Umfrage: die Arbeitgeberprobleme mit der Mitarbeiter-Generation Y

famab-umfrage-genration-yKommentar

Der Famab hat seine Mitglieder-Unternehmen aus der Live-Kommunikation nach ihren Erfahrungen und Herausforderungen mit den jüngeren Mitarbeitern und dem Event-Nachwuchs, der sogenannten Generation Y, befragt. Das Ergebnis der Umfrage zeigt eine mehrheitlich problematische, wenn nicht sogar negative Sicht auf die Einstellung der jüngeren Mitarbeiter. Doch machen es sich Arbeitgeber da nicht etwas leicht – die Schuld einfach nur der neuen Mitarbeitereinstellung in die Schuhe zu schieben?

Dass hier tatsächlich Herausforderungen auf die Arbeitgeber warten, ist sicherlich nicht neu und nicht überraschend. Viele „jüngere“ Mitarbeiter, beginnend bei den um die 30-Jährigen und Jüngeren, haben in der Tat eine etwas andere Auffassung von einem erfüllenden und guten Job, als es die Generationen davor vielleicht hatte. Für Arbeitgeber bedeutet das, dass sie sich auf neue Karrierevorstellungen einstellen und ihre Strukturen und Möglichkeiten für ihre Mitarbeiter umstellen müssen. Einige bemühen sich auch bereits, wie die Famab Umfrage ebenfalls zeigt, doch von Verständnis und Offenheit kann man noch nicht wirklich sprechen.

Meiner Meinung nach liegt aber genau dort das größte Problem: beim fehlenden gegenseitigen Verständnis. Denn wenn man sich nicht versteht, kann man keine guten und langfristigen Lösungen erarbeiten.

Famab Umfrage

famab-umfrage-1Die Famab Umfrage verdeutlicht in diesem Zusammenhang die Sichtweise von Arbeitgebern aus der Live-Kommunikation.

Hier wird u.a. nach der empfundenen Leistungsbereitschaft der Berufseinsteiger gefragt. 73% der 113 Teilnehmer sagen, dass das Engagement abgenommen hätte. Auf der nächsten Folie werden dann die wahrgenommenen Veränderungen genannt (84 Teilnehmer): ~31% sagen, dass sie ein höheres außerberufliches Interesse haben, ~30% sagen, dass sie eine geringere Bereitschaft zeigen, Überstunden zu leisten, ~28% sagen, dass sie weniger belastbar sind und 10% bennenen andere Veränderungen, die in der darauf folgenden Grafik gezeigt werden.

famab-umfrage-3famab-umfrage-2 Das Verhalten bzw. die Änderungen der jüngeren Mitarbeiter wird damit als mehrheitlich negativ oder problematisch eingeschätzt. Wichtige Angaben zum Alter und der Ausbildung der gemeinten Mitarbeiter und auch die Gründe für die Probleme werden nicht konkret abgefragt, aber der Aufbau der Umfrage legt nahe, dass die Probleme einer Einstellung der jüngeren Mitarbeiter zugeschrieben werden – wenn ich die Teilnehmer-Antworten an der Stelle richtig verstehe. Ich möchte nicht anzweifeln, dass sich die Situation aus Arbeitgebersicht tatsächlich so darstellt. Das kann durchaus sein.

Das Problem mit der Generation Y ist ein Problem der falschen Schlussfolgerungen

Meinem Eindruck nach bedenken Arbeitgeber an dieser Stelle jedoch zu wenige Rahmenfaktoren.

Zum Beispiel bei der Antwort, dass junge Mitarbeiter „weniger belastbar sind“. Wenn man mit einem älteren Mitarbeiter aus der Eventbranche spricht, wird er garantiert bestätigen, dass die Anforderungen an einen Event-Mitarbeiter in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen sind: mehr Zeitdruck, mehr notwendige Qualifikationen, mehr Anforderungen der Kunden, mehr Budgetdruck usw. Dass ein junger Mensch mit eventuell wenig Berufserfahrung mit diesem Druck erst mal überfordert ist, wundert mich nicht – wenn selbst erfahrene Mitarbeiter darüber klagen. Dem Nachwuchs das jedoch als (negative) Eigenschaft zuzuschreiben und nicht zu berücksichtigen, dass die Belastung auf der anderen Seite gleichzeitig gestiegen ist, finde ich nicht sehr fair und umsichtig.

