Experience Design bei Dinner-Events: Sharing Dinner von Marije Vogelzang

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Das gemeinsame Essen sollte eigentlich etwas Besonderes sein. Doch anstatt sich auf den Menschen zu konzentrieren, überlegt man bei Marketing-Events welche noch spektakulärere Dekoration, Show oder Spezialität man den Gästen auftischen kann. Dabei lenkt man sich selbst als auch die Gäste nur immer mehr von dem ab, worum es eigentlich gehen sollte: um die Frage, wie wir etwas erleben und nicht, was wir erleben! Als Veranstalter kann und sollte man dieses „Wie“ bewusst dramaturgisch gestalten und sich auf das Experience Design konzentrieren.

Marije Vogelzang hat sich als Designerin genau darauf spezialisiert. Sie gestaltet Essen als simples und effektives Tool im Sinne von Interaktion, Beteiligung, Erforschung und Genuss. Ihre „Food-Events“ sehen nicht nur schön oder besonders aus, sie fördern ein bewusstes und bestimmtes Erlebnis. Im Fall des Sharing Dinners hat sie ein Weihnachtsessen gänzlich untypisch designt. Anstatt sich auf weihnachtliche Dekorations-Klischees zu konzentrieren, hat sie die Werte des Festes ins Zentrum gestellt – und als räumliche „Intervention“ umgesetzt.

Anstatt die Tischdecke seitlich am Tisch herunter hängen zu lassen, hat sie sie in entgegengesetzter Richtung an der Decke befestigt. Schlitze ermöglichten es den Gästen Kopf und Arme durch den Stoff zu stecken. So wurde ein Raum erschaffen, der die Menschen miteinander verband. Wen jemand an dem Tuch zog, sich bewegte, konnten andere das spüren. Andererseits wurde durch das Verbergen der Kleidung ein Gefühl von Gleichheit verstärkt. Nicht zuletzt wurden alle ablenkenden Elemente bewusst ausgeschlossen und die Aufmerksamkeit auf das Geschehen innerhalb der Tischdecke gelenkt.

Eine ungewöhnliche und zielgerichtet Situation, die schnell ein Gefühl von Gemeinsamkeit vermittelt und Menschen zueinander führt, auflockert und eine ungezwungene Interaktion fördert. Um niemanden in der Tischdecke gefangen zu halten, erhielt jeder eine Schere, mit der er sich jederzeit freischneiden konnte.

Auch das Essen selbst wurde bewusst serviert. So wurde zum Beispiel manchen Gästen zwei Scheiben Melone serviert, anderen zwei Scheiben Schinken. Bei einem anderen Gang erhielten einige Personen ein größeres Stück Fleisch, andere die Beilage. Ungeschnittenes Brot befand sich auf dem Tisch. Wein und Wasser ebenso. Ohne dass es jemand sagen musste, fingen alle wie selbstverständlich an sich das Essen zu teilen, Getränke gegenseitig einzuschenken und Brot füreinander zu schneiden.

 
Das ist für mich wahre Live-Kommunikation im Sinne von Erlebnis oder Experience Design. Mittels durchdachter, einfacher Raumgestaltung und gezielten Abläufen wird die Art, wie wir ein Dinner-Event erleben, beeinflusst. Ein bestimmtes Verhalten und Emotionen werden verstärkt. Alle ablenkenden Elemente bewusst ausgeblendet. Nicht wie häufig, groß inszeniert. Schicke Deko und eine teure, bombastische Show schaffen vielleicht oberflächliche Begeisterung, aber sie berühren uns nicht annähernd so tief, wie ein solches Dinner-Event! Ich bin begeistert!

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Fotos: Marije Vogelzang


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