Das Neue und seine Feinde: wie Firmen und Strukturen Innovationen verhindern – Buch von Gunter Dueck

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Gunter Dueck ist unter Bloggern, Start-Ups und Nerds recht bekannt und beliebt. Das mag vornehmlich an den sehr fortschrittlichen, sozialkritischen Gedanken und unterhaltsam sarkastischen und inspirierenden Vorträgen des ehemaligen IBM Managers liegen. Das ist zumindest der Grund, warum ich ihm stets gerne lausche – und daher habe ich mich auch gleich begeistert auf sein aktuelles Buch “Das neue und seine Feinde – Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen”* gestürzt. Auch wenn seine Ansätze, Gedankengänge und Schlussfolgerung nicht unbedingt leicht auf den Punkt zu bringen sind, ich versuche den Kern des Buches kurz zusammen zu fassen.

Unsere naive Vorstellung von Innovation

Verteilt im gesamten Buch räumt Gunter Dueck mit unserer nicht selten sehr naiven Sichtweise von Innovation auf. Viele denken bei Innovationen, dass man nur die richtige Idee haben muss und etwas Glück und dann läuft das Ding von alleine. Wir sagen uns: “Das ist so cool, die Leute werden das lieben, die brauchen das einfach.” Gefragt haben wir natürlich niemanden. Die Zahlen unseres hoch spekulativen Businessplanes versprechen uns Großartiges. Schon sehen wir uns beim Hochrechnen der Gewinne, in coolen google-artigen Büros, bei Partys mit Mark Zuckerberg… Ja, und dann kommt Gunter Dueck mit seinem Buch und stellt unbequeme Fragen:

  • Bist Du bereit Dein Haus zu verkaufen, um Kapital zu haben?
  • Bist Du bereit Stress mit Deiner Familie zu haben, weil Du nur arbeitest?
  • Bist Du bereit jahrelang Rückschläge und finanzielle Unsicherheit hinzunehmen?
  • Hast Du bereits Erfahrungen in der Branche? Kennst Du wichtige Leute?
  • Hast Du schon mal erlebt, wie ein Unternehmen aufgebaut wird?
  • Hast Du Talent und kannst Du Deine Idee verkaufen?

Wenn man wirklich eine Innovation an den Markt bringen will, sollte man verdammt gut vorbereitet sein und sich warm anziehen, sagt Dueck.

Das klingt nicht gerade nach einem Motivationsschreiben, um Menschen Lust zu machen, ihre Ideen zu realisieren. Und ich weiß auch nicht, ob dieses anfängliche Nichtwissen, auf was man sich da einlässt, oft auch besser ist. Aber hier ist Gunter Dueck mal wieder schmerzhaft ehrlich und nimmt uns die naiven Illusionen: eine Innovation erfolgreich an den Markt zu bringen, ist in erster Linie ganz viel harte Arbeit, Verzicht, detaillierte Vorbereitung und Entwicklung, Talent und nur ganz wenig dieser coolen Start-Up-Welt und vor allem kein Zufall oder Glück.

Innovation braucht eine bejahende Einstellung

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Foto von CommonLense.de

Doch auch wenn das nicht gerade nach Spaß klingt, muss man gerade daran Spaß haben. Innovationen brauchen eine positive und neugierige Einstellung. Sie brauchen Eustress und keinen Distress. Wenn Innovationen, wie häufig in großen Unternehmen, als ein Muss verstanden und Mitarbeitern zusätzlich aufgedrückt werden, funktioniert das einfach nicht. Wer Neues als Problem, als eine Strafarbeit empfindet, wird nichts Gutes produzieren. Mangelnde Innovation ist kein Disziplinproblem – es ist ein Einstellungsproblem.

Nur leider “leiden” sehr viele unter diesem Einstellungsproblem – und machen es Innovationen und damit auch begeisterten Innovatoren und ihren neuen Ideen schwer! Viele Menschen mögen das Gewohnte. Sie gehören unter anderem zu den sogenannten Close Minds (Innovation? Ne, erst wenn es die Mehrheit nutzt.) und Antagonisten (Innovation? Auf keinen Fall!). Die Open Minds (Innovation? Gerne, aber ich will nicht der Erste sein.) machen den kleineren Teil aus – und auch ihnen muss man erst mal beweisen, dass das Neue gut und nützlich ist.

Doch auf diesen Widerstand muss man sich als Gründer oder Innovator einstellen und vorbereiten. Ändern werden wir diese Menschen nicht, so sehr wir sie auch verteufeln und was sie tun und denken, für falsch halten. Um eine Idee tatsächlich durchzusetzen, muss das Produkt früher oder später auch bei den sehr misstrauischen Close Minds ankommen.

Innovationen in Unternehmen: Struktur essen Innovation auf

Im Gegensatz zu den Innovativen bevorzugen größere Unternehmen gerade diese Gewohnheitsmenschen. Firmen mit komplexen Strukturen brauchen die Gleichförmigkeit, um alles zu managen und in einem stetigen Fluss zu halten. Das bedeutet, dass auch Mitarbeiter möglichst gleich sein müssen – ihre Arbeit fleißig und ohne Murren erledigen sollen. Die Abläufe nicht stören und sich an Regeln und Altbewehrtes halten. Innovative Querdenker machen da nur Probleme.

