10 Designer und 16.000 Schuhkartons: Nike Ausstellung „The Nature of Motion“

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Designmessen und -festivals ziehen neben themenspezifischen Ausstellern auch immer wieder branchenfremde Marken an. Abseits des Messegeländes präsentieren sie sich mit eigenen Ausstellungen oder Events. So auch im Rahmen der Mailänder Design Week, auf der es schon länger nicht mehr nur um Möbeldesign geht. Internationale Marken sonnen sich im Designflair und lassen sich das einiges kosten. Ein Beispiel dafür ist Nike, die 2016 mit der unkonventionellen und äußerst aufwändigen Ausstellung „The Nature of Motion“ Design-Interessierte anziehen wollte.

Die für den Umbau der Location und die Umsetzung des Designkonzepts verantwortliche Firma Satis&Fy berichtet über die aufwändigen und herausfordernden Hintergründe der Ausstellung.

[Nike] mietete sich für knapp einen Monat in einer alten im Süden Mailands gelegenen Industrie-Location unweit der Fondazione Prada ein. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Sportmarke zehn internationale Designer aufgefordert, sich mit dem Thema Bewegung auseinanderzusetzen, um die Ergebnisse dieses Kreativprozesses auf der Messe zu präsentieren.

16.000 Schuhkartons als Gestaltungselement
Konstruktives und prägnantes gestalterisches Element der Ausstellung war eine 200 Meter lange Wand aus 16.000 weißen Schuhkartons, die die Künstlerbereiche voneinander abschirmte. In drei Trailern wurden die Original-Nike-Schuhkartons nach Mailand transportiert und vor Ort fünf Tage lang von zwölf Helfern zusammengefaltet. „Wegen der Brandschutzauflagen mussten die Kartons mit B1‑zertifizierten Styropor-Inlays versehen werden“, erklärt zuständiger Project Manager Guido Klose von Satis&Fy. Diese hatte man von einem Dienstleister aus dem Rhein-Main-Gebiet eigens anfertigen lassen. Um die Stabilität der Wand zu garantieren, wurden die Schuhkartons miteinander verklebt, was mehr als 40 Kilo Heißkleber und 600 Kartuschen Silikon verbrauchte.

Baustelle mit Hindernissen
Die Umsetzung des Projektes brachte eine Vielzahl an Herausforderungen mit sich. So lagen anfangs keine Genehmigungen für den Betrieb der Halle als Eventlocation vor. Außerdem musste diese für die Veranstaltung komplett saniert werden. „Das war für uns eine ausnehmend spannende Baustelle; es war fast so, als würden wir ein Haus bauen“, berichtet auch Satis&Fy Project Manager Christoph Grobe. „Wir haben, bevor es mit der eigentlichen Projektumsetzung los ging, eine Woche lang Wände aufgerissen, Türen eingebaut, Holzbalken in der Farbe der Location gestrichen und 400 Fensterscheiben abgedunkelt, um den außergewöhnlichen Charakter der Location zu erhalten. Zudem wurde eine Rollstuhlrampe gegossen, Stromanschlüsse wie auch Estrich wurden verlegt. Überall standen Bagger und schweres Arbeitsgerät herum.“

