ADAM & EVA Award 2011 – ein Kommentar von Wolf Rübner

Alljährlich verleiht der Branchen-Verband FAMAB e.V. die Oscars der Live-Kommunikation – ADAM für herausragende Messestände und EVA für ausgezeichnete Events. Einen wunderbar klassischen Rahmen gab exakt einen Monat vor Heiligabend der Mannheimer „Rosengarten“ ab. Der Veranstalter vermeldete stolz ein ausverkauftes Haus – 1.550 Gäste füllten das Kongress-Zentrum.

Im Bann der Slotmachine

Die ADAM + EVA-Awardshow war ein Highlight dank eines intelligenten roten Fadens, einer gelungenen Dramaturgie, der einfallsreichen Medialisierung und einer beherzten Organisation! Ein Kompliment der ausführenden Agentur Vogelsänger.

Nach einem unkonventionellen Intro-Film spielten die Mannheimer Sinfoniker die Ouvertüre zu einer zweieinhalbstündigen Preisverleihung, die von Kai Spitzl anfangs mit Süffisanz und reichlich Wortwitz moderiert wurde. Leider konnte er sein Niveau nicht halten. Das Bühnenbild wurde beherrscht von einer Panoramaprojektion und 3D-Mapping. Der „Buchstabensalat“ gab allerdings Rätsel auf.

Spannung pur bei der Verteilung von Gold, Silber und Bronze: Eine filmische Slotmachine schlug das Publikum und die Nominierten insgesamt 13 Mal in ihren Bann. Ein dramaturgischer Geniestreich, wenn man die herkömmlichen Rituale kennt! Ein visuelles Vergnügen auch die Performance von Lichtfaktor, die mit LED-Leuchten tanzten. Über zwei Kameras und ein VJ-Mischpult entstanden auf der Projektionswand zauberhafte Schlieren und Effekte, die im Design der ADAM + EVA-Trailer wieder auftauchten.

Erstmalig wurde auch ein Catering Award vergeben. Und genau hier passierte ein Fauxpas: Auf der Bühne wurde die Agentur des Siegerprojektes Liebherr/BAUMA 2010 geehrt, nicht aber der Caterer Kofler & Company! Er saß im Saal und wurde freundlich gegrüßt. Bei einem Gewerke-Award hat die Agentur auf der Bühne nichts verloren. War das ein Regie-Fehler oder der Selbstverliebtheit von Agenturen geschuldet?

Das Manko wie in den Vorjahren – die Kunden fehlten im Saal und bisweilen auf der Bühne. Bei dieser Nabelschau der Branche gehören die Kunden genauso ins Rampenlicht wie die Agenturen, Architekten und Messebauer.

Die Abräumer

Wer oder was hat gewonnen? Gewonnen hat die Box – und das gleich viermal: je 2x Gold bei ADAM und EVA. Die Lightbox by Karl Lagerfeld (Kunde Schwarzkopf), The Cube von Electrolux, der State Grid Pavillon auf der EXPO Shanghai (Kunde State Grid Corporation of China) und The Audi Qube 3. Das Prinzip war stets ein bespielter Würfel, spektakulär platziert und in Szene gesetzt.

Erfolgreichster Kunde war die Daimler AG mit 2x Gold und 1x Bronze, die erfolgreichste Branche (wie immer) Automobil – sprich Audi, BMW, Daimler – mit insgesamt 9 Platzierungen. Unter den Architekten glänzte KMS Team mit zwei ersten Plätzen, Holtmann Messebau freute sich über Gold und Silber, die erfolgreichste Agentur war Metzler:Vater mit Silber und Bronze.

Bei der Kreativität existiert ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, denn der Großraum München stellt mit Abstand die besten Agenturen/Architekten. Und noch etwas fällt ins Auge: die Hälfte der goldenen EVA’s ging an Tochtergesellschaften von großen Werbeagenturen (BBDO live, JungvonMatt/relations, Serviceplan Event). Zufall oder der Beginn eines neuen Zeitalters?

Ein Ärgernis – die EVA-Kategorien

Die Award-Kategorien offenbaren immer mehr Schwächen, denn Kommunikation verändert sich, Event-Formate und Vernetzungsstrategien entwickeln sich weiter. Die Überschneidungen von Consumer und Public Events liegen in der Natur der Sache.

