Event Struktur & Bestuhlung neu denken: Mittendrin – eine ungewöhnliche Konzertreihe

Foto der Konzertreihe Mittendrin
Konzertreihe Mittendrin – Foto: Frank Löschner

Wenn es beim Konzerthausorchester Berlin heißt, die Besucher seien mittendrin, dann ist das wörtlich gemeint! In der Konzertreihe „Mittendrin“ unterscheidet ein unkonventioneller Bestuhlungsplan nicht mehr zwischen Besuchern (Parkett) und Musikern (Bühne). Anstatt getrennt sitzen beide, Orchester und Publikum, gemeinsam und gemischt im Raum.

Dafür wurden die Musiker aufgefächert im Raum und nach Instrumenten verteilt. Freie Stühle dazwischen stehen den Besuchern zur Verfügung. Indem die Gäste neben einzelnen Musikern, also im Orchester Platz nehmen können, werden klassische Barrieren aufgebrochen. Für beide Seiten ein neues Erlebnis. Das Publikum sitzt direkt neben den Geigen oder Klarinetten, erlebt Musiker, Instrumente und die Verbindung zum Dirigenten hautnah. Gleichzeitig eröffnet die Nähe zu bestimmten Instrumenten und ihrer unterschiedliche Lautstärke auch einen ungewöhnlichen akustischen Eindruck. Auch für Musiker und Dirigent war die Premiere Ende 2014 ein Experiment, von dem sie nicht genau wussten, wie es funktionieren würde.

Doch es scheint sehr gut zu funktionieren. Gerade wenn man sich die Videos anschaut, wie begeistert die Besucher reagieren, wie sie vor oder nach dem Konzert mit den Musikern sprechen, Fragen stellen, Musiker ihnen einzelne Passagen kurz vorspielen. Ein musikalisch sowie zwischenmenschlich anscheinend sehr erfolgreiches Bestuhlungskonzept.

In diesem Rahmen ist zusammen mit arte und der Agentur Exozet auch ein 360 Grad Video sowie ein spezieller Player entstanden, der den Perspektivwechsel zwischen 5 verschiedenen Kameras ermöglicht. So kann man passend zum Live-Konzept auch online den Blickwinkel individuell wählen.

Eine großartige Idee des Chefdirigenten und Erfinders Initiators dieses Formats beim Konzerthausorchester Berlin, Iván Fischer!

Videos zur Konzertreihe Mittendrin

Besucherstimmen und wie sie das Format erleben:

 
Das Konzept aus Musiker- und Dirigenten-Sicht:


3 Kommentare
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3 Kommentare

  1. Helga Stattler

    Mit großem Interesse lese ich diesen Bericht – brilliante Ideen erblicken oft (fast) gleichzeitig das Licht der interessierten Öffentlichkeit. Die Musiker nicht auf die Bühne sondern mitten unters Publikum zu setzen, hat der Künstler Miha Pogacnik bereits 2008 erstmals realisiert und seither schon oft in vielen Konzerten. Ich habe dieses Konzertformat 2010 im Schloß Borl anläßlich des Projekts Terra Parzival live erlebt! Ein unvergeßlicher Eindruck!

    Schön, dass Iván Fischer nun auch diese Idee hatte – der Erfinder ist er allerdings nicht. Die Performance am 11. April 2008 war übrigens für die Gruppe der EU Ministers of Environment. Einen Bericht mit Fotos darüber habe ich in meinem Archiv. Leider kann man hier keine Attachments anhängen. Wenn jemand an diesem Bericht interessiert ist, maile ich ihn sehr gern (helga.stattler@kunstundwirtschaft.at).

  2. Helga Stattler

    Da haben Sie recht …. Ich habe immer schon nach neuen Formaten und vor allem Projekten gesucht, wo KünstlerInnen und Künstler Innovationen für die Gesellschaft, im besonderen für Wirtschaft und Organisationen, entwickeln. Und da ist mir Miha Pogacnik (www.mihavision.com) sofort untergekommen.

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