re:publica 2017: 11 interessante Artikel, Vorträge & Videos

re:publica 2017 | Creative Commons Foto: republica / Christian Ditsch

Positiv und motivierend sollte die diesjährige re:publica 2017 sein. „Love out loud“ war das Motto, das dazu anregen wollte, bei all den Negativentwicklungen nicht wegzuschauen und weiterhin daran zu glauben, dass wir gemeinsam etwas ändern können. Diesen Zuspruch kann man in den heutigen Zeiten wohl mehr als gut gebrauchen.

Die eindrucksvollsten Vorbilder dafür waren Journalisten und Aktivisten aus Ländern wie der Türkei, Ägypten und Ungarn, die sich auf der re:publica vor allem für Presse- und Meinungsfreiheit aussprachen. Mit reiner Liebe kann man in den Fällen, über die sie erzählten, aber wohl nicht mehr viel bewirken, wie auch Heise in einer lesenswerten Zusammenfassung feststellt.

Darüber hinaus bieten folgende Artikel Zusammenfassungen, Eindrücke und subjektive Meinung über die re:publica 2017:


Ich habe mich auch wieder durch die Unmengen an re:publica Vorträgen und Videos geklickt, aktuell sind es 220! Wer sie nicht selbst durchsuchen möchte, eine kleine Auswahl der meiner Meinung nach interessanten Aufzeichnungen habe ich an dieser Stelle gebündelt. Ansonsten einfach mal selbst in den re:publica Youtube Channel schauen – und gerne eure Fundstücke in den Kommentaren ergänzen!

Eat – Innovate – Love: How the world of work is transforming

Uns allen ist schon klar, dass sich in unserer Arbeitswelt momentan viel ändert. Aber was genau, über welche Dimensionen sprechen wir und wie wird die Zukunft aussehen? Die Basis all dieser Veränderungen, unsere bisherigen, aber auch der aktuellen industriellen Revolution, hängt maßgeblich mit der Art wie wir arbeiten zusammen, so sagt es Reza Moussavian in seinem Vortrag. Mit diesem Fokus fasst er bisherige, aktuelle und vielleicht künftige Szenarien von Arbeit zusammen.

In Zukunft werden Roboter unsere Kollegen sein. Sie, ebenso wie soziale Netzwerke werden z.B an Produktinnovationen mitarbeiten. Gleichzeitig werden die Aufgaben und Anforderungen an uns Menschen steigen, manche Jobs werden wegfallen, andere dazukommen. Menschen werden über größere Distanzen digital miteinander arbeiten, andererseits lässt sich ohne gemeinsamen Raum nur schwer eine Unternehmenskultur aufbauen. Das Problem dabei, wir haben für all diese Formen der Arbeit keine Konzepte und Theorien!

Ein kompakter Überblick über eine mögliche Zukunft und die vielen Herausforderungen, die uns beschäftigen (werden).

The Creative Entrepreneurial Ecosystem: Democratising learning, knowledge networking, opportunities around the globe

Bildung und Weiterbildung sind in den heutigen Zeiten wichtiger denn je. Doch unser Bildungssystem und die Art und Weise, wie wir heute lernen, stammt aus ganz anderen Zeiten. Es sollte uns damals auf die Arbeit vorbereiten. Aber bereitet uns die Art und Weise, wie und was wir heute lernen, wirklich auf den Beruf vor? Es geht nicht um Fachwissen, sondern darum, wie man seinen Verstand benutzt, wie man strategisch und logisch denkt. Die Welt ändert sich heute rasant, daher darf auch Bildung nicht statisch sein.

Ruth Daniel erzählt uns in ihrem Vortrag von ihren Erfahrungen aus einer Organisation, die zahlreiche verschiedene Menschen und Weiterbildungs-Projekte besucht hat, und versucht hat zu ergründen, wie das Lernen heute eigentlich aussehen sollte.

