Glaubwürdigkeit von Awards: kaum Vertrauen in Jury und Prozesse – Umfrage Ergebnisse

glaubwuerdigkeit-awards-umfrage-ergebnisseVor zwei Wochen haben wir uns mit der Kritik an Awards auseinander gesetzt und in einer Umfrage nach der Glaubwürdigkeit und dem Nutzen von Awards gefragt. Was bringen Dir bzw. Deiner Agentur Awards? Vertraut ihr den Einschätzungen der Jury und den Prozessen im Hintergrund? Das kurze Fazit eurer Antworten: ein Nutzen ist vorhanden, Vertrauen aber so gut wie gar nicht!

Zusammenfassung der Ergebnisse

Kaum Vertrauen in Prozesse und Jury


Dieses Ergebnis hätte deutlicher nicht sein können. Darüber bin auch ich etwas überrascht. Die Mehrheit hält Awards für nicht glaubwürdig. 50% sind skeptisch gegenüber den Prozessen im Hintergrund. 37% sind skeptisch gegenüber den Bewertungen der Jury. 33% können die Bewertungen oft nicht nachvollziehen.

Vertrauen und Misstrauen stehen sich zahlenmäßig deutlich gegenüber. Nur 4% vertrauen den Prozessen im Hintergrund und nur 2% den Jury-Bewertungen. Lediglich 9% sind oft der gleichen Meinung wie die Jury.

30% halten die eigene Einschätzung ganz raus und schauen sich nach eigenen Angaben nur neutral die Projekte an.

Projekt-Überblick und Brachentreffen werden geschätzt

Ähnlich kritisch lesen sich die Aussagen, denen die meisten Teilnehmer zustimmen. 52% schätzen an Awards hauptsächlich den Überblick an Projekten. 48% finden Awards wichtig und gut, doch bei vielen muss sich ihrer Meinung nach dringend etwas ändern. Awards als Branchentreffen empfinden 37% der Teilnehmer als den besten Bestandteil. Der Vermutung, dass Awards eher mit etwas Glück käufliche Siegel sind, stimmen 35% zu. 28% empfinden zudem, dass Awards von verschiedenen Interessen beeinflusst und geprägt sind.

Dass die Kritik nicht (2%) oder nur teilweise gerechtfertigt ist, kein Problem besteht (9%) und Awards an sich aussagekräftig und glaubwürdig sind (4%), denkt nur der kleinste Teil der Teilnehmer.

Vertrauen ist gering, die Motivation eines Preises trotzdem groß

Im Widerspruch zu den eher kritischen Äußerungen, werden eigene Auszeichnungen etwas anders bewertet. Auf die Frage, welchen Wert Awards für die eigene Agentur haben, empfindet die Mehrheit (37%) einen Preis als „motivierende Wertschätzung besonderer Verdienste“. Aus dieser Perspektive gesehen, scheint man den Bewertungen und Prozessen doch ein wenig mehr Glauben zu schenken. Wer vermutet, dass dies wohl nur die positiv eingestellten Teilnehmer geantwortet haben, irrt. Diese entgegengesetzten Sichtweisen sind auch zu finden, wenn man sich die Antworten einzelner Teilnehmer anschaut.

Aus psychologischer Sicht ein sicher ganz normales Verhalten: Bewertungen fallen je nach eigener Position anders (nicht selten zum eigenen Vorteil) aus. Allerdings unterstreicht dieses Ergebnis den emotionalen Wirkungshebel und Erfolgsgrund vieler Awards: Obwohl man ihnen eigentlich nicht vertraut, fühlt man sich vom Gewinn doch angezogen und motiviert.

Größte Nutzwerte liegen im Eigenmarketing und dem Image

Wie zuvor beschrieben empfinden die meisten (37%) den Wert eines Awards als „motivierende Wertschätzung“. Auf dem zweiten Platz (28%) findet sich, dass der Gewinn bzw. das Award-Logo wichtig für das eigene Marketing sind. Mit 22% folgt die Wichtigkeit für das eigene Image.

Den Award selbst, sprich die Verleihung und die Gewinnerlisten, empfinden 17% als wertvolles Marketing. Auch für die Kundengewinnung scheinen Awards weniger wichtig zu sein (17%). 15% sehen gar keinen Wert. Was Ausrichter gerne von ihrem Award behaupten – sie seien ein Spiegelbild dessen, was gerade State of the Art ist – findet sich hier mit 11% auf dem letzten Platz.

Ein nicht geringer Anteil der Teilnehmer (26%) sieht keinen Nutzen, da er/sie sich Awards auch nicht leisten möchte oder kann.

