Aktuelle Hintergründe zum Münchner Manifest & Kongress: Interview mit den Initiatoren

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Über ein Jahr ist es nun her, dass Matthias Kindler, Wolf Rübner und Christian Schmachtenberg mit einer Initiative und dem „Münchner Manifest“ für Aufsehen in der Eventbranche gesorgt haben. Ihre erklärte Absicht war es nicht nur bekannte Branchen-Kritikpunkte, wie Mangel an Transparenz, Ansehen und guter Kreation, zu benennen, sondern auch Lösungen zu diskutieren und anzustoßen. Den Rahmen dieses Diskurses sollte ein neuer Fachkongress bilden. Eine Initiative, die verständlicherweise viel Zuspruch erhielt. Schon lange wartet die Live-Kommunikation auf einen aktuellen, repräsentativen Fachkongress, der der Branche intern wie extern bei einer Neupositionierung hilft. Doch es ist leider ruhig geworden um die Münchener Initiative. Warum? Was ist nach dem Manifest passiert? Und was ist aus dem geplanten Kongress geworden?

Matthias Kindler gibt uns stellvertretend für alle drei Initiatoren Einblicke in die wohl unerwarteten Geschehnisse und Hintergründe des letzten Jahres! Mit in jeglicher Hinsicht sehr bedauerlichen Nachrichten, finde ich. Aber lies selbst!

Interview mit Matthias Kindler zum Münchner Manifest & Kongress

Nachdem sich lange nichts getan hat und Spekulationen die Runde machen, brennen uns allen Fragen unter den Nägeln: Was ist aus dem Münchner Manifest geworden? Kommt noch ein Branchen-Kongress?

Matthias Kindler: Das Münchner Manifest ist aktueller denn je. Christian Schmachtenberg, Wolf Rübner und ich hatten die jahrelange Sprachlosigkeit der Branche satt, als wir im Januar 2014 mehr als 20 Branchen-Vertreter quer durch alle Interessengruppen einluden, um mit uns über die „Lage der Nation“  zu diskutieren.

Wir wollten herausfinden, was die relevanten Themen sind, was die Defizite? Was können wir als Branche tun, um das Standing gegenüber unseren Kunden und der Öffentlichkeit zu verbessern. Das Ergebnis war das Münchner Manifest als Vorstufe zu einem Branchen-Kongress.

Aus heutiger Sicht wird die Branche auf den so dringend notwendigen Kongress wohl noch länger warten müssen.

Was ist nach dem Treffen und Manifest passiert? Warum ist der Kongress nun anscheinend und leider vom Tisch?

Matthias: Das Feedback auf unseren Vorstoß war großartig, sodass wir zuerst ein Grobkonzept entwickelt und es Multiplikatoren und Sponsoren gezeigt haben. Im nächsten Schritt haben wir Themen, Formate und Inhalte entwickelt und potentielle Akteure definiert. Es gab eine Sponsoren-Liste, alles lag auf dem silbernen Tablett für einen Veranstalter – bis hin zu einer kompletten Event-CI.
Die Rolle des Organisators wollten und konnten wir allerdings nicht übernehmen. Es stellte sich bei der Suche nach einem Veranstalter heraus, dass die nicht Schlange standen – aus wirtschaftliche Gründen. Unser Kongress war schlicht nicht kommerziell genug.

Und dann nahm das Unglück seinen Lauf. In Form einer „Konferenzagentur“ aus Berlin. Wir müssen uns ganz klar einen Auswahlfehler vorhalten lassen.  Als wir merkten, dass wir an den Falschen geraten waren, haben wir leider emotional reagiert und bei der Kündigung des Vertrages einen formal-juristischen Fehler begangen. Am Rande sei erwähnt, dass diese Agentur Anfang 2015 überraschend ihren Geschäftsbetrieb „angepasst“ hat und nun plötzlich ganz ohne Mitarbeiter „auskommt“. Nicht aber ohne uns vorher auf 200.000 € als „Schadenersatz“ zu verklagen. Der Betrag erklärt sich aus der „Verwechslung“ von Umsatz und Gewinn sowie einer Kooperationslaufzeit von drei Jahren. Unser Prozessrisiko war sicherlich deutlich kleiner, aber wir wollten diese Sache nicht weiter mit uns herumschleppen. Wir haben uns außergerichtlich geeinigt und ordentlich Lehrgeld gezahlt.

Es ist seither viel Zeit vergangen. Durchaus verständlich, dass da Spekulationen aufkommen. Warum habt ihr nicht schon früher gesagt, dass das Projekt abgehakt ist?

Matthias: Zum einen hat sich das juristische Nachspiel bis weit in das Jahr 2015 hingezogen. Zum anderen war und ist es uns immer noch peinlich, dass wir uns so dämlich angestellt hatten.

Mit der Zeit ist auch der Vorwurf aufgekommen, ihr wolltet euch damit letztlich nur selbst profilieren oder Geld machen. Was sagst Du dazu?

Matthias: Der Kooperationsvertrag sah für unsere Arbeit in den ersten 2 Jahren keinerlei Honorar vor. Und in aller Bescheidenheit: an Profil mangelt es wohl keinem von uns dreien. In erster Linie ging es uns um die Sache. Um Kreation, um den Nachwuchs, um den Dialog mit dem Kunden, um eine Plattform für die Branche, um den Stellenwert von Events/Messen in der Markenkommunikation öffentlichkeitswirksam zu reklamieren, um aus der selbstverschuldeten Isolation herauszukommen. Die Selbstverzwergung der  Branche ist nach wie vor hausgemacht.

