Online-Events: Trotz ausbaufähiger Konzepte haben die meisten gut funktioniert – Erfahrungen der Live-Kommunikation

Wie gut funktionieren Online-Events? Was sind die größten Herausforderungen? Wo liegen die Potenziale digitaler Veranstaltungen? Seit knapp acht Monaten versuchen sich Agenturen, Marken, Firmen und Dienstleister*innen notgedrungen an Online-Erlebnissen und verschiedenen digitalen Formaten. Welche Schlüsse lassen sich nun mit einigen praktischen Erfahrungen ziehen? Wurden Hoffnungen erfüllt oder ist die Entäuschung groß? Wir haben unsere Leser*innen gefragt – hier sind die Ergebnisse.

Gute Stimmung beim Thema Online-Events

Insgesamt kann man sagen, dass die Mehrheit der Teilnehmer*innen Online-Events eher positiv erlebt und betrachtet. Die Begeisterung hat etwas abgenommen, aber das Interesse ist immer noch groß, so die Mehrheit. Ganz persönlich sind die meisten etwas realistischer geworden, sehen aber immer noch Potenziale und Online-Formate unverändert positiv.

Auch die Bewertung der in diesem Jahr erlebten Online-Formate fällt eindeutig aus. Die meisten waren in dieser Umfrage der Meinung, dass die meisten digitalen Formate „Gut“ und „Sehr gut“ funktioniert haben. Knapp ein Drittel der Teilnehmer*innen schätzten erlebte Online-Events als „Geht so“ ein, aber niemand schätzte sie als mehrheitlich „Schlecht“ ein!

Es gab übrigens keine Korrelationen, die darauf hindeuten, dass eine bestimmte Gruppe, z.B. Mitarbeiter*innen aus Agenturen oder Firmen (Auftraggeber*innen), Online-Events generell positiver oder negativer betrachten.

Die meisten Online-Events waren Livestreams

Schaut man sich die Formate und Konzepte genauer an, waren mit Abstand die meisten Livestreams von Vorträgen oder Talks. Das Setting bestand zumeist aus einer Bühne oder einem Szenario. Neben dem Verfolgen von Livestreams konnten Teilnehmer*innen in den meisten Fällen an Umfragen teilnehmen oder Fragen stellen sowie sich mit anderen Teilnehmer*innen austauschen.

Das sind mehrheitlich und bislang sicherlich noch sehr grundlegende Angebote und Formate, die man nur bedingt als „Events“ bezeichnen kann. Nur ein kleinerer Teil der Formate bot etwas weiter gedachte Angebote wie wechselnde Szenarien, Meetings in Kleingruppen, Co-Creation oder Pakete für Zuhause.

Nichtsdestotrotz ist es schon beachtlich, was und wie viele alternative digitale Formate in der Kürze der Zeit realisiert wurden.

Das Konzept und Einbinden der Teilnehmer*innen sind größte Herausforderungen

Als größte Herausforderung haben die meisten die Entwicklung eines wirkungsvollen digitalen Konzepts erlebt. Kurz danach folgt das Halten und Eindbinden der Teilnehmer*innen. Ebenso wie das deutlich aufwändigere Konzept, bei dem unter anderem jede Minute durchdacht sein muss. Die technische Umsetzung und ein oft zu geringes Budget rangieren im Mittelfeld der Herausforderungen.

Die meisten Online-Events scheitern noch an Unprofessionalität

Trotz der positiven Stimmung und Einschätzung empfinden die meisten, dass aktuelle Online-Formate am ehesten an einer noch zu unprofessionellen Betrachtung und Umsetzung scheitern. Im Umkehrschluss galuben die meisten, dass digitale Veranstaltungen durchaus funktionieren, wir aber einfach noch am Anfang stehen.

Danach folgen ein zu geringes Budget und zu wenig Experimentierfreude als Scheitergründe. Themen, die uns sicherlich noch länger begleiten werden – so wie in fast allen Branchen: Die Vermittlung des damit verbundenen Aufwands, des notwendigen Budgets und Muts.

