Eventmarketing.Blickwechsel: Events sind in Firmen omnipräsent und dennoch häufig „stuck in the middle“

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Eine Fortsetzung unserer Interview-Reihe „Eventmarketing.Blickwechsel“ wurde, meinem Empfinden nach, schon lange ersehnt. Ja zugegeben, es hat etwas länger gedauert ;) Aber das Warten hat sich meiner Meinung nach gelohnt. In dieser Reihe haben wir uns nämlich den Blickwinkel der Unternehmen und Kunden ausgesucht! Leider kommt ihre Sicht bei so manchen Diskussionen der Eventbranche nicht immer wirklich zum Tragen. Es ist andererseits aber auch nicht leicht Firmenvertreter zu finden, die hier Stellung beziehen. Doch ich habe ein paar sehr interessante Gesprächspartner gefunden, denen ein Austausch am Herzen liegt.

Eröffnen wird die Reihe jemand, dem der Austausch nicht nur spürbar sehr wichtig ist, sondern der sich auch seitens der Unternehmen deutlich mehr aktive Beteiligung wünscht! Sven Theobald ist seit 2012 Leiter „Corporate Events“ im Bereich „Corporate Brand, Communications & Government Relations“ der Bayer AG. Er verantwortet die Konzeption, Planung und Realisierung konzernübergreifender Events und Markenauftritte. 2013 war er mit seinem Team maßgeblich an den Live-Kommunikationsaktivitäten zum 150-jährigen Bestehen beteiligt. Sven Theobald absolvierte den interdisziplinären Studiengang Medienwirtschaft in Wiesbaden und startete bei Bayer Ende 2006 als Projektmanager.

Wie und wo begegnen Sie dem Thema Eventmarketing? Wie präsent ist die Eventbranche als Marketing-Disziplin Ihrem Empfinden nach?

 
sven-theobald-bayerSven Theobald: Das Thema ist präsenter denn je! „Live“ ist heute etablierter Bestandteil jeder gut orchestrierten Unternehmens- und Produkt-Kommunikation – die dritte Säule im integrierten Mix neben der Klassik und den Online-Medien.

„Live“ ist aber auch ein Schnittstellen-Kanal mit wechselnden Zielgruppen – mal werden Führungskräfte oder Mitarbeiter adressiert, mal die breite Öffentlichkeit, mal externe Stakeholder wie z. B. Medien oder Investoren.

„Live“ ist in vielen Unternehmen quasi omnipräsent und nach meiner Einschätzung dennoch häufig „stuck in the middle“. Die Frage nach einer sinnvollen Verortung des Themas in der Organisationsstruktur wird somit zum entscheidenden Faktor.

Wie wird der Stellenwert von Eventmarketing im Marketing-Mix aus Ihrer Sicht seitens der Unternehmen eingeschätzt?

 
Sven Theobald: Genau so breit und mehrdimensional wie die Thematik, ist auch die Struktur der Dienstleistungen in diesem Feld. Die Gefahr für das Eventmarketing ist die Wahrnehmung als vor allem operative Service-Funktion.

Ohne Zweifel ist eine exzellente Operative ein wesentliches Element – das große Potential liegt aber insbesondere in der Integration des Live-Ereignisses oder der Live-Begegnung als Herzstück einer integrierten Gesamtkommunikation.

Wir müssen auch und viel mehr als Kommunikationsberater und -Strategen sowie maßgebliche Einzahler zur Erreichung von Kommunikationszielen auftreten. „Live“ als potentieller Lead-Kanal im Marketing-Mix – bis zu dieser Positionierung ist in vielen Branchen noch Luft nach oben.

Eventagenturen beklagen häufig, dass Aufträge in immer kürzerer Zeit und für immer kleinere Budgets umgesetzt werden müssen. Empfinden Sie das auch so?

 
Sven Theobald: Zu kurzfristige Auftragsvergaben sollten nicht die Regel sein – das ist aus meiner Sicht eine Frage der Positionierung sowie der Professionalität des beauftragenden Bereichs in den Unternehmen.

Stagnierende Budgets dagegen können auch eine bereinigende Wirkung haben – welche Konzepte, Tools oder Elemente sind zielführend und schaffen einen Mehrwert, welche sind verzichtbare „Gimmicks“?
Die Notwendigkeit, Eingefahrenes zu hinterfragen und den Einsatz eines jeden Effektes auf Effektivität und Effizienz zu prüfen, ist größer denn je.

Ein anderer Punkt, der aktuell zwischen Agenturen und Unternehmen zu stehen scheint, ist die Wertschätzung bzw. der beklagte Mangel dieser untereinander. Hier hören wir aber oft nur die Stimme der Agenturen. Wie empfinden Sie die Situation?

 
Sven Theobald: Live-Kommunikation ist nicht nur im Ergebnis, sondern auch im Entstehungsprozess ein wahres „People-Business“. Das funktioniert am besten, wenn alle Beteiligten in einer offenen, kreativen und wertschätzenden Kultur auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Als Innovationsunternehmen schätzt Bayer kreative Leistung, Leidenschaft und persönliches Engagement in besonderer Weise. Genauso erwarte ich aber auch von externen Partnern, in jeder Hinsicht wahr- und ernstgenommen zu werden.

Vielen Dank für das Interview!

 

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Foto Sven Theobald: von Petra A. Killick


1 Kommentar
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Ein Kommentar

  1. Wolf Rübner

    Gut gebrüllt, Löwe – diese Haltung wünscht sich die Branche sehnlichst. Die Realität sind leider zu häufig anders aus.

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