Vielleicht meldet sich nun daraufhin eine Firma oder Agentur, die helfen oder die Organisation des Kongresses übernehmen möchte?! Ist da noch eine Chance das Projekt wiederzubeleben?

Matthias: Wenn diese Partner es schaffen, zuerst uns wiederzubeleben… . Im Ernst, wir haben viel Lehrgeld bezahlt und noch mehr Arbeit investiert. Wer es ernst meint, kann sicher sein, dass wir darüber nachdenken. Schließlich ist die inhaltliche Arbeit fertig – und der Bedarf für so eine Leuchtturmveranstaltung in der Branche ist größer denn je.

Wir persönlich hoffen, dass es jemand schafft! Danke für das Interview und die Ehrlichkeit.


3 Kommentare
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3 Kommentare

  1. Jan Kalbfleisch

    Liebe Revolutionäre,

    zuerst einmal – und wirklich ohne jeden Hauch von Schadenfreude – ist sehr bedauerlich, was Euch passiert ist.
    So ganz unabsehbar war das jedoch nicht. Glaubt bitte nicht, dass der FAMAB sich nicht bereits selbst seit Jahren immer wieder tiefgehende Gedanken über einen Fachkongress macht. Es gab ja auch bei uns bereits Versuche dahingehend. Allerdings, aus welchen Gründen auch immer, ein richtig großer Wurf war es nicht.

    Eine solche Veranstaltung wirklich hochklassig und dabei wirtschaftlich tragfähig aufzustellen, ist eine Aufgabe mit mindestens einem diametralen Zielkonflikt. Wenn ich übrigens von „wirtschaftlich tragfähig“ spreche, meine ich ausdrücklich nicht wirtschaftlich attraktiv im Sinne einer privatwirtschaftlichen Betrachtung, sondern eben lediglich „tragfähig“. Man könnte dies hasenfüßig nennen, doch die Beiträge unserer Mitglieder möchte ich einfach nicht in Lehrgeld investieren.

    Allerdings: schon alleine die Tatsache, dass dieses Thema auch bei uns immer wieder hochkocht zeigt, dass es relevant ist. Wir – und da dürft Ihr Euch nun leider eingeschlossen fühlen – haben bisher noch keinen Weg zur Realisierung gefunden. Wie Helge Thomas so treffend sagte, sind Ideen, die nicht realisiert werden, nichts wert.

    Wenn das gemeinsame Ziel noch immer, die Weiterentwicklung unserer Branche ist, und wir der gemeinsamen Meinung sind, dass ein Fachkongress hierzu geeigent ist, sollten wir vielleicht wirklich mal das „unmögliche“ tun und reden.

    Von meiner Seite aus gerne.

    Jan Kalbfleisch

    PS. „Selbstverzwergung“ ist gut!

  2. Kindler, Rübner, Schmachtenberg

    Besten Dank, Herr Kalbfleisch, für die Anteilnahme an unserem Missgeschick. Es freut uns, daß der FAMAB sich mit dem Gedanken an einen Fachkongress beschäftigt hat. Nur, warum findet dann keiner statt?

    Ausgerechnet die Branche, die behauptet Experte für Live-Kommunikation zu sein schafft es nicht, eine Leitveranstaltung auf die Beine zu stellen? Mit Zukunftsthemen, mit einem Forum für den Nachwuchs, mit Protagonisten, die unserer Branche ein Gesicht geben? 

    Der Schuster hat nicht einmal Schuhe. Aber er wundert sich regelmäßig über die mangelnde Wertschätzung seitens seiner Auftraggeber. Au weia. 

    Sie sagen, dass läge auch an der Finanzierbarkeit einer solchen Veranstaltung. Gleichzeitig unterhalten Sie eine Geschäftsstelle mit weit mehr als einem Dutzend Mitarbeiter und akquirieren laut eigenen Angaben jährlich Sponsoren-Sachleistungen im Wert von knapp 2 Millionen Euro.
     
    Wo ist das Problem? Was sind die wahren Gründe für die zögerliche Haltung? Wie auch immer, es ist ein tragisches Versäumnis, das nicht nur Ihre Verbandsmitglieder sondern die ganze Branche jeden Tag bares Geld kostet. 
     
    Es grüßt freundlich die APO (Kindler Rübner Schmachtenberg)

  3. Rössle

    Verehrte APO,

    ich empfinde das Angebot zum Gespräch von Jan Kalbfleisch als durchaus konstruktiv und bei der beidseitigen Feststellung, dass man es „nicht auf die Kette gebracht hat“ auch als sinnvoll. Vielleicht gelingt es durch Bündelung von Expertise. Schade, dass im Gegenzug einfach nur wieder Verbandsschelte erfolgt – in meinen Augen kein Beweis von konstruktivem Willen etwas für die Branche zu bewegen. So wird´s nix!
    Es grüßt Hamburg (ebenfalls geschlagen mit einem dramatischen Fehlversuch – wenn auch in Sachen Sport)
    Stefan Rössle

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