Barrierefreiheit bei Events – Bedürfnisse erkennen, Ressourcen nutzen

Gastartikel von Kerstin Hoffmann-Wagner und Gudrun Jostes

Eine Branche wacht auf: nahezu jedes großes Branchenereignis im 1. Quartal dieses Jahres bespielt in diesem Jahr das Thema Inklusion und Barrierefreiheit in seinem Programm. Für viele Eventplaner scheint sich hier ein völlig neues Themenfeld aufzutun, das erst einmal zögernd und skeptisch betrachtet wird. Dabei ist Barrierefreiheit kein neues Thema im Veranstaltungsbereich.

Location Betreiber der Event- und Messebranche sind seit einigen Jahren dabei, die gesetzlich geforderten Ziele der Barrierefreiheit für öffentlich zugängliche Gebäude entsprechend der Bauordnungen umzusetzen. Rampen und rollstuhlgerechte Aufzüge, rollstuhlgerechte WC-Anlagen, automatisch öffnende Türen und Induktionsschleifen für Hörgeräteträger findet man bereits in einigen Veranstaltungsgebäuden.

Dabei bietet barrierefreie Gestaltung Vorteile für alle Besucher, z.B.

  • wenn Sie mit Trolleys oder mit Kinderwagen unterwegs sind und die Vorzüge von Rampen, niedrige Einstiege und breite Aufzüge genauso zu schätzen wissen, so wie Menschen mit Rollstuhl oder Geheinschränkungen
  • wenn Sie sich als Messebesucher schnell im Wust großer Hallen und langer Gänge orientieren wollen, sind Sie dankbar über ein nachvollziehbares, klar erkennbares, kontrastreiches Leit- und Orientierungssystem, für Menschen mit Seheinschränkungen ist dies notwendig
  • wenn Sie inmitten des lauten Messegetümmels spannenden Vorträgen zuzuhören wollen, profitieren alle, inklusive Besucher mit Höreinschränkungen, von der unterstützenden Beschallungstechnik

Barrierefreiheit bei Events

Grundlage: Barrierefreie Location
Barrierefreie Locations sind die Grundlage für Barrierefreie Events. Für Veranstalter und Eventplaner ist die barrierefreie Location eine notwendige Voraussetzung, um darauf aufbauend, mit ergänzenden Maßnahmen, ihre Veranstaltung barrierefrei auszurichten. Doch wie sieht die Einbindung von Barrierefreiheit in der Eventpraxis aus?

Eigene Standards frühzeitig definieren
Standards definieren ist der erste Schritt in Richtung Inklusion, so dass Barrierefreiheit von Anfang an integriert wird. Das frühzeitige Einbinden vermeidet zudem unnötige Zusatzkosten. Die definierten Standards gelten für alle Veranstaltungen und beinhalten z.B. folgende Kriterien:

  • eine barrierefreie Location mit entsprechender Erreichbarkeit
  • die Gestaltung des Programms unter Berücksichtigung des 2-Sinne-Prinzips*
  • die barrierefreie Gestaltung der Kommunikation im Online- und Offline-Bereich
  • in allen Bereichen gemischte Bestuhlung in Steh- und Sitzhöhe

Teilnehmer offen nach Bedarf fragen
Diese Kriterien werden durch individuelle Bedürfnisse der Teilnehmer ergänzt. Ermittelt wird der Bedarf eurer Teilnehmer sehr einfach z.B. über die eingesetzten Anmeldetools. Hierbei sind neben den bekannten Maßnahmen für Menschen mit Rollstuhl auch gleichermaßen die Belange von Menschen mit Sehbehinderungen und Höreinschränkungen sowie Kleinwüchsigen zu beachten.

Durch die konkreten Antworten von Teilnehmern wird schnell klar, dass vieles bereits durch die eingebundenen Standards abgedeckt wird. Was dann in den Bereich spezieller Anforderungen geht, wird im Hinblick auf die Umsetzbarkeit geprüft. Die Kommunikation mit den Teilnehmern im Vorfeld ist dabei immens wichtig, um ggf. gemeinsam an Alternativen zu arbeiten.

Klare Kommunikation nach innen und außen
Kommunikation ist durch den ganzen Prozess hinweg wichtig und zwar zwischen allen Beteiligten: Anbieter von Event- oder Messe Locations sollten offen auf ihr barrierefreies Angebot hinweisen, aber auch Veranstalter und Eventplaner sollten ihr Bestreben nach Barrierefreiheit ebenfalls von Anfang an kommunizieren und somit eine größere Teilnehmergruppe ansprechen.

Nur so kann eine lückenlose Kette aller am Eventgeschehen Beteiligter entstehen, um durch mehr Barrierefreiheit auch mehr Teilhabe zu gewährleisten.
 

*Zwei-Sinne-Prinzip = bedeutet die gleichzeitige Vermittlung von Informationen für zwei Sinne. Beispiel: Neben der visuellen Wahrnehmung (Sehen) wird auch die taktile (Fühlen, Tasten z. B. mit Händen, Füßen) oder auditive (Hören) Wahrnehmung genutzt.


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