Dem Stillstand huldigen, obwohl wir Veränderung suchen: Gunter Dueck über Cargo-Kulte #rpTEN

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Wer die republica 2016 nicht ganz mitverfolgen konnte, sollte sich im Nachhinein eine Stunde mit Gunter Dueck gönnen! Mit seinem Vortrag über „Cargo-Kulte“ hält er uns mal wieder gekonnt den Spiegel vor und regt zum Nachdenken an. Unterhaltsamer kann man sich definitiv nicht weiterbilden!

Das spannende Thema von Dueck war diesmal das Phänomen der sogenannten Cargo-Kulte, mit denen wir alle regelmäßig dem Stillstand huldigen, obwohl wir die Veränderung suchen. Im Kern geht es bei Cargo-Kulten um missverstandene kausale Zusammenhänge. Beobachtet wurden sie erstmals im zweiten Weltkrieg, als Einwohner Melanesiens sich wunderten, „dass immer dann, wenn die Fremden (Amerikaner im Krieg gegen Japan) auf einen Turm („Tower“) stiegen und beteten, deren Vorfahren Flugzeuge voll beladen mit Essen schickten“. So fingen auch die Melanesier an Tower bzw. Türme und Flugzeuge aus Stroh zu bauen, und auf das große Heil zu warten. Natürlich passierte nicht viel, denn der zentrale Zusammenhang wurde nicht verstanden.

Nun schmunzeln wir wissend, doch solche Phänomene treten auch bei uns auf, erklärt Dueck. In Hülle und Fülle! Wenn man genauer darüber nachdenkt, dominieren sie unsere aktuelle nach kurzfristigen Erlebnissen hungernde Lebens- und Berufswelt. Wir gehen zu inspirierenden Konferenzen, organisieren Teambuildings, lesen Ratgeberbücher, veranstalten Brainstormings, Breakout-Sessions und Motivations-Events – und hoffen, dass das reich befüllte Flugzeug mit innovativen Ideen, Zusammenhalt, Zufriedenheit, Erfolg und Motivation landet. Frei nach dem Motto: Wenn wir Mitarbeiter nur oft und laut genug zu mehr Motivation aufrufen, dann kommt sie schon. Doch es passiert nichts. Es werden große motivierende Reden geschwungen, Kreativtreffen und Shows inszeniert… und dann machen wir weiter wie vorher.

Diese kultartigen Ersatzhandlungen bringen uns nicht weiter. Sie geben uns zwar ein gutes Gefühl, aber lenken uns ab, von dem was wir eigentlich tun müssten: anpacken, entwickeln, arbeiten, optimieren, wirklich etwas verändern. Nicht nur über neue Methoden und Strategien reden oder auf der Website bekunden, dass eine bessere Work-Life-Balance gut und wichtig ist. Nein, Neues konsequent umsetzen oder sich konkret um seine Mitarbeiter kümmern! Ohne echte und mühevolle Anstrengung passiert nichts, meint Dueck. „Es ist der oft irrige Glaube, dass man das Besondere schon erzielen kann, wenn man nur Rahmenbedingungen schafft, die keine besonderen Anstrengungen verlangen. […] Man baut Kopien von Silicon Valley, und schwupps, kommen Milliarden.“ Man baut mit den Mitarbeiter ein Floß, und schwupps, sind sie das perfekte Team. Man inszeniert eine bombastische Produkteinführung, und schwupps, alle kaufen mein Produkt. So funktioniert das aber leider nicht. Es fühlt sich besser an, ja, aber das alleine bewirkt nichts!

Eine etwas schmerzliche, aber wichtige Selbsterkenntnis, finde ich!
 

Daher nimm Dir die Stunde, trommel Deine Kollegen und den Chef zusammen, und überlegt, wo ihr Cargo-Kulten frönt und was man eigentlich tun müsste – sofern ihr bzw. Kunden wirklich etwas ändern und bewegen möchten ;)

republica: Gunter Dueck über unsere Cargo-Kulte

Die Zitate sind Auszüge aus der Vortragsbeschreibung


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