Auch bei den beiden anderen Antworten mit den größten Anteilen, die den Mitarbeitern außerberufliche Interessen & geringe Bereitschaft für Überstunden zuschreiben, sollten sich Arbeitgeber die Frage stellen: liegt das vielleicht auch an mir als Arbeitgeber?

Besonders wenn ich mir die vergleichenden Zitate aus einer Studentenbefragung auf der vorletzten Folie der Umfrage anschaue. Dort steht u.a., dass Studenten Karriere mit persönlichem Wachstum, Selbstverwirklichung und Befriedigung verbinden. Hier werden Beruf und private Lebensgestaltung als ein durchaus sehr persönliches und eng verknüpftes Interesse beschrieben! Daher sollte man sich als Arbeitgeber selbst und kritisch fragen: Wie kommt es dann, dass meine Mitarbeiter sich mehrheitlich außerberuflich orientieren? Das widerspricht sich doch. Liegt das wirklich nur an ihrer Einstellung oder auch an etwas anderem?

Ich habe den Eindruck, dass die Formel mancher Denkweisen lautet: neue Einstellung = mangelndes Engagement. Doch die richtige Formel ist weitaus komplizierter und hat deutlich mehr Einflussfaktoren! Das mögliche Ergebnis „mangelndes Engagement“ ist nicht direkt auf die Einstellung der Generation Y zurück zu führen, da sich diese Generation gerade über Engagement auszeichnet. Mangelndes Engagement ist vielmehr das Ergebnis, wenn unbefriedigende Arbeitsbedingungen auf die „neue Einstellung“ treffen. Das Problem ist also nicht alleine die Einstellung an sich, sondern die Rahmenbedingungen, die ein Arbeitgeber maßgeblich mitgestaltet. Somit ist der Arbeitgeber genauso für mangelndes Engagement verantwortlich, wie die jungen Mitarbeiter!

tl;dr
Auf den Punkt gebracht, ich verstehe absolut, dass die neuen Mitarbeitervorstellungen für Arbeitgeber eine Herausforderung und Umstellung sind. Sicherlich gibt es auch viele schwierige Mitarbeiter, keine Frage. Doch liebe Arbeitgeber, indem ihr zwar versucht etwas zu ändern, aber immer noch hinter vorgehaltener Hand denkt, die jungen Mitarbeiter haben eine „falsche Einstellung“ wird sich auf Dauer nicht viel ändern. Sie haben eine andere Einstellung, ja das mag sein, aber sie ist deswegen nicht grundsätzlich schlecht oder zu eurem Nachteil. Sie ist für viele Firmen sogar eine große Chance deutlich bessere Mitarbeiter zu haben. Doch viele wissen noch nicht, wie man das hinkriegt, weil man versucht zu handeln, aber nicht zu verstehen.

Diese neue Einstellung ist auch nicht direkt verantwortlich für die eventuell wahrgenommenen negativen Auswirkungen, wie in der Umfrage benannt. Das ist ein Cocktail aus Arbeitsbedingungen, innerbetrieblicher Stimmung, Arbeitseinstellung der Vorgesetzten, wirtschaftlichen Gegebenheiten, moralischen und ethischen Einstellungen und aktuellen menschlichen sowie sozialen Vorstellungen und Wünschen – sprich das Ergebnis von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverhalten zusammen genommen!

Hier ist noch viel Redebedarf scheint mir und daher freuen wir uns umso mehr auf das vom Famab geplante Treffen zwischen Arbeitgebern der Live-Kommunikation und Vertretern der Generation Y am 9. Oktober 2013 in Düsseldorf. Ich hoffe, dass wir hier offen miteinander sprechen, Vorurteile und Missverständnisse abbauen können!

Famab Umfrage: Herausforderungen mit der Mitarbeiter-Generation Y


5 Kommentare
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5 Kommentare

  1. Alexandra Mehdi

    Ein toller Kommentar! Es brannte mir auch unter den Nägeln, Danke für`s Schreiben, dem ist nichts hinzuzufügen.

