmarketing verfasst. Das Problem ist nur, dass diese Beiträge in der Branche zu wenig Beachtung finden. Die zurecht monierte „mangelhafte Marketing-Kompetenz“ könnte durch eine bessere Integration der Ergebnisse dieser Arbeiten in Konzeptions- und Beratungsleistung der Agenturen umgehend behoben werden. Ein wichtiger Schritt in der weiteren Professionalisierung unserer Disziplin. Viele Grüße, Simon Schneider

  2. Elfie Adler

    Sehr geehrter Herr Rübner,

    Sie werden verstehen, dass wir uns als Interessenvertretung der Branche zu ihrer persönlichen Meinung nicht äußern werden. Nur soviel: Ich empfinde die Verdienste von Herrn Dams für den FAMAB als unbestritten groß.

    Im hinteren Teil Ihres Kommentars benennen Sie an mehreren Stellen den FAMAB explizit.

    Womit Sie Recht haben, ist Ihre Aufforderung an uns, dass wir uns um Forschung und Lehre kümmern. Ferner sind wir mit Ihnen einer Meinung, dass es eine Menge Marketing-Begrifflichkeiten gibt, die nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit in unserem Genre beitragen. Hinsichtlich Lehre und Forschung kooperieren wir u.a. BA Ravensburg, TU Chemnitz, Hochschule Heilbronn, FH Köln, TU Berlin, FH Detmold, WAM, Staatl. Studienakademie Riesa, Hochschule der populären Künste, BiTS, Fresenius Hochschule, Hochschule des Mittelstands, Peter Behrens School…. und betrachten uns daher hier als sehr gut „aufgestellt“. Ausbildungsberufe wie Veranstaltungskaufmann oder Fachkraft für Veranstaltungstechnik sähen ohne unser Dazutun deutlich anders aus.

    Und beim FAMAB geht es inhaltlich weiter. Mit der Abschaffung der einzelnen Foren im vergangenen Jahr und der Neuaufstellung mit ganzheitlicher Positionierung trägt der Verband der aktuellen und zukünftigen Entwicklung des Marktes und der dazugehörenden Dienstleistungsunternehmen – unserer Mitgliedsunternehmen und potentiellen Mitgliedsunternehmen – Rechnung. In fünf sehr gut besetzten Arbeitskreisen erarbeiten wir momentan unseren Relaunch. Sie können sich auf die Ergebnisse freuen.

    Und zur Veränderung der Mitgliederzahlen: Ihr angegebenes Wachstum bzw. Schwund stimmen nicht. Aber aus unserer gemeinsamen Arbeit wissen wir, ein Zahlenmensch waren Sie nie. ;-)

    Lassen Sie uns im Dialog bleiben

    Ihre Elfie Adler.

  3. Wolf Rübner

    Liebe Frau Adler,

    Sie ziehen sich als FAMAB Schuhe an, die Ihnen gar nicht passen.
    Muß ein Schutzreflex für Herrn Dams sein. Da sind Sie befangen. Ich habe nicht die mangelnde Marketing-Kompetenz des FAMAB attackiert, sondern das, was Herr Dams in seinen Schriften verbreitet. FAMAB ist nicht gleich Vok Dams oder VOK DAMS. Oder?

    Aus den bisherigen Rückmeldungen der Agentur-Chefs, Event-Dienstleistern und Freelancern, auch aus den vielen Gesprächen, die ich in den letzten Jahren führte, kann ich sagen, Herr Dams und teilweise seine Mitarbeiter sind ungefähr so beliebt wie eine Blinddarmentzündung. Und zwar nicht aus Futterneid, sondern aus all den Dingen, die ich anprangere.

    Seien Sie versichert, ich bin einer der größten Kritiker, aber auch einer der größten Befürworter eines (starken) FAMAB. So verweise ich alle Studierenden, auch in der Weiterbildung, auf den FAMAB und seine Angebote hin. Das ist ungefähr wie mit der Demokratie, sie ist nicht das Gelbe vom Ei, aber ich kenne nichts Besseres.
    Die kogag war einer der Mitbegründer des FME, ich saß als ihr Vertreter in der „Urversamm-
    lung“ in Wiesbaden, als dieser Beschluß getroffen wurde.

    Und nun zu meiner Zahlenfestigkeit: Mir liegt die FME-Mitgliederliste vom 8.11.2004 vor. Dort sind 56 Agenturen verzeichnet. Im FAMAB-Report 2012/13 sind es nur noch 34 – nach Adam Riese ein Schwund von 39,3%. Ich weiß, daß es in der Spitze 65 Agenturen waren, das habe ich allerdings nicht Schwarz auf Weiß.

  4. Wolf Rübner

    Lieber Herr Kindler, danke für dieses Juwel aus der Branchen-Geschichte! In der Tat es hat sich nichts geändert. Für diese „Nestbeschmutzung“ zolle ich Ihnen großen Respekt. Ihre damaligen Ausführungen gelten noch immer. Man muß fairerweise aber zugestehen, daß Herr Dams ein sehr sachkundiges Statement als Verbands-Vertreter abgegeben hat. Nur scheint es, daß er beim Bücherschreiben und in der Eigendarstellung der Agentur seine eigenen Postulate wieder vergessen hat.

