Symbolbild für Gleichberechtigung: Arm hält Pappschild hoch, darauf steht "Equality in Diversity"

Es wird viel darüber geredet, aber wenig getan: Gleichberechtigung in der Live-Kommunikation

Von Katharina Stein 14.10.2021 ~5 Minuten Lesezeit

Im August haben wir mit Kerstin Hoffmann-Wagner über Gleichberechtigung in der Live-Kommunikation gesprochen. Sowohl sie als auch aktuelle Studien sagen eindeutig: Es besteht auch im 21. Jahrhundert noch sehr viel Handlungsbedarf! Ungleiche Bezahlung, schlechtere Karrierechancen und allgemeine Diskriminierung von Menschen, die nicht einem bestimmtem Bild entsprechen oder eine Frau sind, gehören zum Alltag – auch in der Live-Kommunikation. Doch ist das wirklich so? Wie seht und erlebt ihr euren Berufsalltag? Und die wichtigste Frage: Wie könnte sich etwas ändern?

In einer Umfrage konntet ihr eure Erlebnisse und Meinungen mit uns teilen. Hier sind nun die Ergebnisse.

Zentrale Ergebnisse der Umfrage

Wichtig ist vorab zu wissen, dass unter den 41 TeilnehmerInnen mehrheitlich Frauen sind und niemand, der sich zu den Gruppen „Divers“, „Person of Color“ oder „Mit Behinderung“ zählt. Somit spiegelt diese Umfrage größtenteils die Probleme und Sicht von Frauen wider. Die Mehrheit arbeitet in Firmen auf Auftraggeberseite (20). Danach folgen MitarbeiterInnen aus Agenturen (13), Selbständige (8) und Angestellte von Event-Dienstleistern (4).

Benachteiligungen in der Live-Kommunikation

Die meisten TeilnehmerInnen fühlen sich seltener ernst genommen (24), klagen über schlechtere Karrierechancen (21) und ein geringeres Gehalt (20). Knapp ein Drittel erlebt auch anzügliche oder diskriminierende Kommentare bzw. vermeintliche Witze (13).

Eine deutliche Sprache spricht, dass keine einzige der TeilnehmerInnen sich nicht benachteiligt fühlt. Auch die acht Männer. Das klingt ein wenig höhnisch, jedoch ist mir als Frau bewusst, dass auch Männer, die z.B. introvertiert, jung oder alt sind, Benachteiligungen erleben können – und natürlich auch Frauen Vorurteile pflegen und andere diskriminieren. Nicht zuletzt zieht eine solche Umfrage auch mehrheitlich Menschen an, die Diskriminierung beschäftigt.

Hat sich etwas getan?

In den letzten Jahren hat die Aufmerksamkeit rund um Gleichberechtigung und Diversität deutlich zugenommen. Doch hat das auch die realen Zustände in der Live-Kommunikation verbessert? Die Mehrheit ist der Meinung, dass viel darüber geredet, aber wenig getan wird (21). Ein bisschen hat sich laut 19 TeilnehmerInnen jedoch schon getan. Dass niemand ein eindeutiges „Gar nicht“ gewählt hat, kann man schon fast als gutes Zeichen bewerten.

Was könnte mehr Gleichberechtigung fördern?

Bei dieser Umfrage plädieren die meisten für firmeninterne offene Gespräche, Schulungen und Aufklärung (39). Eine sehr sinnvolle Maßnahme, da viele Menschen sehr oft unbewusst diskriminieren. An zweiter Stelle folgt mehr Transparenz unter anderem bei Gehältern (36). Modernere Arbeitsmodelle, wie New Work Ansätze (29) und flexiblere Teilzeitmodelle und Jobsharing (28), wünschen sich knapp zwei Drittel der TeilnehmerInnen. Etwa gleich viele sehen auch Führungskräfte in der Verantwortung mehr auf tatsächliche Fähigkeiten zu achten (27) und sich nicht von Äußerlichkeiten ablenken zu lassen. Viele und konkrete Maßnahmen, die man gut angehen könnte!

Frauenquoten bzw. andere Quoten (16) empfinden nur ein Drittel als hilfreich. Ich persönlich schwanke da auch immer. Doch letztlich denke ich, dass sich etwas so tief verankertes nicht von alleine verändert. Manchmal muss man Menschen erstmal zwingen, eine andere Situation selbst zu erleben, um dann dauerhaft ohne Quote und weniger Vorurteilen weiterzumachen.

Interessant und sehr bedauerlich finde ich, dass die Hoffnung, die jüngere Generation könnte offener sein und langfristig etwas an der Situation ändern (7), kaum Zuspruch fand. Leider scheinen wir unsere Vorurteile erfolgreich an die nächste Generation weiterzugeben. Traurig!

 

Kommentare und Meinungen der TeilnehmerInnen

Drei Stimmen von Frauen und Männern:

Es ist schwierig, nicht nur dagegen zu „kämpfen“, sondern teilweise sogar schwer ein Ally für andere Frauen zu sein. Bei Personalentscheidungen hat man schnell selbst Gedanken wie „die Bewerberin ist jung, die bekommt wahrscheinlich in den nächsten 2 Jahren Kinder“. Deshalb muss sich strukturell etwas ändern, so dass es z.B. keinen Unterschied mehr macht, wer eingestellt wird, weil Männer z.B. verpflichtend die gleiche Dauer in Karenz gehen müssen wie die Mutter.

Als Auftraggeberfirma habe ich stets versucht, eher frauengeführte Firmen zu beauftragen. Es bräuchte mehr Mut, mehr Offenheit und mehr Förderung/ Strukturen, um wirklich etwas zu ändern, da wo das Geld herkommt und hinfließt muss sich gleichermaßen was ändern… Geld ist (leider) Macht, ergo da ansetzen! Ansonsten kann ich dieses Macho-Gehabe nicht haben und das gibt es leider überwiegend immer noch.

Viel hat es mit der eigenen Einstellung zu tun, zum Beispiel Abgrenzung (Arbeitszeit), klare eigene Gehaltsvorstellungen und vor allem die Einstellung zur Arbeit, meist ein zu großer Hang zum Perfektionismus und Freundlichkeit.


 

Umfrageergebnisse: Gleichberechtigung in der Live-Kommunikation

Es haben 41 Personen an der nicht repräsentativen Umfrage teilgenommen. Mehrfachnennungen waren möglich.

 

Fühlst Du Dich benachteiligt oder diskriminiert? Wenn ja, in welchen Bereichen?

Tut sich Deinem Eindruck nach etwas beim Thema Gleichberechtigung?

Was könnte mehr Gleichberechtigung fördern?

Ein paar Infos über Dich

Wo hast du bislang mehrheitlich gearbeitet?

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