Sicherheit ist keine Einzel-, sondern eine Kollektivaufgabe: 1. Symposium Sicherheitsmanagement bei Veranstaltungen

Sicherheit bei Events wird durch ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein gewährleistet. Wir müssen weg von dem Gedanken, dass Sicherheit die Aufgabe einer Person oder Abteilung ist! – So eine zentrale Aussage des ersten Symposiums Sicherheitsmanagement der Feuerwehrakademie Düsseldorf. Knapp 600 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen zu der Premiere am 8.März 2012. Mehrheitlich Mitarbeiter aus Feuerwehr und Behörden hinterfragten und diskutierten das schwierige Thema Sicherheit bei Events.

Was hat sich seit Duisburg verändert? Eines ganz sicher: Sicherheit ist ein gefragtes Thema geworden. Das zeigte sich auch beim Symposium Sicherheitsmanagement in Düsseldorf. Geplant war die Veranstaltung zunächst mit 200 Teilnehmern. Am Ende hat sich die Teilnehmerzahl verdreifacht! Ein unglaublicher Erfolg für die in der Art und Größe einmalige Informations- und Austauschplattform für Behörden, Organisationen und Veranstalter.

Doch nicht nur der Erfolg der Veranstaltung, auch die Inhalte und ehrliche Kommunikation überzeugten. Probleme und Missstände wurden beim Namen genannt. So unter anderem die Qualifikationsproblematik in vielen Kommunen. Die Aufgabe ein Sicherheitskonzept für eine Veranstaltung zu erstellen, wird von Abteilung zu Abteilung geschoben, erzählt ein Besucher aus dem Publikum. Keiner fühlt sich verantwortlich oder dafür qualifiziert. Nicht selten ist der Ersteller eines Sicherheitskonzepts auch derjenige, der es am Ende abzeichnen soll. Letztlich wird dann irgendetwas nach dem Motto „Mach mal!“ zusammengeschustert. Viele Kommunen und Mitarbeiter fühlen sich den Ansprüchen nicht gewappnet.

Externe Fachleute zu Rate zu ziehen wäre eine Lösung. Doch wenn in Verwaltungen um 100 Euro für Literatur gekämpft werden muss, wie soll dann ein Budget über mehrere Tausend Euro frei gemacht werden? Die Investition für ein fundiertes Sicherheitskonzept gehört nun mal nicht zu den politisch und repräsentativ relevanten Themen. Eine Verwaltung verwaltet ja nicht nur, sie hat auch politische Interessen. Eine traurige, aber ehrliche Wahrheit, die Tobias Fuss vom Ordnungsamt Xanten in der Podiumsdiskussion anspricht.

Doch wer solls nun richten? Wer ist für ein Sicherheitskonzept zuständig? Im Allgemeinen ist es die Aufgabe des Veranstalters ein Sicherheitskonzept vorzuweisen. Sich mit den jeweilig festgelegten Zuständigkeiten rauszureden, führt jedoch ganz sicher nicht zu mehr Sicherheit. Jeder Beteiligte sollte ein Sicherheitsbewusstsein haben, aktiv und konstruktiv an der Optimierung mitarbeiten. Events sind häufig zu komplex als dass es eine Abteilung oder gar eine Person verantworten könnte.

Dass die Zusammenarbeit nicht leicht fällt, wundert niemanden. Schließlich arbeitet jede Behörde und jeder Veranstalter anders, hat andere Interessen und Arbeitsweisen. Schlechte Kommunikation und fehlende gegenseitige Akzeptanz sind häufig Probleme, die im Wege stehen, so Thomas Hußmann von der Feuerwehr Düsseldorf. Es muss eine gleichberechtige und kollegiale Zusammenarbeit stattfinden. Niemand sollte sich von einer Behörde bevormundet oder von einem Veranstalter unter Druck gesetzt fühlen, ergänzt Hans-Joachim Kensbock-Rieso, Polizei Düsseldorf, in seinem Vortrag. Gremien, bestehend aus Vertretern verschiedener Behörden und Gewerke, bilden dafür einen sinnvollen und wichtigen Rahmen. Nicht zuletzt sind eine sogenannte „Sicherheitsarchitektur“ und Kommunikation untereinander die grundlegenden Pfeiler für Sicherheit.

