Live-Streaming & Social Media sind Anreize für mehr Eventbesucher und Ticketkäufe

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Nach wie vor ist eine spürbare Unsicherheit vorhanden, wenn es um Social Media und Live-Streaming im Rahmen von Events geht. Einige Veranstalter sind unsicher, sehen Offline und Online als Konkurrenz und möchten ihre Inhalte und Vorträge lieber exklusiv nur auf dem Event und nicht im Internet preisgeben. Manche befürchten gar, dass niemand mehr zur Veranstaltung käme, wenn Vorträge z.B. live gestreamt oder als Videos veröffentlicht würden. Eine Umfrage von Eventbrite und dem Forschungsunternehmen MusicWatch zeigt ein gänzlich anderes Bild – zumindest in der Musikbranche.

Die Umfrage wurde unter 1000 US-Amerikanern zwischen 18 und 49 Jahren durchgeführt, die im letzten Jahr mindestens ein Konzert besucht haben. Dass nur Menschen befragt wurden, die Konzerte an sich schon besuchen und dass auch die beiden Unternehmen dahinter aus den thematisierten Branchen kommen, sollte bei den Ergebnissen bedacht werden – darauf möchte ich nur hinweisen.

Laut der dazugehörigen Pressemeldung war das „Ziel der Umfrage […] herauszufinden, wie sich die Music Discovery (die Art und Weise, wie man neue Musik entdeckt) auf die Teilnahme an Live-Events auswirkt und welche weiteren Faktoren dazu beisteuern, dass Fans ihre Online-Erfahrung in Offline-Käufe, von zum Beispiel CDs oder Konzerttickets, umwandeln.“ Thematisch ist die Umfrage zwar auf die Musikbranche ausgerichtet, aber ich denke, dass das Schema auch in anderen Bereichen ähnlich wirkt und auf Konferenzen oder Messen übertragen werden kann.

Ergebnisse der Umfrage

Ein interessantes Ergebnis der Studie lautet, dass Live-Streaming von Events nicht zu weniger, sondern im Folgejahr sogar zu mehr Ticketverkäufen führt.

„… Neben dem Streamen reiner Audiodateien birgt auch das Videostreamen von Konzerten und Festivals ein starkes Potential für die Musikbranche. So konnte zum Beispiel im Jahr 2011 das Coachella Festival per Stream online verfolgt werden, was im darauf folgenden Jahr zu einem erheblichen Anstieg der Ticketverkäufe führte. Und das ist keine Ausnahme: 70 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Wahrscheinlichkeit ein Konzertticket zu kaufen enorm hoch ist, wenn sie die Veranstaltung vorher online streamen konnten.“

Diesen positiven Effekt haben aber nicht nur Streaming- und Video-Angebote von Veranstaltungen. Auch die Präsenz und Verbreitung über Social Media fördert den Anreiz ein Event zu besuchen.

„Hierbei haben besonders die geteilten Posts von Freunden ein großes Potential neue Fans zu generieren. Nach der Empfehlung eines Künstler oder einer Band über einen Social Media-Kanal hören sich die neu gewonnenen Fans nicht nur deren Songs an, sondern über die Hälfte kaufen sich auch deren Konzerttickets. Dies ist vor allem damit zu begründen, dass man gemeinsam mit Freunden zu dem Konzert gehen möchte.“

Ebenfalls spannend ist die Aussage, dass das Gesamterlebnis (der hier sogenannten „Music Discovery“) am Ende ein Zusammenspiel aller Kanäle ist. Man erlebt ein Event nicht nur live. Auch das was man zuvor oder nachher im Internet findet, trägt zum Erlebnis und Gesamtbild bei.

