Design Thinking: Methode für neue & nutzerorientierte Ideen – auch für die Live-Kommunikation?

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Neue Ideen und Lösungen entwickeln, sinnstiftende und innovative Erlebnisse abseits klassischer Muster – das wünschen und suchen wir alle. Doch wie entwickelt man neue und nutzerorientierte Ideen? Ein Ansatz ist die Methode des Design Thinking. Indem man nicht, wie sonst üblich, eine Aufgabe erhält, sofort mit der Lösungsfindung beginnt und auf klassische Lösungskonzepte zurückgreift, startet der Design Thinking Prozess deutlich früher und verlässt sich auch nicht alleine auf einzelne Fachleute. Ideen werden in bewusst gemischten Teams in einem Prozess aus Beobachten, Verstehen, Ideenfinden, Verfeinern und Lernen erarbeitet. Ein womöglich auch interessanter und anregender Ansatz Konzeptentwicklung in der Live-Kommunikation neu zu sehen und zu denken?!

In der Eventbranche – sowie in vielen anderen Bereichen – entscheidet zumeist ein kleiner Kreis von Menschen darüber, wie ein Event für die Mitarbeiter oder Kunden aussehen soll, was die Teilnehmer sich (angeblich) wünschen und was das Unternehmen oder eine Agentur meint anbieten zu müssen, um etwas Bestimmtes zu erreichen. Nicht selten kommen diese entscheidenden Menschen aus dem Marketing oder der Geschäftsführung – haben also einen mehr oder minder ähnlichen Hintergrund. Gleich zwei Aspekte, die die Design Thinking Theorie hinterfragen würde: 1. Ist die genannte Aufgabenstellung wirklich das wahre Problem bzw. das richtige Ziel, das es zu lösen gilt oder das einen gewünschten Zustand verbessert? 2. Schränken Menschen, die über sehr ähnliche Erfahrungen und Herangehensweisen verfügen den Rahmen an Sichtweisen und Lösungen nicht ein? Wäre es nicht besser Menschen unterschiedlicher Disziplinen mit unterschiedlichen Blickwinkeln und Erfahrungen zusammen zu bringen, um ganz neue und bessere Lösungen zu finden?

Grundsätze der Design Thinking Methode

Was ich im Absatz zuvor als Fragen formuliert habe, sind im Grunde schon bereits die zentralen Grundsätze der Design Thinking Methode. Beim ersten Grundsatz entsteht die Idee durch einen mehrstufigen Prozess. Im ersten Schritt wird die Fragestellung bzw. die eigentliche Aufgabe erst entwickelt anstatt sie vom Kunden entgegen zu nehmen. Im zweiten Schritt schaut man sich die betreffende Situation genau an, sucht das wahre Problem bzw. die wahren Bedürfnisse und Motivationen der Menschen – kurzum die tatsächliche Stellschraube. Erst nachdem man den Kern des Problems gefunden hat, beginnt die Entwicklung von Konzepten und Modellen, die im Laufe des Prozesses immer wieder geprüft werden.
Der zweite Grundsatz des Design Thinking geht davon aus, dass Menschen verschiedener Disziplinen in einem anregenden Umfeld und Prozess Probleme besser lösen können, als Menschen mit ähnlichen Hintergründen.

Design Thinking in der Live-Kommunikation?

Um dies auf die Eventbranche zu übertragen, hieße das weniger in Beleuchtung, Ausstattung, Catering und Entertainment und ebenso wenig in Standarkonzepten wie Kongress, Icentive-Reise oder Ausstellung zu denken. Zunächst sollte man demnach das grundsätzliche Problem und vornehmlich die Menschen, für die das Event gedacht ist, verstehen. Das tun wir doch, mag jetzt mancher denken. Doch damit ist nicht gemeint, sich einen Tag mit der Marketingabteilung und/oder dem Kreativteam hinzusetzen und sich in die Zielgruppe hinein zu versetzen! Vielmehr geht es darum zu den Menschen zu gehen, mit ihnen zu sprechen und die Situation hautnah kennenzulernen – und nicht alleine auf die Aussagen und Vorstellungen einiger weniger Menschen zu vertrauen. Nachdem man das wahre Problem, die wahren Wünsche und Motivationen tatsächlich verstanden hat, konzipiert man gezielte Erlebnisse und ihre Bestandteile, die letztlich mit gegenständlichen und tatsächlich dafür notwendigen Elementen verknüpft werden.