Viel wichtiger als die jeweiligen Zuständigkeiten, ist es Sicherheitskonzepte sowie Qualifikationen einheitlich und vergleichbar zu machen. Einheitliche und vorstrukturierte Sicherheitskonzepte können so auch als Checklisten funktionieren, dem Veranstalter sowie den Behörden als Hilfestellung dienen, anstatt sie vor komplexe und unverständliche Aufgaben zu stellen, sagt Ralf Zimme, Veranstaltungstechnik und Sicherheitsmanagement ESPRITarena. Das würde auch dazu beitragen, so Thomas Hußmann, dass Sicherheitskonzepte mehr gelebt würden. Als schriftliche Formalien, die in Aktenschränken verstauben, machen sie keinen Sinn.

Vergleichbare Ausbildungen und Qualifikationen sind eigentlich eine Grundvoraussetzung um Events sicherer zu machen. Erschreckend, dass wir das bis heute nicht geschafft haben. Jeder Bäcker muss eine zweijährige Ausbildung absolvieren. Ein Veranstalter braucht nichts vorzuweisen und ist für die Sicherheit mehrerer hunderter oder tausender Menschen zuständig, stellt Ralf Zimme fest. Da muss sich dringend etwas ändern.

Fazit

In Düsseldorf ist klar geworden, dass noch einiges getan werden muss. Nicht nur in Bezug auf die formale Gestaltung von Sicherheitskonzepten und notwendiger Qualifikationen. Sondern auch in den Köpfen der Menschen. Sicherheit ist in der Theorie ein schwer fassbares und in der Praxis problembelastetes Thema. Aktuell hängt es von dem Engagement und dem Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen ab. Ein jeder muss begreifen, dass er mit verantwortlich ist und dass Sicherheit nur im Miteinander gewährleistet werden kann.

Um diesen Stein ins Rollen zu bringen, war das Symposium Sicherheitsmanagement ein idealer, ehrlicher und konstruktiver Rahmen. Wir freuen uns, dass die Feuerwehrakademie Düsseldorf das Symposium zu einer jährlichen Austausch- und Informationsplattform weiterentwickeln möchte. Bis dahin sind wir gespannt, was sich zum Thema Sicherheit bei Events bis zum nächsten Jahr tut.

» Die Folien & Vorträge des Symposiums könnt ihr euch hier ansehen!

Fotos vom ersten Symposium Sicherheitsmanagement bei Veranstaltungen


2 Kommentare
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2 Kommentare

  1. Mario M. Flaschentraeger

    Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Business umso mehr staune ich, dass es erst eines „Duisburg“ bedurfte, dass dieses Thema Ernst genommen wird. Aber ich darf „beruhigen“ es interessiert auch nach Duisburg nur recht wenige „ernsthaft“.

    Ich durfte jüngst bei einem namhaften Konzern im Rahmen einer Großveranstaltung die Erfahrung machen, wie wenig das Thema bei so manchen Kunden angekommen ist. Immer dann wenn es um die Kosten der Sicherheit geht, da wird sofort nach „Optimierung“ gesucht. Da ist es halt ein Student statt einer Brandwache.

    Duisburg war kein Lehrstück. Duisburg war der Beleg dafür das Sicherheit nur ein notwendiges Übel ist, das mit Kosten verbunden ist. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Und das ist ken Branchenschicksal sondern Standard in vielen Branchen.

    Oder ist es vertretbar das Mediziner 40-Stunden Schichten in Krankenhäuser schieben, Taxifahrer aus ökonomischen Gründen 12-16 Stunden am Lenkrad sitzen oder auch Eventmanager zum Teil tagelang durcharbeiten ohne anständige Nachtruhe? Wohl kaum!

    Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Aufklärende Veranstaltungen sind wichtig, aber diese müssen sich auch in konkreten Handeln niederschlagen.

  2. Katharina Falkowski

    Dass sich bisher nicht wirklich viel getan hat, merkte man auch auf der Veranstaltung. Die Fragen und Probleme sind doch immer noch die gleichen. Ich persönliche habe aber schon das Gefühl, dass das Thema mehr Leute interessiert – oder sagen wir mal, die Angst davor, dass es einen selbst mal treffen kann, ist größer.

    Ich finde, es ist schon ein gutes Zeichen, dass so eine Veranstaltung auf sehr große Nachfrage und großes Interesse trifft. Alleine um Probleme mal ehrlich anzusprechen, das „Problem Sicherheit“ nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen und sich letztlich auszutauschen. Vielleicht hat eine andere Kommune eines der Probleme irgendwie gut gelöst?!

    Aber stimmt – reden alleine reicht nicht. Das muss sich schon irgendwann in konkretem Handeln widerspiegeln. Und ich befürchte, entweder es wird irgendwie (sinnvoll) erzwungen oder vielerorts unverändert vernachlässigt.

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