Loveparade Prozess: Das war’s jetzt? + Umfrage

Loveparade Gedenkstätte | CC RundschauDuisburg | Flickr

Der Loveparade Prozess ist in Teilen zu Ende. Gegen sieben der zehn Angeklagten wurde am 6.Februar 2019 das Verfahren eingestellt. Gegen drei Angeklagte, die eine Geldbuße von je 10.000 Euro hätten zahlen sollen und der Einstellung nicht zustimmten, wird der Prozess fortgeführt. Die Richter des Landgericht Duisburg hatten wenige Wochen zuvor eine Einstellung vorgeschlagen. Als Gründe nannten sie ein „kollektives Versagen“ sowie eine eher geringe bis mittlere Schuld der Angeklagten. Zudem lässt die sich 2020 anbahnende Verjährung befürchten, dass es zu keinem abschließenden Urteil kommt.

Trotz der Fortführung des Verfahrens gegen drei der Angeklagten, geht das Gefühl um, der Prozess sei eigentlich zu Ende. Nichtzuletzt da auch Verfahrensbeobachter einen Abschluss vor der Verjährung für unwahrscheinlich halten.

Mir persönlich fällt die Einordnung dieses ganz sicher unbefriedigenden Teilergebnisses schwer. Es ist einerseits erschreckend, dass im Vorfeld des Events tatsächlich massive Sicherheitsbedenken geäußert wurden, Mängel konkret benannt und festgestellt wurden, es aber trotzdem zur Umsetzung der Veranstaltung kam und nun letztlich niemand „so richtig“ – rechtlich gesehen – daran Schuld sein soll. Kritische Sicherheitsmängel wurden laut Ermittlungsakten übergangen. Verbesserungen vom Veranstalter Lopavent bis kurz vor dem Event hinausgezögert. Zudem vermutet man, dass aufgrund politischer Interessen Druck gemacht wurde, das Event in Duisburg stattfinden zu lassen. Kurzum, es gibt eigentlich eine Menge Schuldige.

Andererseits heißt es in vielen Berichten, dass die Staatsanwaltschaft, das Gericht sowie die Polizei gute Arbeit geleistet und viel aufgedeckt hätten. Selbst die Einstellung des Verfahrens gegen einen Teil der Angeklagten wurde selten kritisiert. Vielleicht auch aufgrund der hohen Kosten, die vermutlich ohne Urteil und somit von keinem Schuldigen übernommen werden. Was den Verfahrensverlauf angeht, habe ich kaum Vorwürfe gelesen. Abgesehen von der unnötigen Zeitverschwendung zu Beginn. Zu lange wurde auf Gutachten herumgeritten, zu schnell wurde das Verfahren vom Landgericht Duisburg zunächst abgelehnt, um dann vom Oberlandesgericht Düsseldorf angeordnet zu werden. Wertvolle Zeit, die jetzt fehlt.

Größere Vorwürfe werden dagegen den NRW Politikern gemacht. Sie hätten sich feige vor der Verantwortung gedrückt, einen Untersuchungsausschuss einzuberufen und die Katastrophe aus politischer Sicht aufzuklären, heißt es z.B. bei Spiegel Online. Womöglich, um zu vertuschen, welchen Einfluss die Politik darauf hatte, dieses Event trotz Bedenken durchzuwinken?

Den meisten Angehörigen und Nebenklägern geht es vielleicht auch nicht in erster Linie um eine Verurteilung, sondern vielmehr um Aufklärung. Nicht zuletzt um eine Antwort auf die Frage, wie man trotz all der scheinbar offensichtlichen Bedenken, das Event genehmigen konnte?

Wenn man sich unter Veranstaltern und Sicherheitsberatern umhört, ist jedoch zu vermuten, dass dies nicht unbedingt ein Einzelfall war. Einige Events hätten aus Sicherheitsgründen wohl lieber nicht stattfinden sollen. Sie hatten einfach nur Glück, dass nichts passiert ist. Immerhin hat Veranstaltungssicherheit nach der Loveparade einen gänzlich anderen Stellenwert als zuvor. Hoffentlich gerät das mit der Zeit nicht wieder in Vergessenheit!


Loveparade Prozess: Aktuelle Kommentare

taz: » Recht ist nicht immer gerecht

Spiegel Online: » Versagen bei der Loveparade-Aufklärung: Der Schandfleck

Deutschlandfunk: » Verfahren eingestellt: Ein erster Schlussstrich beim Loveparade-Prozess

FAZ: » Love-Parade-Prozess : Es gibt noch so viele brennende Fragen


 

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