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Nachbericht & Fotos der zweiten greenmeetings und events Konferenz 2013 im Darmstadtium

Von Katharina Stein 1.3.2013 ~7 Minuten Lesezeit

Am 26. und 27. Februar 2013 fand die zweite greenmeetings und events Konferenz statt. Diesmal im Darmstadtium, aber wieder mit eveos als Medienpartner :) Und deswegen gibt es hier im Blog wieder unsere Eindrücke und inhaltlichen Mitbringsel für Dich.

Unser Kurzfazit: insgesamt war es eine interessante und vor allem anregende Konferenz, die meinem Eindruck nach in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit als Einstellung und Eigeninitiative gelegt hat.

Die verschiedenen Vorträge, Inhalte und Referenten versuchten einen möglichst breiten Einblick ins Thema zu geben: von politisch über wissenschaftlich bis zu motivierend. Mit guten Vorbildern, fachkompetenten oder erfrischend ehrlichen Referenten ist das zum Teil sehr gut gelungen. Themen wie das zweite Fachforum zum Thema „Immobilien, Technik und Logistik“ sind meiner Meinung nach doch etwas zu tief in die Materie vorgedrungen – zumindest für Nicht-Architekten. Der Agentur-Vortrag hat sich in dem Rahmen nicht unbedingt als sehr bereichernd herausgestellt.

Aufgefallen ist, dass vor allem die Workshops in Kleingruppen am zweiten Tag der Konferenz bei den Teilnehmern großen Anklang fanden. Verständlicherweise, denn einerseits wurden hier die Inhalte fokussierter behandelt, mit praktischen Tipps und Beispielen untermauert und teils diskutiert. Andererseits konnte man sich die Workshops selbst nach Interessen aussuchen. Wenn ich den Veranstaltern einen Rat geben sollte, dann mehr kleinere Workshops, weniger klassische Frontalvorträge.

volker angres gunther tierschDer Moderator Volker Angres glänzte auch in diesem Jahr mit Professionalität und Fachwissen – immer wieder beeindruckend, welche zentrale Bedeutung und Wirkung ein guter Moderator hat. Dass er auch sehr lustig und unterhaltsam ist, hat er vor allem bei der Verleihung des Meeting Experts Green Award zusammen mit Gunther Tiersch bewiesen. Hier, würde ich mal behaupten, haben die beiden die noch nicht ganz eingespielte Award Show mit gekonnter Spontanität und Selbstironie gerettet.

Highlights & Kernaussagen

Das Fachforum 1 und die Podiumsdiskussion mit Sylvia Schenk, Vorstand Transparency International Deutschland e.V., Lars Wöhler, Geschäftsführer darmstadtium, und Holger Hübner, Geschäftsführer Wacken Festival, war ganz sicher eines der Highlights des ersten Tages. Nach recht wissenschaftlichen und politischen Ansätzen wurde nun endlich Tacheles geredet.

greenmeetings-events-konferenz-1Sylvia Schenk begann die Runde direkt kontrovers und kritisierte die zuvor getätigte Behauptung von Bernhard Fischer-Appelt. Seine These war, dass wir weniger Ethik und mehr Ästehtik in der Debatte bräuchten. Dies führt aber nur zu mehr Greenwashing, so Schenk. Dass nachhaltige Produkte und nachhaltiges Engagement auch gut und ansprechend aussehen müssen, ist natürlich wichtig. Aber die dahinter stehende Ethik und Überzeugung darf dabei nicht weniger werden. Ethik und Ästhetik müssen beide auf gleicher Ebene stehen, nicht anders.

Wichtig war ihr auch, dass Nachhaltigkeit nicht mehr so sehr mit Verboten und Regeln verknüpft wird. Heute sind Einbindung und Anregung zur Eigeninitiative wichtig. Nachhaltigkeit kann man nicht einmal abarbeiten und ist dann fertig. Man muss Firmen und Menschen anregen aktiv zu werden, nicht zu einzelnen Maßnahmen zwingen.

Der gleichen Meinung war auch Wacken Veranstalter Holger Hübner: „Zertifizierungen dürfen kein Marketing-Tool werden.“ Nachhaltigkeit ist eine Einstellung, die nicht nach Erhalt des Zertifikats abgehandelt ist. Man muss selbst mit- und weiterdenken. So wird beim Wacken Festival Stück für Stück optimiert und verbessert, wo es geht und wo sie eine gute Lösung erarbeiten. Ob es Büro-Container mit Solaranlagen darauf sind, die Nutzung von Elektroautos auf dem Gelände oder der Organisation eines Metal-Trains, der die Anreise per Zug nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch attraktiver macht. Darüber hinaus arbeiten die Veranstalter eng mit dem Dorf Wacken zusammen – erarbeiten Lösungen und Optimierungen, um dem Ansturm und der Umwelt gleichermaßen gerecht zu werden. Hübner verdeutlichte sehr schön wie nachhaltiges Engagement aussehen sollte: nicht totdiskutieren, sondern anpacken und machen!

greenmeetings events konferenz volker angresNeben konkreten Ansätzen und Beispielen brachte der Veranstalter des Wacken Festivals auch eine ordentliche Portion Lockerheit und Ehrlichkeit mit, die der Konferenz sehr gut taten! Hier standen wirklich Inhalte und Taten im Mittelpunkt und kein Ego. „Ja, wir haben auch einen Green Award gewonnen. Aber naja, wir wurden gebeten da mal was zu schicken und schon haben wir gewonnen.“ Damit brachte Hübner den ganzen Saal zum Lachen, aber ich hoffe auch zum Nachdenken! Vor allem da er deutlich machte, dass Awards oder Zertifikate ihm keine Besucher oder Geld bringen. Das was wirklich beim Besucher wirkt ist das sicht- und spürbare Engagement. Das stärkt die Bindung. Das ist die beste Werbung.

