Gute Zeiten, schlechte Zeiten – ein satirischer Jahresrückblick 2012


Kommentar von Wolf Rübner, EventCampus

Und schon wieder steht Weihnachten vor der Tür, es wird also Zeit für den Jahresrückblick. Was der Jauch und Lanz können, können wir schließlich auch. Am Ende eines Arbeitsjahres voll Adrenalin, Mordgelüsten und Glücksmomenten, nach gefühlt 498 Arbeitstagen steht ihr endlich nicht mehr so unter Strom. Wie geht’s euch, ihr fahrendes Volk? Neudeutsch ‚Event-Branche‘ oder eleganter „Kommunikation direkt“. Bist Du tatsächlich schon fünfzig wie Volkwart Dams behauptet? Eigentlich siehst Du ziemlich knackig aus, nicht eine Falte. Halt, da sind doch einige Kummerfalten.

Vier Hochzeiten und einige Todesfälle

Die Familie beklagt den Heimgang einiger ihrer engsten Angehörigen: die MICE AG (zu viele Vorstände verderben den Brei), die kogag (selbst Schuld), die Hamburger Agentur ViON (?) und der Nürburgring (Großmannssucht) wanderten auf den Firmenfriedhof.
Im Hinblick auf die bescheidenen Margen, die grotesken Pitches und die chaotischen Kunden ist das kein schlechter Ausweg.

Im siebten Himmel wähnen sich HSG Zander und ProfiMiet. Es ist schon interessant, wie in diesem Fall der Baukonzern Bilfinger, aber auch Hochtief im Veranstaltungsmarkt mitmischen. Hoffentlich keinen Beton. PRG aus den USA hat die Kölner Showtec geschluckt. Wir wollen uns nicht vorstellen, was passiert, wenn sie die wieder ausspucken. In der Vergangenheit haben sich schon einige Amis an deutschen Event-Firmen verschluckt. Viel Glück wünschen wir auch proFair mit ihrer amerikanischen Mutter MC2. JOKE Event hat hoffentlich bei Unikatevent noch etwas zu lachen.

Nachhilfestunde

Ein merkwürdiges Zwitterwesen treibt sein Unwesen in Deutschland – das Hybrid-Event. In der Kommunikationswissenschaft wird von Hybridisierung gesprochen, wenn sich mehrere Genres zu einem Neuen zusammenfügen. So gilt z. B. das Genre Reality-TV als Hybrid. Wenn sich der Rauch der Wuppertaler Nebelkerzen verzogen hat, sehen wir einen Mensch-Maschine-Mensch-Dialog, also eine virtuelle Interaktion. Wie verträgt sich das mit der viel gepriesenen Multisensualität? Die Mißgeburt namens Hybrid Event suggeriert die Gleichberechtigung von Realität und Virtualität. Der Begriff führt jedoch in die Irre – ein Event ist ein Event ist ein Event (danke, Herr Prof. Rück). Man ist mittendrin, statt nur dabei. Merk Dir das, Colja, sonst kommst Du in die Marketing-Ecke! Sprich mir nach, „ich bin live und das ist gut so.“

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

Manfred (Nord-Süd-Dialog) Schmidt und Sascha (Stadtwerke Bochum) Hellen sind die Sumpfblüten unserer Branche. Das sind allerdings kleine Fische im Vergleich zu den Durchstechern bei BMW und VW in den 90er Jahren. Unangenehm wird’s, wenn das Wort „Eventmanager“ auf dem Titel der BILD auftaucht. Da müssen wir uns eine andere Berufsbezeichnung zulegen. Im Berufe-Ranking kommen wir mittlerweile direkt hinter Investmentbanker.

Warum ist es am Rhein so schön?

Was ist denn bei BBDO los? Nix mehr live? Und ist das politisch korrekt? Der Kapitän (Dino Büscher) geht als Erster von Bord. Dann springt die halbe Mannschaft in den Rhein und schwimmt stromabwärts von Bonn nach Köln. Ihr neues Schiff heißt fischerAppelt live marketing und liegt im Zollhafen. Wann funkt BBDO live SOS?

Das Imperium schlägt zurück

Nach zehn Minuten der olympischen Eröffnungsfeier beschlich mich das Gefühl, daß die Briten es der Welt noch einmal richtig zeigen wollten. Dieser lange verdammte Abstieg vom Weltreich in die Niederungen von De-Industrialisierung, wirtschaftliche Dauerkrise und brennenden Innenstädten. Und dann noch der moralische Sumpf namens Finanzindustrie, die Londoner City als Herz der Finsternis.
Beim Zeus, das hatte schon etwas Überirdisches! Waren wir schon im Show-Himmel? Kommt danach noch etwas? Die beiden olympischen Zeremonien waren grandios, aber es fällt mir schwer, in die Jubelarien einzustimmen. Fast zu perfekt in den Details und manchmal so orientierungslos in der Storyline. Große Momente wie für die Ewigkeit wechselten mit Effekthascherei. Trotzdem verneige ich mich vor der Leistung der Macher und Mitwirkenden.

Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen

Bisher habe ich immer geglaubt der GAU sei eine kurzfristig abgesagte Veranstaltung. Jetzt weiß ich es besser – es ist eine Veranstaltung, die angekündigt wird, aber niemals stattfindet. Du bist ständig in Alarmstimmung. Du stehst jeden Morgen auf, gehst raus zum Rollfeld von BER und zählst zum 123456789sten Mal die Stühle für die VIP’s. Und täglich grüßt der Berliner Bär…

Frohe Weihnachten Euch allen!

Autor: Wolf Rübner
Wolf Rübner ist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Event-Markt ein bekannter Name und gehört heute zu den Event-Experten in Deutschland. Als Gründer des EventCampus hat er sich auf Event-Consulting, Personal-Vermittlung und -Beratung für Unternehmen, Agenturen, Messebauer und Event-Dienstleister spezialisiert.

1 Kommentar
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Ein Kommentar

  1. Mario M. Flaschentraeger

    Lieber Wolf Rübner, ich habe herzhaft gelacht. Die Grenze zwischen Humor und Sarkasmus ist fliessend … aber nur so kann man die Entwicklungen dieser Branche auch nur ertragen.

    Schade nur, dass die ERGO & Co. keinen Einzug im Jahresausklang hatten, denn genau diese Art von Events sind es ja schließlich gewesen, die der Branche hier und da auch den Todesstoss versetzt haben und heute auch ein Grund dafür sind, dass Eventmanager bisweilen auch einen schlechten Ruf haben.

    Meine Analyse der letzten Jahre hat sich nicht geändert. Was heute so alles unter Event läuft, ist wahrlich Realsatire und dabei von den Veranstaltern stets ernst gemeint … vor allem von all den selbsternannten Eventgurus wie die manfred Schmidts dieser Welt …

    Fröhliche Weihnachten ….

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