In der professionellen Praxis sicher nicht ganz einfach umsetzbar. Beginnend dabei, dass ein solcher Prozess viel länger dauert und Firmen bereit sein müssten Probleme oder Kernaufgaben tatsächlich aufdecken zu lassen und nicht selbst zu bestimmen. Begrenzt auf eine Marketingdisziplin birgt das auch Probleme, denn streng genommen könnte in den ersten Schritten auch herauskommen, dass ein Event doch nicht das richtige Mittel ist.

Trotzdem denke ich, dass ein solcher Ansatz zu ganz neuen, innovativen und wirkungsvollen Erlebnissen führen würde. Denn hier wird viel detaillierter hingesehen und gezielt nach individuellen Lösungen gesucht. Klassische Konzepte, Erfahrungen, gelernte und akzeptierte Abläufe, mit denen man wie selbstverständlich arbeitet, spielen zunächst gar keine Rolle, sie werden durch den Prozess vielmehr grundsätzlich hinterfragt.

Die Einbindung von Mitarbeitern in den Prozess, nicht nur aus dem Marketing, sondern vielleicht auch jemanden aus der IT, dazu ein Ingenieur und ein einfacher Sachbearbeiter unter qualifizierter Leitung eines Kreativen könnte zu spannenden Ergebnissen führen! Hier kommen Design-Prinzipien, Designer mit Menschen und ihren konkreten Wünschen zusammen. Letztlich könnte man so vielleicht auch ein Event von Mitarbeitern für Mitarbeiter realisieren – zumindest theoretisch ;)
Ein Aufwand, der sich wohl vornehmlich bei regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen erst wirklich lohnen würde.

Ob und wie das in der Praxis – vielleicht auch nur in Teilen – und begrenzt auf die Live-Kommunikation funktioniert, bliebe auszuprobieren. Aber meiner Meinung nach, ein durchaus spannender und anregender Ansatz, der uns den häufig gesuchten neuen, sinnvollen und nutzerorientierten Eventkonzepten ein wenig näher bringen könnte!


Weiterführende Infos

Was ich hier versucht habe auf den Punkt zu bringen, ist eine ganze Wissenschaft! Weiterführende Informationen und auch Kurse zum Thema Design Thinking findest Du unter anderem beim Hasso-Plattner-Institut in Potsdam oder an der Standford University und bei der Universität St. Gallen. Die Agentur IDEO bietet unter der Methode des Design Thinking Innovationsberatung als Dienstleistung an – vielleicht eine Anregung.

Der folgende Vortrag von David Kelley, Mitbegründer und Vertreter der Methode, erklärt die Entstehungsgeschichte, Grundgedanken und Projektbeispiele von Design Thinking.

Wenn Du das obige Video abspielst, werden weitere Dateien und Skripte von YouTube bzw. Goolge nachgeladen.
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3 Kommentare
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3 Kommentare

  1. Lovey Wymann

    Wenn ich das so lese, klingt das für mich sehr nach Barcamp, oder? Da konstituiert sich der Event bzw. die Referate, Workshops etc. nach diesem Prinzip – und die zur Verfügung stehenden Innen- und Aussenräume werden je nach Situation flexibel genutzt.

  2. Katharina Falkowski

    Design Thinking ist ja erst mal „nur“ ein Prozess oder eine Methode in einem (eher kleinerem) Team eine Idee oder Lösung zu entwickeln. Die Übertragung in die Live-Kommunikation habe ich an dieser Stelle nur mal theoretisch angedacht.

    Aber ein BarCamp gestaltet sich dann schon anders. Unter anderem sind die Workshops & Sessions selbst das Ziel bzw. Event, danach folgt in der Regel kein Ergebnis, das wiederum zu einer neuen Aktion führt, oder wie in diesem Fall erst zum eigentlichen Event. Design Thinking als Methode zielt in erster Linie auf die Lösung eines konkreten Problems ab. Ziel eines BarCamps ist ja weniger eine Idee oder Lösung zu entwickeln, sondern der Austausch.
    Zudem gibt es inhaltlich keine wirklichen Regeln bei einem BarCamp: jeder macht in seiner Session, mehr oder minder was er möchte. Design Thinking hat dagegen recht strenge inhaltliche Abläufe und Prozesse, um eine gute und sinnvolle Idee zu „garantieren“. Hört sich wahrscheinlich in gewissen Punkten tatsächlich ähnlich an, ist es aber methodisch eher weniger.

  3. Ahou

    Ich denke Design Thinking ist eine kreative Methode die das Positive aus Problemlösungsprozessen mit einer offenen, kreativen Geisteshaltung verbindet. Und das ist der Schlüssel, die richtige Fragen zu stellen und diese überraschend zu beantworten. Wir nutzen Design Thinking bei der Entwicklung neuer Produktreihen.

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