Die Zuordnung „Pavillon 21 MINI Opera Space“ zu Corporate Events ist genauso wenig nachvollziehbar wie die Einstufung des „Ballzaubers“ als Charity/Social/Cultural Event. Wenig überzeugend auch die Einordnung der Eröffnungsveranstaltung der HANNOVER MESSE als Exhibition Event, eigentlich ein eindeutiges Corporate Event.

Das Projekt „Tramp a Benz“ – vergoldet als Public Event – hatte nicht im entferntesten etwas mit einer Veranstaltung zu tun! Zweifellos eine erfolgreiche Social-Media-Aktivierung und gelungene PR-Maßnahme. Im Vorjahr hatten wir den gleichen Fall mit der „Rallye Fernost“ der ostdeutschen Universitäten.

Eine komplette Überarbeitung der Kategorien mit einer entsprechenden Transparenz erscheint dringend geboten. Gut zu Gesicht stände dem FAMAB gerade aufgrund seines Engagements die Kategorie „Green Events“.

Autor: Wolf Rübner
Wolf Rübner ist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Event-Markt ein bekannter Name und gehört heute zu den Event-Experten in Deutschland. Als Gründer des EventCampus hat er sich auf Event-Consulting, Personal-Vermittlung und -Beratung für Unternehmen, Agenturen, Messebauer und Event-Dienstleister spezialisiert.

 

» Alle Gewinner des ADAM & EVA Awards 2011

» Weitere Fotos von der ADAM & EVA Preisverleihung und Party


4 Kommentare
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4 Kommentare

  1. Silke Schulte

    Regie-Fehler oder Selbstverliebtheit von Agenturen im Rahmen des Catering-Awards? Weder – noch! Bewerben können sich um diesen Preis neben Caterern ausdrücklich auch Event-Agenturen, Kunden und Partner, die die Umsetzung mit realisiert haben. Die Ausschreibung und Erläuterung des neuen Preises sind hier zu finden: http://www.famab.de/leca/catering_award/catering.html

    Unser Glückwunsch geht also in erster Linie an den Einreicher, d.h. die Agentur plan-j, die für die Konzeption dieses herausragenden Caterings verantwortlich zeichnet und somit den Preis entgegennehmen konnte. Auf eine Einreichung von Kofler & Kompanie AG freuen wir uns im nächsten Jahr :-)

  2. Mario Flaschentraeger

    Was lernen wir aus dem vom FAMAB (und anderen) beschriebenen Procedere …. nicht der der für den Erfolg verantwortlich ist bekommt die Lorberren, sondern der der dafür „bezahlt“ (Einreicher) hat. Das zeigt die Grenzen der Modi von Award-Veranstaltungen. Nicht der oder das Beste bekommt die Ehrung. Was ist also ein Award wert?

  3. Wolf Rübner

    Sehr geehrte Frau Schulte, wenn ich zitieren darf: „Die Jury bewertet die Einreichungen nach folgenden Kriterien: Angebotstransparenz, Umsetzung der Anforderung, Kreativität des Konzeptes, operative Gestaltung und Abwicklung, Budgettreue“ Das Konzept ist also einer von 5 Aspekten. Es ist einfach ein schlechter Stil, daß derjenige, der die Hauptlast der Arbeit und Verantwortung getragen hat, nicht auf der Bühne steht. Nichts anderes habe ich moniert.
    Es stellt sich die Frage nach dem Sinn des Catering Awards, wenn auch die Agentur den Preis erhält. Nach dieser Logik könnte man auch einen Preis für das schönste Hostessen-Kostüm vergeben….bekommt den dann auch die Agentur, weil sie die Idee dafür hatte?
    Worüber reden wir eigentlich bei einem Catering-Konzept? Der gastronomische Part kann nur vom
    Caterer kommen. Der Marketing Part (für mich der kleinere Teil) kommt von der Agentur. Gekauft. Aber deswegen die Agentur so in den Mittelpunkt rücken? Wenn plan j das so sehen sollte, dann
    wäre meine Einschätzung im Kommentar ja richtig.

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