ŠTO TE NEMA: Ein Denkmal aus ungetrunkenen Kaffeetassen

Die bosnisch-amerikanische Künstlerin Aida Šehović zieht seit 13 Jahren mit dem bewegenden Denkmal ŠTO TE NEMA um die Welt. Es erinnert auf menschliche, emotionale und integrative Weise an einen Völkermord in der Stadt Srebrenica.

Es waren 8.373 Männer und Jungen, die 1995 in Srebrenica systematisch hingerichtet wurden. Dieses grausame Ereignis im Rahmen der Jugoslawienkriege wurde 2006 offiziell als Völkermord eingestuft. Doch serbische und bosnisch-serbische Führer bestritten und bestreiten teils bis heute, dass der Srebrenica-Völkermord jemals stattgefunden hat. Ein Verhalten, das immer noch ethnische Spaltungen in der Region hervorruft.

Das Denkmal ŠTO TE NEMA – übersetzt „Warum bist du nicht hier?“ – ist eine Reaktion auf die Ablehnung und Leugnung und soll an die ermordeten Muslime erinnern. Nachdem Angehörige beschrieben, wie sehr die ermordeten Jungen und Männer am traditionellen Kaffeetisch mit Verwandten, Freunden und Nachbarn fehlten, begann Aida Šehović traditionelle Porzellantassen zu sammeln. Das Ziel war es für jedes Opfer eine Tasse zu haben.

Jeweils am 11 Juli stehen die Tassen auf einem öffentlichen Platz, werden von Passanten mit bosnischem Kaffee gefüllt und ungetrunken stehen gelassen. Dieses Denkmal soll nicht nur an die Menschen aus Srebrenica erinnern, sondern gegen Kräfte der Ablehnung, Ausgrenzung und Verleugnung mobilisieren. Es möchte Menschen dazu ermutigen, sich von früheren Gräueltaten abzuwenden und zu verhindern, dass lebenswichtige Erinnerungs- und Heilungsprozesse stattfinden.

Seit 13 Jahren organisiert sie das Denkmal auf dem öffentlichen Platz einer immer neuen Stadt. Zuletzt war es in Venedig während der Biennale 2019 zu sehen.

ŠTO TE NEMA: Ein Denkmal aus Kaffeetassen bewegt die Welt

 
Foto: Screenshot aus dem Video


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