Fazit

Bei allen durchaus bestehenden Vorteilen und Nutzwerten von Awards, die kritische Haltung vieler Menschen scheint in diesem Rahmen eindeutig zu sein. Gerade in Bezug auf bestehende Prozesse und Strukturen sowie die Jury-Bewertungen bleiben positive Stimmen absolute Ausnahmen. Mir scheint, da muss sich wirklich etwas ändern, sofern Awards Wert auf Glaubwürdigkeit legen.


An der nicht repräsentativen Umfrage haben insgesamt 86 Personen teilgenommen. Wie in unserem Blog zu erwarten war, stammen die meisten aus dem Eventmarketing bzw. der Live-Kommunikation. Somit beziehen sich die Aussagen mehrheitlich auf Awards, die auch unsere Branche auszeichnen. Mehrfachnennungen waren bei allen Antworten möglich. Bei der ersten Frage, waren sie auf maximal drei Antworten begrenzt. Die Antworten sind für eine bessere Abbildung gekürzt.


Wie glaubwürdig sind Awards? Vollständige Umfrage Ergebnisse

Welchen Wert haben Awards für Dich bzw. Deine Agentur/Firma vorrangig?

(Max. 3 Antworten)
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Ausgewählte Kommentare unter Sonstiges:
Es hängt stark vom jeweiligen Award ab. Man kann das nicht verallgemeinern!

 

Wie begegnest Du Awards ganz allgemein, wenn Du z.B. die Gewinner durchschaust?

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Welchen Aussagen stimmst Du in Bezug auf Awards zu?

umfrage-bedeutung-von-event-awards-01
 

In welcher Branche arbeitest Du bzw. auf welche beziehst Du Dich?

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Ausgewählte Kommentare:

  • Hauptprobleme: keine neutralen Jurys (Einreicher und teilweise sogar Kunden sitzen in den Gremien) und keine Kategorisierung in Etats (Bsp. FAMAB Award – es gewinnen immer die teuersten Produktionen und nicht die kreativsten!)
  • Es ist eine Sache sich die Awards anzuschauen und eine andere auf ein Kreativranking zu schließen. Im Eventbereich hat keine Idee Wert, wenn sie nicht gut umgesetzt wurde, somit kann eine Bewertung einer Einreichung auch nur inklusive der Umsetzung (Logistik etc.) erfolgen. Daraus muss zwangsläufig eine Bewertung aufgrund unterschiedlicher Faktoren erfolgen (und nicht nur Kreativität). Daher hat auch ein sogenanntes Kreativranking auch keine wirkliche Aussagekraft über die tatsächliche Kreativität der jeweiligen Agentur (zumal Kreativität auch oft von außen eingekauft wird) und ist eher ein Bild über die Gesamtqualität (wenn man objektive Bewertungen der Jury voraussetzt und keine politischen Entscheidungen)
  • Awards zu verallgemeinern ist schon mal grundfalsch (siehe dazu meinen offenen Brief an die Page).

2 Kommentare
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2 Kommentare

  1. Arnim Dahlen

    Der zuletzt zitierte Brief von Heinrich Paravicini in der Page enthält unter anderem den Satz ‚…. (dass) es das gute Recht von Award-Gesellschaften ist, ein Geschäftsmodell zu betreiben und sich bezahlen zu lassen …‘ und benennt damit sehr gut den Ursprung des Fehlens von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Wenn nicht (geschäfts-)unabhängig bewertet wird, sondern die Bewertung und ihr Ergebnis nur ein Geschäftsmodell darstellen, dann wird es kaum Wagnisse geben bzw. die, die sie eingehen, werden sich von Awards i.d.R. fern halten.

  2. Anne Findeiß

    Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, kann ich nur zustimmen. Ein Großteil der Awards, die ich im Designbereich für unsere Agentur recherchiert habe, sind kostenpflichtig. Erst Teilnahmegebühren und wenn man gewinnt, folgen kostenpflichtige Gewinnerpakete. Wir haben in diesem Jahr in einer Kategorie des German Design Award gewonnen und wollten eine Urkunde nachbestellen. Sagenhafte 79,90€ kostet es, ein A4-Blatt mit Logo, Projekttitel, Auftraggeber und Designbüro zu bedrucken. Auf meine Bitte, die Kategorie aufzuführen und eine Unterschrift vom Rat für Formgebung runterzusetzen, bekam ich die Antwort, dass das eine Sonderausführung wäre, die 119,90€ kostet. Soviel Dreistigkeit macht sprachlos. Und im Gegenzug von großer Marketing- und Medienwirkung zu sprechen… Ich hab keine Presseveröffentlichung vom Rat für Formgebung gefunden, in der wir erwähnt werden.

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