Ihre Ergebnisse zeichnen Bildung als eine Art Ecosystem, eine Community, die weltweit miteinander vernetzt ist. Dabei lernen Menschen nicht nur innerhalb einer Klasse, sondern auch im Alltag – und auch alltägliche Dinge. Dabei kann jeder von jedem lernen, einen Unterschied zwischen Schüler und Lehrer gibt es nicht mehr. Schließlich entstehen die besten Innovationen zumeist dort, wo wenig Ressourcen zur Verfügung stehen. So entsteht gleichzeitig ein Pool an Materialien und Informationen, auf die jeder zugreifen kann – kurzum, Bildung wird demokratisiert.

Ein sehr inspirierender Vortrag mit motivierenden Praxisbeispielen aus aller Welt!

Krieg der Blocker – Kein Problem anderer Leute

Klingt nach einem langweiligen Nischenthema, ist es aber ganz und gar nicht. Es ist lediglich ein Thema, das selten angesprochen wird, uns aber tagtäglich begegnet und beeinflusst! Manche Adblocker blenden nämlich nicht nur einfach störende Werbung für uns aus, mischen im Werbemarkt ordentlich mit, lassen sich von der Werbeindustrie gut bezahlen, durchleuchten unser Verhalten, unsere Daten und verkaufen sie als zusätzliche Dienste weiter.

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Designing the Impossible

Dieser Vortrag von drei etwas durchgeknallten ;) Französinnen ist zugegebenerweise recht anstrengend und wirr. Nichtsdestotrotz ist der Inhalt gerade für die Live-Kommunikation interessant. Denn es geht grob gesagt um Experience Designing.

Konkreter geht es um die Idee einer Nonprofit Universität, die Studenten innerhalb von zwei Jahren dazu befähigen soll, außergewöhnliche Erlebnisse und Events zu designen. Die sogenannte University of the Underground vermischt dabei verschiedenste Fachbereiche, Hintergründe und Lehrschwerpunkte – von Musik über Politik bis zu Film. Neben wissenschaftlichen und politischen Themen werden auch gestalterische und konzeptionelle Fähigkeiten in praktischen Workshops und Projekten behandelt und gelehrt. Den Vortrag muss man sich vielleicht nicht unbedingt antun ;), aber einen Besuch der Website der University of the Underground würde ich Dir empfehlen.

Vom Reden im Netz.

Sascha Lobo hat 2017 ebenfalls einen viel beachteten und sehenswerten Vortrag gehalten. Er erzählt von seinem letzten Jahr (und den Jahren davor), in denen er die immer radikaler werdenden „rechten“ Strömungen und das Kommunikationsverhalten im Netz beobachtet hat. Auf der republica beschreibt er nun seine subjektiven Analysen, in denen er auch unser teils vorschnelles Handeln und aggressives Reagieren als Treiber entdeckt.

Natürlich machen uns die Menschen, die wir als rechts oder rechtsextrem bezeichnen, auf Facebook oder bei diversen Demos ratlos und auch wütend. Lobos Grundtenor ist aber nicht harsch gegen sie anzugehen, sondern mehr mit ihnen zu reden. Das hat er zumindest im letzten Jahr ausführlichst getan – das hat ihm zwar nicht die Angst genommen, aber für ein wenig mehr Verständnis gesorgt.

Denn bei seinen Recherchen fand er mehr als nur die Kategorien „rechts“ und „rechtsextrem“, sondern viele verschiedene Menschen und Gruppen. Darunter sind seiner Meinung auch einfach nur „Trolle und temporäre Ärsche“. Dazu kommen die Wütenden, sehr Wütenden und sehr sehr Wütenden. Ängstliche und Besorgte mit falschen Freunden. Konservative. Irritierte und Verstörte. Und auch Menschen, die man gar nicht einordnen kann. Damit will er diese Menschen und ihre Meinungen nicht verharmlosen, aber er hat viele verschiedene Facetten erkannt, die wir in unserer Wut und Ratlosigkeit manchmal übersehen und damit zum Konflikt und sogenannten „Empörungsstürmen“ beitragen.


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