Ähnlich wie ein Organismus entwickelt ein Unternehmen eine Strategie um es störenden Querdenkern schwer zu machen. Gunter Dueck nennt das ein Immunssystem und meint damit unter anderem Vorschriften, Regeln, Verbote, Formalien, hierarchische Strukturen und klassische Planungsabläufe. Ein Projekt muss kontrolliert ablaufen, vorher zeitlich geplant sein und Erfolge innerhalb der ersten Wochen vorweisen. Manager wollen alles managen und sind der Meinung, dass nur das, was effizient gemanagt wird, zum Erfolg führt. Doch wie will man etwas effizient managen, das gerade erst entwickelt wird – von dem man nicht weiß, wie es effizient gemanagt wird?

Starre Muster und ein gewisses innovatives Chaos verstehen sich gar nicht gut! Neue Ideen brauchen mehr Freiraum als andere Abläufe – da prallen zwei Welten aufeinander und stören sich gegenseitig. Gerade große Unternehmen machen es Innovationen sehr schwer – und das durch die eigenen Strukturen, so Dueck.

Mehr Miteinander anstatt Gegeneinander

Dueck plädiert jedoch nicht dafür, dass sich alle Menschen ändern und zu Innovativen werden müssen. Es gibt nun mal Menschen, die feste Strukturen mögen und deswegen z.B. Buchhalter werden. Und das ist auch gut so. Er plädiert vielmehr dafür sich besser gegenseitig zu verstehen und miteinander zu arbeiten, anstatt gegeneinander. Das gilt sowohl für die Innovationspessimisten als auch für die Innovativen!

Für Unternehmen bedeutet das, dass sie ihre Unternehmensstruktur und -abläufe auf verschiedene Menschentypen ausrichten und agiler werden müssen. Innovative Mitarbeiter brauchen mehr Freiraum und andere Arbeitsstrukturen als z.B. die Buchhaltung.

Aber nein, anstatt dessen wird wieder irgendein teurer Berater beauftragt, der etwas feststellt, das man eigentlich schon weiß, das dann die eher innovationspessimistischen Mitarbeiter umsetzen sollen, aber nicht wollen und auch nicht können, weil es ausgebremst wird und am Ende einschläft. Und der Kreislauf beginnt wieder von vorne – und so passiert gut gemanagt letztendlich nichts.

Die Zukunft und Hoffnung liegt in unseren Kindern

Am Ende wünscht sich Dueck aber dann doch eine gewisse Änderung der Menschen. Die ist bei Erwachsenen aber wohl nicht mehr zu erreichen. Ein großes Potential sieht er in unseren Kindern und dem was wir ihnen beibringen. Nach wie vor vermitteln die Schule und viele Eltern Tugenden wie Fleiß, Ordnung, Sorgfalt und Leistungsbereitschaft. Doch warum kümmert man sich so wenig um Kreativität, Initiative und Neugier, die auf andere ausstrahlt, Offenheit, ein ausgewogenes Selbstbewußtsein oder positive Haltung zur Vielfalt des Lebens? Es geht nicht darum lauter Mark Zuckerbergs großzuziehen, sondern um verschiedene Charaktere, die sich gegenseitig akzeptieren und nicht bekämpfen. Offene und gemeinschaftlich denkende Menschen sind die Lösung für einen innovativen Fortschritt einerseits, aber auch für unsere aktuellen Ängste und Probleme gegenüber der technologischen Sintflut, meint Dueck.

Fazit

Ein sehr aufschlussreiches, und trotz der vielen diskutieren Probleme, motivierendes Buch – sofern man auch bereit ist, sich der dunklen Seite der Innovation zu stellen ;).

buch-gunter-dueckGanz so leicht und flockig, wie man es von Duecks Vorträgen gewohnt ist, lässt sich das Buch aber stellenweise nicht lesen. Ironie und Sarkasmus sind live doch irgendwie unterhaltsamer. Durch manche Kapitel muss man sich auch etwas durch zwingen. die hätte man vielleicht auch etwas kürzer auf den Punkt bringen können.

Das Kapitel mit Lösungsvorschlägen und Ideen ist recht kurz gehalten – daher sollte man keine Anleitung à la Innovation für Dummies erwarten. Aber der große Nutzen des Buches liegt auch eher darin, Unternehmensstrukturen und (kritische) Menschen besser zu verstehen. Das Buch hilft dabei als Start-Up oder Mitarbeiter auf die Sintflut von Problemen und Bedenkenträgern vorbereitet zu sein. Wer sich dem stellen möchte, wird nachher deutlich schlauer sein, wer lieber nicht wissen will, was ihn als Gründer und Vorreiter wirklich erwartet…

» Gunter Dueck: Das Neue und seine Feinde*

 

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