Flexibilität musste Satis&Fy nicht nur als Bauunternehmer, sondern auch als Straßenbaufirma unter Beweis stellen ― etwa während des Genehmigungsprozesses für die temporäre Nutzungsänderung, als vom Mailänder Bauamt ein weiterer Notausgang gefordert wurde. Guido Klose: „Die Vorschriften sehen vor, dass die Notausgänge gegenüber dem Eingang zu liegen haben. Bedingt durch die bauliche Situation konnten wir den Ausgang aber nur in der Ecke realisieren, wo ursprünglich die Stromgeneratoren geplant waren.“ Da die italienische Gesetzeslage vorschreibt, dass Generatoren und externe Tanks mindestens drei Meter vom Notausgang und drei Meter vom nächsten Gebäude entfernt sein müssen, wurden diese kurzerhand in eine Baustelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite integriert, „selbstverständlich erst nach dem Einholen der Baugenehmigung“. Glücklicherweise betrug die Genehmigungszeit für das unterirdische Verlegen der Kabel nur einen Tag. Die Genehmigung für die oberirdische Verlegung hätte zum Vergleich 45 Tage beansprucht. „Und dann hieß es: Loch graben, Rohre verlegen, teeren, Verkehr umleiten, Loch auf der anderen Seite graben, Rohre verlängern, teeren, Straße wieder für den Verkehr freigeben, Generatoren in der neuen Position platzieren, Kabel unterirdisch verlegen und anschließen“, zählt Klose die Arbeitsfelder auf. Business as usual? Nicht wirklich.

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[Herausforderungen bargen auch die jeweiligen Kunstwerke.] „Jeder Künstler hatte individuelle Auflagen und Ansprüche“, erklärt Grobe. Für den Designer Max Lamb beispielsweise musste ein vier Tonnen schwerer Granitblock in die Halle transportiert und mit Druckluft zum Schweben gebracht werden.

Neben dem Ausbau der Künstlerflächen lieferte Satis&Fy auch eigene Sonderbaulösungen. So thematisierte eine Fläche die Flyknit-Technologie von Nike. Dafür fertigte Satis&Fy Mooswürfel aus einer mit Lochblech belegten, vor Ort zusammengeschraubten und von einem italienischen Landschaftsarchitekten mit Moos beklebten Stahlkonstruktion an. An anderer Stelle kamen 25 Sitzwürfel zum Einsatz, die nach Designvorgabe mit einer 3D-Fräse aus Modellbaumaterial gefertigt und im Anschluss mit Polyurea-Oberfläche beschichtet wurden. Für die Ausstellung verschiedener futuristisch-kreativ inszenierter Nike Schuhmodelle brachte man 25 hinterleuchtete und in Karben vorgefertigte Glasvitrinen nach Mailand.

Unsichtbare Technik
Die Technik spielte in Mailand eine eher untergeordnete Rolle. So sollte zum Erhalt der ursprünglichen Hallenatmosphäre weitestgehend auf den Einsatz von Traversen verzichtet werden. Ziel war es, die Technik möglichst unsichtbar in die Gestaltung einzubinden, was mit Strom-Schienen gelang. Grundlicht aus ETC Source4 Mini und Arri 300W- sowie 650W-Stufenlinsen gab es für die Künstlerflächen. Es inszenierte die dreidimensionale Struktur der Wände. Eine LED-Leinwand aus 243 Panels LEDitgo SB3 Elementen (3,75m Pixel Pitch) wurde in einem Bereich aufgestellt, den Nike der „Genealogy of Nature Motion“ widmete.

Workout-Zone
Natürlich wurde auch auf dem Außengelände gearbeitet. Hier entstand eine 10 mal 50 Meter große Bühne für Workouts und Präsentationen, gebaut aus einem Layer-Unterbau und mit Bütec-Platten belegt. Zuvor wurden 125 Tonnen Kies aufgeschüttet ― insgesamt fünf Lkw. Umsäumt wurde die Bühne von 600 per DMX einzeln angesteuerten LED-Lampen, zusammengebaut aus einer Edelstahlstange und einem 38cm hohen gefrosteten Plexiglasstab. Jeder Stab wurde mit einer LED-Lampe versehen. Alle 600 Stangen wurden von einem Crew-Mitglied einzeln gedreht. „Leider mussten die Stangen für eine Abendveranstaltung wieder weichen, eine der vielen Auflagen der Stadt“, erzählt Christoph Grobe.

Auszüge aus der Pressemeldung von Satis&Fy

Sofern am Foto nicht anders angegeben, Copyright Fotos: Lorenza Mercuri


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