Love Parade Umfrage: Veranstaltungssicherheit zwischen Bewusstsein und bewussten Risiken

Loveparade Gedenkstätte | CC RundschauDuisburg | Flickr

Vor über einem Monat wurde der Love Parade Prozess gegen sieben von zehn Angeklagten eingestellt. Wir haben kurz darüber berichtet und in diesem Rahmen nach euren Meinungen zum Verfahren und euren Praxiserfahrungen zum Thema Veranstaltungssicherheit gefragt. Hier sind die Ergebnisse.

Selbst die Eventbranche empfindet die teilweise Einstellung des Verfahrens als falsch. Das ist ziemlich eindeutig. Dabei könnte man eigentlich meinen, dass gerade Eventler noch am meisten Verständnis für die Verantwortlichen der Love Parade haben könnten. Vielleicht liegt das daran, dass die meisten aus ihrer Praxiserfahrung heraus wissen, dass letztlich konkrete Personen Entscheidungen treffen – und so bewusst Risiken eingehen oder nicht.
Und bewusste Risiken werden nach wie vor eingegangen, wenn man dieser kleinen Meinungsumfrage glauben darf. Auch wenn das Bewusstsein für Veranstaltungssicherheit deutlich gestiegen ist und bei jedem Event berücksichtigt wird, viele Teilnehmer sind der Meinung, dass man in der Eventpraxis lieber nicht so genau hinschaut – nicht zuletzt da Kunden für mehr Sicherheit auch nicht zahlen möchten.

Alle Ergebnisse der Umfrage

Es haben insgesamt 66 Personen an der Meinungsumfrage teilgenommen. Mehrfachnennungen waren möglich.


Wie empfindest Du die teilweise Einstellung des Verfahrens?


Auch aus Eventler-Sicht und mit dem Wissen, wie komplex eine Veranstaltung ist, denkt eine deutliche Mehrheit, dass die teilweise Einstellung des Verfahrens falsch ist. Mit einem so eindeutigen Ergebnis habe ich gerade in unserer Branche ehrlich gesagt nicht gerechnet.
 
 


Allg. Eventpraxis: Welchen Aussagen stimmst Du aus Erfahrung zu?

Ungekürzte Antworten: Ich weiß aus Erfahrung, dass es bei solch großen Events nicht „den“ oder „die Schuldigen“ gibt; Ich weiß aus Erfahrung, dass es konkrete, verantwortliche Personen gibt, die letztlich entscheiden; In der Eventpraxis geht man Sicherheitsrisiken selten bewusst ein, sie werden z.B. erst im Nachhinein deutlich; In der Eventpraxis geht man manches Risiko durchaus bewusst ein oder schaut lieber nicht zu genau hin; Kunden möchten den Mehraufwand oft nicht zahlen oder notwendige Umbauten nicht akzeptieren


Nachvollziehbarer wird das obere, eindeutige Ergebnis vielleicht durch die hier am häufigsten gewählte Aussage. 52 Mal wurde die Aussage bestätigt, dass es konkrete Personen gibt, die letztlich über bestimmte Verfahrensweisen entscheiden. Nur 6 Zustimmungen fallen auf die Aussage, dass im allgemeinen Praxisfall keine konkreten Schuldigen ausgemacht werden könnten. Daraus würde ich schlussfolgern, dass sich laut dieser Meinungsumfrage im allgemeinen Fall Personen finden ließen, die zur Verantwortung gezogen werden sollten, weil sie die Entscheidung getroffen haben.

Die Aussagen mit den zweit- und drittmeisten Zustimmungen deuten dazu an, dass Sicherheit in der Eventpraxis ein heikles Thema ist. Zum einen, weil Kunden nicht für mehr Sicherheit zahlen bzw. keine Änderungen vornehmen möchten (30 Zustimmungen). Zum anderen, weil manche Risiken durchaus bewusst eingegangen werden oder man lieber nicht zu genau hinschaut (22 Zustimmungen).
 
 


Wie erlebst Du den aktuellen Stellenwert von Veranstaltungssicherheit?

Ungekürzte Antworten: Veranstaltungssicherheit wird heute deutlich ernsthafter behandelt und bei jedem Event einbezogen; Veranstaltungssicherheit wird heute ernsthafter behandelt, läuft aber eher so nebenbei und steht nicht an erster Stelle; Fast 9 Jahre danach wird Veranstaltungssicherheit wieder viel zu leichtsinnig abgetan


Trotz der eher bedenklich stimmenden Antworten zuvor, scheint Veranstaltungssicherheit trotzdem ein präsentes Thema in der Eventpraxis zu sein. Nur 8 Zustimmungen entfallen auf die Aussage, dass Veranstaltungssicherheit wieder viel zu leichtsinnig abgetan wird. Die Mehrheit scheint sich einig, dass Veranstaltungssicherheit heute deutlich ernsthafter behandelt wird. Allerdings meinen 30 Personen, dass dies eher nebenbei läuft und nicht an erster Stelle steht.

Sicherheit scheint nach der Love Parade Katastrophe tatsächlich ernsthafter behandelt zu werden, obwohl es immer noch genügend Probleme und bewusst eingegangene Risiken gibt. Da möchte ich ja nicht wissen, wie locker man mit dem Thema Sicherheit vor der Love Parade umgegangen ist.


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