  5. Wolf Rübner

    Heureka – ich habe des Rätsels Lösung gefunden! Schlag nach bei Meffert:
    In seinem Standardwerk ‚MARKETING – Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung‘
    (9. Auflage, Wiesbaden 2000, S.684f) schreibt er über Instrumente des Kommunikations-Mix:
    „1. Klassische Werbung…..2. Verkaufsförderung…..3 Public Relations….
    4. Die Direkt-Kommunikation umfaßt sämtliche interaktiven Kommunikationsmaßnahmen, die eine individuelle Ansprache der Konsumenten …. vorsehen oder durch ein Response-Angebot einen direkten persönlichen Kontakt zum Kunden….herstellen können.“

    Unter Ziffer 6 folgt Event-Marketing. Vielleicht hätte Volkwart damals einfach nur etwas länger lesen sollen. Oder ist er ein Plagiaror? Ist ja groß in Mode! Vielleicht aber auch nur ein Wortverdreher?

  6. Thomas krecker

    Hallo Herr Rübner, wie geht´s?
    nette Form der Online PR. sieht ein bisschen aus wie neutrale Berichterstattung und Supervision. gut gemacht! Auch wenn die Diskussion natürlich gänzlich hohl ist. ;-) heißt es nun Ei, Hühner-Ei oder Voll-Ei..? Wenn es faul ist, ist das ja nicht sooo entscheidend.. Will sagen: von der sicher fünfstelligen Zahl der Menschen und Organisationen, die den Beinamen Event mit sich herumtragen, finden sie halt nur eine oder zwei Hand voll, die in der Lage sind für einen Großkonzern eine integrierte Kampagne auf Basis eines echten, authentischen Erlebens aufzusetzen oder eine interne, erlebbare Unternehmenskommunikation auf Basis einer langfristige Strategie zu konzipieren. Wer das Zeug dazu hat, geht in eine Unternehmensberatung oder eine große klassische Agentur und spricht mit den dortigen Marketiers auf Augenhöhe. Die eventler werden dann gefragt, wenn das Konzeot steht. Der Rest baut Lampen auf und brabbelt Marketing -Englisch vor sich hin, welches er vielleicht zum Teil verstanden hat… ;-))) Das erste, was Herr Schöning von Scholz mich fragte als ich den Eventbereich dort aufbaute, war eben genau das: Sind „Sie ein Stratege oder so ein Eventfuzzi…“ Mann, wie oft habe ich in Konzern- und Agenturzentralen solche oder ähnliche Sätze gehört… aber auch irgendwie verständlich. Aber ich finde es hat sich viel getan! Es gibt wirklich intelligente Event-Evaluierungen viele Eventler mit Blick für PR und Events werden immer mehr zum Nukleus intelligenter Kampagnen. Das ist schon sehr viel und wird im Rahmen der Werbeentwicklung noch deutlich zunehmen. Auch ist der Ausbildungsstand vieler Event-Verantwortlicher erheblich gestiegen. Aber das (wie persönlich erlebt) die große Mehrheit aller FAMAB – Agenturen bei einem Großkunden kostenlos pitchen (inkl. Konzeptabgabe ready to go) und das statistische Übergewicht der DJ´s und Wedding-Planner in der Branche…. das bekommen sie doch weder durch Namen noch durch solche Diskussionen wegdiskutiert. Naja, sollte wohl auch gar nicht… gute PR eben… ;-) beste Grüße Thomas Krecker

  7. Wolf Rübner

    Hallo Herr Krecker, danke für Ihren Beitrag, der die Kunden in den Blick rückt, um die es uns
    gehen muß. Natürlich bin ich auch eigennützig, sonst ließe sich der Zeitaufwand nicht recht-
    fertigen. Es handelt sich aber um weit mehr als Eigen-PR: Es geht mir um die Reputation einer Branche, der ich seit 30 jahren verbunden bin und um die Ausbildung von Nachwuchs, der ich mich seit 7 Jahren verpflichtet fühle.

    Da ich wie Sie kein „Event-Fuzzie“ sondern gewohnt bin, strategisch zu denken, handelt es sich um eine kleine Kampagne. Wir befinden uns gerade in Phase 1 (INFORMATION), bald folgt Phase 2 (MOTIVATION) und zum Schluß die Phase der Verhaltensänderung (der „Tanker“ braucht natürlich sehr lange). D.h. die letzte Phase dient der gemeinsamen Lösung, die sich in kleinen Schritten vollziehen wird. Doch jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Ich bin mal einen Schritt voran gegangen. Es würde mich freuen, wenn Sie folgen, sofern Sie der Diagnose zustimmen. Beste Grüße nach Hamburg

  8. Thomas krecker

    klar, bekomme ja jetzt die Mail… ;-)

    aber ehrlich: motivieren… wen?
    und wozu?

    und lösen? was denn?
    Das Image von Eventagenturen?

    google wirft 1,9 Mio. Ergebnisse bei „Eventagentur“ und 9,3 Mio. Ergebnisse bei „Eventmanager“ aus…

    Es gibt auch Werbeagenturen, die sich Werbeagenturen nennen, weil sie für den lokalen Edekamarkt die Angebotsschilder malen, ohne das Jung von Matt sich genötigt sieht die Branche „zu verteidigen“ ;-))

    Natürlich bilde ich auch Nachwuchs aus und versuche intelligente, hochwertige Kommunikations- Angebote für die Kunden zu machen, aber „die Branche“ revolutionieren oder reformieren… War in den Endachtzigern / Anfang der Neunziger mal hipp… ;-)
    (ohgott bin ich echt schon so alt?? sch…)

    Ich werde dennoch immer gern mal reingucken..
    ;-))
    all the best
    Thomas Krecker

    Also einfach

  9. Uwe Maass

    Hallo Wolf
    Ist das wirklich schon 30Jahre her als wir zusammen beim Katz gearbeitet haben?

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