Messestände mit Inhalt, Story & Mehrwert – Beispiel: Bayer MaterialScience regt zum Träumen an

Messestände müssen und sollten keine reinen Produkt-Präsentationsflächen sein. Heute geht es um mehr. Messen sind immer seltener Massenverkaufsveranstaltungen und immer öfter Markenwelten und -erlebnisse. Neben einem multisensorischen Erlebnis, spielen dabei auch Inhalte und Mehrwerte eine große Rolle, um Menschen zu locken und langfristig zu binden. Ein Beispiel dafür wie ein Messekonzept aussehen kann, das sich nicht alleine mit Produkten, sondern auch mit Inhalten und langfristig anvisierter Interaktion auseinander setzt, zeigt ein Projekt von Bayer MaterialScience auf der Messe K.

Alle drei Jahre findet die internationale Messe K für Kunststoff und Kautschuk statt. Für Bayer MaterialScience gehört diese Branchenmesse zu den wichtigsten Image-Messen, auf der es für den Konzern weniger um Vertrieb, denn um die Demonstration von Forschung, Entwicklung und Innovationskraft geht. Neben fertigen Produkten spielen vor allem Materialien, die sich gerade erst in der Entwicklung befinden – deren spätere Anwendungsgebiete noch nicht endgültig feststehen – eine zentrale Rolle. Die Zusammenarbeit mit Kunden sowie ihre Wünsche und Vorstellungen sind dabei wichtige Bausteine. Innovationspotenzial und Interaktion bildeten somit die kommunikative Aufgabenstellung des Messestandes für 2013. Eine Aufgabe, die die Agentur Phocus Brand Contact in einem Pitch gewann.

Bayer MaterialScience Messedesign & -konzept auf der Messe K 2013

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Das Ergebnis nach knapp einem Jahr Planungszeit war ein Messekonzept, das Innovation und Interaktion unter dem Motto „Sharing Dreams, Sharing Values – Be Part Of It“ miteinander verknüpfte. Zukunftsträume, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Visionen und Ziele waren inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt. Wie können Produkte der Zukunft aussehen? Welche Wünsche und Anforderungen haben Besucher und Kunden? Wie kann man Träume gemeinsam realisieren?

Der 1200 qm große Messestand sollte dabei als Plattform fungieren, auf der sowohl Bayer MaterialScience als auch Besucher von ihren „Träumen“ erzählen, sich austauschen und gegenseitig zum Weiterentwickeln animieren können.

Das Messedesign sollte als „abstrahierte Traum-Landschaft, die an jeder Position neue Perspektiven und Einblicke ermöglichte“ das Thema widerspiegeln. Entgegen üblicher Vorgehensweisen waren die Bereiche und Exponate des Messestandes nicht nach Produktarten oder Einsatzgebieten, sondern nach drei zentralen menschlichen Bedürfnissen – Freiheit, Sicherheit und Glück – unterteilt.

„Live-Talks“ führten das Motto inhaltlich fort. In Vorträgen stellten externe sowie interne VIPs und Mitarbeiter Projekte und Innovationen vor, beschrieben Herausforderungen und Ergebnisse – und sollten dazu anregen Träume zu realisieren.

bayer-messestand-k-medientischInteraktive Medientische bildeten ein weiteres und zentrales Element des Standes. Sie dienten nicht nur zur Information über aktuelle Projekte oder Entwicklungsstände, man konnte auch eigene Träume oder Anforderungen wie z.B. Materialwünsche eintragen. Diese von den Besuchern eingetragenen „Träume“ konnten ebenso von anderen Besuchern eingesehen werden und sollten einen gemeinsamen Pool aus Ideen und Visionen bilden. Ergänzend konnte dieser sogenannte „Traumfluss“ auch auf einer Website eingesehen werden. Sehr gut und wichtig finde ich auch, dass im System bei jedem Projekt und Thema eine Ansprechperson hinterlegt war, sodass man themenspezifisch auch außerhalb der Messe mit dem Aussteller in Kontakt treten konnte.

Konkrete Exponate und innovative Produkte rundeten das Angebot des Messestandes ab. So konnten z.B. Kopfhörer getestet werden, die mit Vibrationen Basstöne verstärken und das Klangerlebnis verbessern sollen.

Damit sich die Geschichte des Messestandes über den Stand hinaus verbreitete und bei den Menschen in Erinnerung blieb, erhielt jeder Besucher zwei beschriftete Armbänder: eines beim Betreten und eines mitten auf dem Messestand. Beim Betreten konnte man zwischen den drei Bereichen des Standes wählen: ein Armband mit der Aufschrift „Free“, „Safe“ oder „Happy“. Auf dem Stand erhielt man ein weiteres Armband mit den Aufschriften „Pioneer“, „Networker“ oder „Dreamer“. So sollten Besucher idealerweise mit zwei Armbändern – natürlich in Bayer Farben – die Impulse mitnehmen.

Im YouTube Channel zur K2013 kann man sich Besucherstimmen, Eindrücke und Vorträge anschauen.

Fazit:

Ein Messekonzept, das mir aufgrund der Herangehensweise und der Konzentration auf Inhalte gut gefällt. Es wurden eine Geschichte, Inhalte und Angebote entwickelt, die den Aussteller und seine Produkt nicht einfach nur gut darstellen, sondern auch für die Besucher interessant waren. Der anvisierte Impuls – Innovationen zu fördern und gemeinsam zu realisieren – sowie die fachlichen Inhalte, gaben den Besuchern Anregungen mit auf den Weg, die einen individuellen Mehrwert boten – und den Aussteller über nachhaltig wirkende Inhalte mit Innovation und Interaktion verknüpften.

Wermutstropfen ist, dass mir die Story und die vielen verschiedenen Elemente recht komplex erscheinen, etwas erklärungsbedürftig und schwer auf den Punkt zu bringen sind. Wobei das live vor Ort natürlich anders oder leichter verständlich gewesen sein könnte?! Das Motto „Sharing Dreams, Sharing Values – Be Part Of It“ dürfte sich meiner Meinung auch gerne noch ein ganzes Stück mehr von den üblichen Event-Slogans abheben.

Aber insgesamt ein schönes Projekt und ein schöner Ansatz, der vielleicht auch dazu anregt, Messestände ein bisschen mehr als Inhalte und Geschichten zu denken!

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Fotos: Phocus Brand Contact


3 Kommentare
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3 Kommentare

  1. Yvonne Katz

    Ein schönes Beispiel dafür, wie man mit HILFE von Technik den Faktor Mensch herausstellen kann, der in der Live-Kommunikation naturgemäß eine zentrale Rolle spielt (was ja oftmals leider vergessen wird ;o)). Auf Messen wird ja gern mit Technik geprotzt, jedoch eher zum Selbstzweck oder lediglich zur optischen Animation. HIer steht der Mensch mit seinen Werten im Mittelpunkt und ist animiert, sich einzubringen. Und das mit Hilfe von attraktiver Technik und vielen kleinen „Gimmicks“ drumherum, die das Ganze rund machen. Erfreulich – Gefällt mir gut!

  2. Zarina

    Sehr gut beschrieben, worauf es ankommt. Danke!
    Wer hat schon mal ein ähnliches Beispiel gesehen, wo eine Dienstleistung als Produkt vorgestellt wird? (Ich organisiere eine Gesundheitsmesse und möchte meine Aussteller gern inspirieren…)

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