Bei dieser Bindung entsteht auch Vertrauen, das man nicht missbrauchen darf. Transparenz und Ehrlichkeit sind ein ganz wichtiger Aspekt, ergänzte Sylvia Schenk. Man kann Fehler machen und Probleme erklären. Das wird verziehen. Aber wer lügt oder vertuscht, wird ganz schnell ein großes Problem haben!

Für mehr Leidenschaft & Kampfgeist

Bereits im ersten Fachforum ist ganz gut heraus gekommen, dass Nachhaltigkeit viel mit der Einstellung und Leidenschaft zu tun hat. Im Fachforum 3 „Wohlbefinden – Catering, Service und Dienstleistungen“ wurde dies nochmals bestärkt. In einer recht unterhaltsamen und auflockernden Kochshow à la Lanz stellten sich verschiedene Unternehmer und „Aktivisten“ vor. Menschen, die für ihre Idee leben und auch kämpfen. Denn es wurde schnell bei allen deutlich, dass nachhaltiges Engagement an vielerlei Stellen kein Leichtes ist. „Der Anfang war schwer. Die anderen haben mich erst mal komisch angeguckt“, erzählte der Nachhaltigkeitsbeauftragte Torsten K. Schulze des Steigenberger Hotels Berlin. Ähnliche Erfahrungen hat auch LemonAid Geschäftsführer Paul Bethke gemacht. Um sein Getränk, das gleichzeitig soziale Projekte unterstützt, in der Getränkeindustrie zu verkaufen, hat er über 200 Abfüller angesprochen. Nur wenige haben sich gemeldet, viele haben ihn ausgelacht – doch zum Glück hat sich einer bereit erklärt mitzumachen. Und heute floriert sein Geschäft!

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Was mir an dieser Session und diesen Vorbildern sehr gut gefallen hat, ist dass sie begeistert haben. Im ganzen Saal war zu spüren, wie beeindruckt und mitgerissen die Menschen von dem Idealismus, der Überzeugung und nicht zuletzt dem Kampfgeist der Redner waren. Genau das brauchen wir, Leidenschaft für das was wir tun. Im übrigen auch in allen anderen Bereichen in der Eventbranche. Denn es gibt keine Patentrezepte für Nachhaltigkeit oder Kreativität oder sonst etwas. Es hängt alleine von uns selbst ab, was wir daraus machen.

Für weniger Regeln und mehr Eigeninitiative

Eine deutliche Tendenz bei dieser zweiten greenmeetings und events Konferenz war meiner Meinung nach, die steigende Bedeutung von Selbständigkeit. Zertifikate wurden übergreifend kritisch betrachtet. Eine Checkliste abzuarbeiten, gibt nicht immer das richtige Signal. „Der Weg zum Zertifikat ist das Wichtigste. Man wird gezwungen sich mit dem Fragenkatalog auseinander zu setzen. Das Zertifikat selbst ist und sollte nicht das Ziel sein“, so auch Dr. Markus Große Ophoff, Fachlicher Leiter des Zentrums für Umweltkommunikation.

Genau dieses Ziel verfolgt unter anderem der Kodex „fairpflichtet“. Wenn man diesen als Unternehmen unterzeichnet, erklärt man sich bereit das Thema Nachhaltigkeit anzugehen – im jeweiligen Kontext und im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten. Einzige Verpflichtung ist ein mal im Jahr einen Bericht zu verfassen, der zusammenfasst, was man gemacht hat und was man sich weiterhin vornimmt. Dabei besteht nicht das Ziel darin nach einem Jahr „fertig“ zu sein. Es geht darum anzufangen und Jahr für Jahr ein bisschen mehr zu machen. Auf ein Zertifikat nach altem Punktemuster hat man bewusst verzichtet. Wobei die Unterzeichnung natürlich trotzdem „präsentiert“ werden kann.

„Es regt an kreativer zu werden“, bestätigten auch die Gesprächspartner des Informationsforums zum Kodex, die gleichzeitig bereits Unterzeichner sind. Man macht sich individuelle Gedanken und merkt wie man z.B. alle Mitarbeitern einbeziehen muss, damit es funktioniert. „Und einmal angefangen, entwickelt es eine Eigendynamik“, so der Eurogress Aachen. Und ich denke, genau das müssen wir erreichen!

Im » zweiten Teil meines Berichtes zur greenmeetings und events Konferenz werde ich neben ein paar kritischen Sichtweisen auch einige konkrete Beispiele, die unter anderem Jacob Bilabel in seinem Workshop genannt hat, aufgreifen.

» Fotos von der greenmeetings und events Konferenz 2013

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