Die Einschätzung, dass Online-Formate generell einfach nicht so gut funktionieren, existiert aber auch, steht an vierter Stelle und rangiert im Mittelfeld.

Größte Potenziale sind Reichweite und Nachhaltigkeit

Die mit Abstand größten Potenziale sehen die meisten in der Reichweite und Nachhaltigkeit bzw. Vermeidung unnötiger Reisen. Mit etwas Abstand folgt die Ansicht, dass wir noch am Anfang stehen und die kreativen Möglichkeiten riesig seien.

Dass inhaltliche Potenziale wie z.B. die effektivere Zusammenarbeit oder bessere Mess- und Optimierungsmöglichkeiten deutlich seltener genannt wurden, überrascht mich etwas. Gerade dort sehe ich persönlich große Chancen bzw. größere als in der bloßen Reichweite, die nicht selten mit weniger oder oberflächlicher Interaktion einhergeht. Womöglich resultiert diese Einschätzung aber auch aus dem geringen Anteil an Co-Creation Formaten, die in der zweiten Frage am seltensten gewählt wurden und somit bislang auch seltener ausprobiert wurden. Hier sehe ich derzeit eines der größten Potenziale und Nutzen von Online-Events.

Fazit

Sowohl diese Ergebnisse als auch Gespräche mit verschiedenen Fachfrauen und -männern hinterlassen bei mir den Eindruck, dass ein Großteil der Meinungen noch sehr persönliche Vorlieben widerspiegeln. Die einen vergleichen digitale Veranstaltungen mit analogen und „viel schöneren“ Erlebnissen. Auch das Gestalten „echter“ Räume oder die direkte Zusammenarbeit mit den Kollegen werden vermisst. Andere wiederum sind persönlich ganz begeistert von den kreativen Möglichkeiten, stauben trotz der schlechten Lage viele Projekte ab und sind voller Elan. Beides ist für mich verständlich und in Ordnung.

Jedoch deuten die Ergebnisse dieser Umfrage darauf hin, dass die Stimmung rund um Online-Events generell gut ist, digitale Formate durchaus funktionieren und sie somit wohl eine Zukunft haben. Unabhängig davon, ob man sie mag oder nicht, wir werden uns mit diesem Angebot anfreunden müssen.

Meiner Meinung nach werden sich in den nächsten Monaten und Jahren Agenturen herauskristalisieren, die sich durch ihre aktuelle persönliche Begeisterung einen neuen bzw. weiteren Schwerpunkt und USP erarbeiten – und andere, die lieber zumindest mehrheitlich beim analogen Kern bleiben. Ob das langfristig auch etwas über Erfolg und Überlebenschancen aussagt, wird man sehen.

 


An der nicht-repräsentativen Umfrage haben 80 Personen teilgenommen. Mehrfachnennungen waren möglich. Umfragezeitraum: 29. Oktober – 18. November 2020. Abkürzungen: TN = Teilnehmer*innen, ME = Markenerlebnisse, OF = Online-Formate


Alle Ergebnisse der Umfrage: Stimmung & Erfahrungen rund um Online-Events

 

Wie viele digitale Erlebnisse hast Du in diesem Jahr betreut/realisiert?

Die meisten davon waren (grob betrachtet):

Wie sah das Setting meistens aus?

Was war möglich? Was war im Konzept enthalten?

Wie haben die meisten digitalen Formate, die Du kennst, Deiner Meinung nach funktioniert?

Zu Beginn waren sehr viele begeistert und offen für digitale Konzepte. Wie ist die Stimmung jetzt?

Was sind Deiner Meinung und Erfahrung nach die größten Herausforderungen?

Woran scheitern viele aktuelle Online-Formate Deiner Meinung nach?

Hat sich Deine Meinung über digitale Formate seit März geändert?

Was sind Deiner Meinung nach die größten Potenziale?

Du arbeitest bei…

Abkürzungen: TN = Teilnehmer*innen, ME = Markenerlebnisse, OF = Online-Formate


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