Ausstellungsdesign: Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig

Das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig hat im Frühjahr 2017 eröffnet und sorgt aus vielerlei Gründen für Aufsehen. Nicht nur die Architektur sowie die Ausstellungsgestaltung, auch die Inhalte, die den zweiten Weltkrieg nicht alleine aus polnischer, sondern ebenso aus deutscher Sicht behandeln, sind etwas Besonderes. Damit ist es der aktuellen konservativen Regierung aber auch ein besonderer Dorn im Auge. Ein anscheinend sehr sehenswertes Museum, das man sich vielleicht auch besser möglichst zeitnah anschauen sollte.

Die permanente Ausstellung

„Das Herz des Museums ist die permanente Ausstellung auf 5.000 m2, die es zu einer der größten historischen Museumsausstellungen auf der Welt macht. 14 Meter unter dem Boden gelegen, ist es eine Geschichte über die tragischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, seine Wurzeln und Konsequenzen, seine Täter und Opfer, seine Helden und gewöhnlichen Menschen. Es soll so aussehen wie eine Lehre in der Geschichte, die wir niemals vergessen sollten.“

Besonders gut gemacht finde ich zwei Raumgestaltungen, die mehr als klassisches Ausstellungsdesign sind. Sie sind nahezu ganzheitliche Kulissen und Nachbildungen einer Straße. Einmal noch intakt mit Wohnhäusern und Schaufenstern. Ein anderes Mal zerstört mit Schuttbergen und Panzer. Beide dienen nicht nur als anschauliche und berührende Verdeutlichungen damaliger Zeiten – was gerade historische Themen besonders gut vermittelt – sie sind gleichzeitig auch Ausstellungsflächen. So finden sich in den Schaufenstern Plakate und Gegenstände aus dem zweiten Weltkrieg. In und zwischen den Schuttbergen werden ebenfalls historische Objekte ausgestellt.

Nicht weniger imposant sind die anderen Ausstellungsräume, die unter anderem Kriegspropaganda heroisch und gewaltig inszenieren. Andere Objekte und Inhalte werden in bunker- oder barackenartigen Szenografien, Deportationswagons oder düsteren militärischen Lichtstimmungen ausgestellt.

Ein dem Eindruck nach (leider war ich selbst noch nicht dort) unglaublich ganzheitlich gedachtes und umgesetztes Museumsdesign, das sich nicht alleine auf einzelne Ausstellungswände oder -bereiche konzentrieren, sondern ganze Räume und vor allem Raumstimmungen und Emotionen schafft. Ein meiner Meinung nach viel wichtigerer Aspekt als das aktuell so fokussierte Einbinden möglichst vieler interaktiver Medien.

Zeitreise für Kinder

Für Kinder bietet das Museum einen Bereich namens „Time Travel“ an. Dort sollen Kinder unter 12 Jahren das alltägliche Leben sowie die Geschichte einer Warschauer Familie in drei zeitlichen Perioden erleben und nachvollziehen: am 5. September 1939, wenige Tage nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – am 15. März 1943, während der deutschen Besatzung – und am 8 Mai 1945, unmittelbar nach dem Ende des Krieges. Für jeden dieser Tage wurden einzelne Wohnungsnachbauten mit natürlich eingearbeiteten Objekten gestaltet. Ein Museumsteil, der mich allerdings auch als Erwachsene interessieren würde.

Daneben finden verschiedene Events, Präsentationen, temporäre Ausstellungen sowie „Educational Games“ statt. Eine Outdoor-Ausstellung mit Lehrpfad verbindet das Museum auf der Westerplatte Peninsula mit Gdansk, dem Küstenabschnitt auf dem der Zweite Weltkrieg begann.

Ungewisse Zukunft

Die Zukunft der bestehenden Ausstellung ist übrigens unsicher. Die polnische Regierung versucht alles, um einen Teil der Ausstellung loszuwerden und Einfluss auf die Inhalte zu nehmen. Lesenswert ist ein Artikel über das Museum und seine aktuelle Gefährdung in der FAZ.

Fotos: Museum des Zweiten Weltkriegs / Roman Jocher


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