„Auch wenn die lineare Form der Entdeckung, beispielsweise durch das Radio, immer noch sehr häufig genutzt wird, ist Music Discovery heutzutage meistens ein kombinierter Prozess aus Streaming, Social Media und die Teilnahme an Live-Shows. Diese Entwicklung ist einer der Hauptgründe für den Aufwärtstrend in den Ausgaben für Live-Events.“

Fazit

Ich denke, dass eine gute und angesagte Konferenz durchaus mit einem Musik-Festival vergleichbar ist. Ausführliche Inhalte und Einblicke (wie Artikel oder Vortrags-Videos) können auch ähnliche Effekte, wie Streaming Dienste für Musik haben. Anstatt, dass man sich mit den Online-Inhalten zufrieden gibt, führen sie eher dazu, dass man eine Veranstaltung auch mal live erleben möchte – sofern sie sich online gut darstellt. Letztlich geht es, ob in der Musik- oder Eventbranche, um inhaltliche, qualitative Anreize und ihre Präsenz sowie Zugänglichkeit im Internet. Viele und vermeintlich zu viel verratende Online-Angebote sind kein Problem für Live-Events, sie sind vielmehr Anreize für den Besuch!


2 Kommentare
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2 Kommentare

  1. Jan Drengner

    Bei dem Vergleich zwischen einem Musik-Festival und einer Konferenz wäre ich vorsichtig, da beide auf unterschiedliche Konsumerlebnisse abzielen: Fesivals leben von ihrer Amtosphäre, multisensualen Eindrücken, intensiven Interaktionen mit anderen Konsumenten sowie starken Emotionen. All diese Dinge erlebt man am besten vor Ort, weshalb Live-Streaming hier zu den oben beschriebenen Effekten führt. Bei einer Konferenz stehen hingegen zunächst hauptsächlich Erlebnisse auf einer intellektuellen Eben im Vordergrund (z. B. Wissenserwerb). Wissenserwerb ist sicherlich auch bei gut gemachten Live-Streams zu erreichen, ohne dass man die Veranstaltung besuchen muss. Live-Streams entfalten bei Konferenzen meines Erachtens nur dann eine ähnliche Wirkung wie bei Festivals, wenn der Zielgruppe auch ähnliche Erlebnisse wie bei Festivals wichtig sind und der Live-Stream darstellt, dass diese Erlebnisse bei den Teilnehmeren vor Ort viel intensiver auftreten.

  2. Katharina Falkowski

    Vielen Dank für den Einwand. Interessante Frage und Diskussion! Ich habe auch länger genau darüber nachgedacht, ob man beide wirklich miteinander vergleichen kann. Und meine Beobachtungen und Eindrücke der letzten Jahren sagten mir am Ende, eher ja.

    Denn Konferenzen sind heute meiner Meinung nach deutlich mehr als Wissenserwerb. Nicht zuletzt, da man Wissen heute auch anders, einfacher (z.B. ohne längere Anfahrt und Hotelübernachtung) erlangen kann. Dafür braucht man prinzipiell weder eine Konferenz noch einen Live-Stream oder Vortrags-Videos. Es gibt effektivere Alternativen.

    Das was heutige Konferenzen, so denke ich, attraktiv macht, sind durchaus ähnliche Aspekte wie bei einem Festival. Sprich die, die auch Du genannt hast: Atmosphäre, multisensuale Eindrücke, Interaktion mit anderen Menschen sowie Emotionen. Wahrscheinlich in ein wenig anderer Form, aber das Dabeisein, sich mit Gleichgesinnten austauschen und den bekannten Redner XY mal selbst gesehen zu haben, haben auch hier eine zentrale und stark emotionale Bedeutung. Das sieht man schon alleine daran, wie bekannte Unternehmer oder Start-Ups teilweise wie Pop-Stars gefeiert werden. Wie auch manche Konferenzen eine Festival-ähnliche und sehr emotional geprägte Bedeutung für manche Menschen haben (Bsp. re:publica). Oder wie wichtig der Baustein des Networkings für alle Veranstaltungen ist.
    Sprich ich persönlich komme immer wieder zu dem Schluss, dass Menschen auch im Rahmen von Konferenzen von deutlich mehr, auch sehr emotionalen und Live-Erlebnis-orientierten Anreizen angezogen werden.

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