  2. Jan Drengner

    Vielen Dank für den Kommentar, der das Bild des Eventnachwuchses in ein etwas objektiveres Licht rückt. Als Lehrkraft für Eventmanagement habe ich täglich mit dem zukünftigen Nachwuchs zu tun. In meiner bisherigen Tätigkeit an der FH Worms entstand bei mir nicht der Eindruck, dass ich mit Studierenden zusammenarbeite, die kein fachliches Engagement entwickeln und scheinbar kein Interesse an Überstunden haben oder sich zu stark auf ihr Privatleben konzentrieren. Bei Fallstudien (z.B. selbstständige Planung, Konzeption, Umsetzung und Controlling einer eigenen Veranstaltung mit mehr als 500 Teilnehmern) und Vorlesungen erfahre ich täglich das Gegenteil.

    Vielleicht entstehen solche Umfrageergebnisse ja auch aufgrund der Arbeitsbedingungen, denen sich der Nachwuchs ausgesetzt sieht, was dann auch eventuell zu einer gewissen Frustation führt? Jedenfalls suggerieren die O-Töne am Ende der Präsentation, dass es an der ursprünglichen Qualität und Motivation des Nachwuchses nicht liegen kann: „Dafür ist die Qualität nicht schlecht“, „Wir treffen sehr gut ausgebildete und motivierte Nachwuchskräfte“.

    Die Aussage, dass der Nachwuchs selbstbewusster und unabhängiger geworden ist, finde ich übrigens sehr erfreulich und werte auch das als Indiz für die zunehmende Qualität in der Ausbildung des Eventnachwuchses.

  3. Simon Schneider

    Es bleibt zu hoffen, dass die Wandlung der in der Studie wiedergegebenen Ansichten und Einstellungen zum Bestandteil der fortlaufenden Weiterentwicklung unserer Branche wird. Der eveos Kommentar und die angekündigte Diskussion sind sicher hilfreiche Schritte auf diesem möglicherweise noch etwas beschwerlichen Weg. In diesem Sinne: Gute Reise :)

  4. Jan Kalbfleisch

    Hallo eveos,

    vielen Dank für die wirklich sehr gelungene Kommentierung unserer Studie.

    Wir haben an dieser Stelle ganz bewusst ausschließlich die Seite der Arbeitgeber beleuchtet.
    Natürlich hat die angesprochene „Generation Y“ auch eine Meinung dazu und diese ist ebenso zu würdigen will man eine sinnvolle Conlusion treffen.

    Spannd zu beobachten ist die hohe Emotionalität, mit der das Thema behandelt wird.
    Es ging und geht uns nicht um Schuld, die irgendjemandem in die Schuhe geschoben werden soll. Sondern um die möglichst objektive Darstellung aktueller Herausforderungen der Arbeitgeber in diesem Thema.

    Der spannende Teil der Aufgabe wartet noch: Beide Seiten müssen sich auf einander zu bewegen und Verständnis für die Ansichten und Bedürfnisse des anderen aufbauen. Denn Branche braucht den Nachwuchs schließlich mindestens so dringend wie der Nachwuchs die Branche.

    Wir freuen uns auf weitere Diskussionen – zum Beipiel am 09.10.2013 zur Diskussionsrunde Generation Y des FAMAB e.V.

    Jan Kalbfleisch

  5. Jessica

    Sind außerberufliche Interessen nicht der Schlüssel zu mehr Kreativität? Transferleistung und so? ;-) Und privat glückliche Mitarbeiter sind meines Wissens nach deutlich belastbarer und eher bereit Überstunden zu leisten.
    Man kann die Studie also von vielen Seiten betrachten und findet von jeder Seite einen Schuldigen.
    Die Branche hat den Nachwuchs sogar nötiger als andersherum, deswegen sollten alte patriarchalische Strukturen in Agenturen UND Corporates endlich aufgebrochen und mitarbeiterfreundlich gestaltet werden und nicht bejammert, dass der Nachwuchs (angeblich)verweichlicht, nur weil eine klarere Priosierung mit der work/life Balance Einzug gehalten hat.

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