Alles Event? Heiter-ironische Jahresrückblende 2016

Kommentar von Wolf Rübner

Die Eventisierung aller Lebensbereiche war auch im abgelaufenen Jahr nicht aufzuhalten. Zu den neuen Stilblüten gehört zweifellos der Schüttelreim einer Hamburger Agentur, mit der sie ihr 5-jähriges Bestehen anzeigte. Da hoffen wir doch inständig, dass nicht die eigene Hütte abgefackelt ist. Hier meine Flops und Tops des Jahres.

 

Amtliche Bekanntmachungen

Geburtsanzeigen: ein Agentur-Baby erblickte in Hamburg das Licht der Welt und sein erstes Wort war moin.

Hochzeiten: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit schlossen den Bund für’s Leben die technischen Dienstleister kfp aus Frankfurt und die US-Firma PSAV, beide aus der Familie, die in 5*Sterne-Hotels die Technik streichelt. Romantisch, wie wallstreet:online die Verbindung kommentierte: “The transaction strengthens PSAV’s leadership position in Europe by adding a highly talented team with strong customer and venue partnerships, while providing KFP the opportunity to enjoy the benefits of global scale and innovative technology.” Now you should kiss the bride.

Ebenfalls ohne Blitzlichtgewitter fusionierten zwei Töchter der amerikanischen Dry-Hire-Company VER: Die ehemalige MEDIA IN RES aus Braunschweig und VER Deutschland aus Offenbach. Also, die Amis sind echte wedding planner.

Nico Ubenauf von satis & fy hielt um die Hand von Peter Nellen‘s Tochter lightcompany an. Wohl keine Liebesheirat, mehr eine Vernunftehe.

Trauerfälle: Auf dem Firmenfriedhof ruht nun die Wiesbadener Agentur brandbelow, Agentur für Direkte Kommunikation GmbH.
Auch Gräfin Hardenberg hatte mit Hardenberg Consultum einen Trauerfall zu beklagen. bunte.de rühmt sie als Event-Managerin, die Berlin salonfähig gemacht habe. Bunte, weißt Du denn nicht, dass Event-Manager ein Schimpfwort ist?

Und Kalle Krause aus Essen strampelt noch. Vielleicht ziehen sie sich wie weiland Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf.

Let me entertain you

Über den Umbruch bei Event-Agenturen berichtete die Welt am Sonntag unter der Überschrift “Die Partymacher der Nation”, unter den Autoren ein gewisser J. Dams.

Aber nicht nur die Pleiten der Branche in den letzten Jahren werden in diesem Artikel genüsslich durchgekaut, sondern unsere grossen Drei als Partymacher bezichtigt: Avantgarde, VOK DAMS und Uniplan. Die Sündenfälle der Kunden kommen ebenfalls zur Sprache: Alicia Keys zur Einführung der S-Klasse von Mercedes-Benz, Robby Williams Blitzkonzert bei VW mit genau vier Songs.

Nachdem unsere Branche schon die Titelseite der BILD zierte, müssen wir uns nach diesem Artikel keine Gedanken mehr machen, warum uns einige Kunden als Laufburschen betrachten. Die schönsten Eigentore schießen wir allerdings selbst: In die Diskussion um VW’s Abgas-Skandal platzte guestone mit dieser originellen Werbung.

Der Sternenhimmel über Deutschland

Nun leuchtet ja gerade wieder ein Stern über Bethlehem, um den Königen aus dem Morgenland ein “Hotel” anzuzeigen. Ein Stern ist ein Stall, fünf Sterne ein Luxus-Hotel. Auf diese Klassifizierung kann man sich nicht mehr in jedem Fall verlassen. Ein Viertel aller Hotels einer 1.000 Betriebe umfassenden Stichprobe werbe mit abgelaufenen oder sich selbst vergebenen Sternen. Diesen Vorwurf der Sendereihe “ZDF zoom” hat der Hotelverband DEHOGA bestätigt. Auch Wochen nach der Ausstrahlung der Sendung warben 189 der 251 vom ZDF entdeckten Hotels unberechtigt mit Hotelsternen.

Agentur des Jahres

Meine subjektive Wahl fällt auf facts and fiction aus Köln. Mit grösster Selbstverständlichkeit engagiert man sich für die Schwachen in der Gesellschaft, die Nachbarschaft, die Natur, junge Menschen, die eigenen Mitarbeiter und ihre Familien. Sie nennen das “Verantwortung übernehmen”. facts and fiction unterstützt seit vielen Jahren die RheinFlanke, so unter anderem das Projekt “Köln kickt”, zuletzt mit dem Social-Film “Ins Leben”. Sie helfen mit Arbeitsleistung und Barem. Kölner Kinderheime, der Mukoviszidose e.V. und der Landesverband Lebenshilfe NRW, für den sie die WM der Menschen mit Behinderungen ausrichteten. Ein Vorbild in dieser von Gier vergifteten Zeit.

Die Nachricht des Jahres

Aus Raider wurde Twix, aus Condor wurde Thomas Cook, diese und andere Namenswechsel haben wir gelernt. Und nun das: aus Roth & Lorenz wird follow red. Die Stuttgarter Agentur traut sich was, 30 Jahre als Roth & Lorenz und jetzt ganz hip im Stil eines Start-ups.
Warum ausgerechnet follow red? Vielleicht weil Simply Red schon vergeben ist? Wie auch immer, Rotkäppchen, Uniplan, VOK DAMS und die Event-Agentur Rothfabrik klatschen sich ab und vor Begeisterung auf die Schenkel. Eines ist mal amtlich, ab sofort sind Rothaarige bei Stellenausschreibungen klar im Vorteil.

Frohes Fest! Keep on rockin‘


Fotos:
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