Ein Expo Pavillon entsteht: Viele Inhalte, eilige Besucher und Instagramability – Teil 2

2020 findet die nächste Weltausstellung in Dubai statt. Facts and Fiction, Adunic und Lava haben die Ausschreibung für den Deutschen Pavillon gewonnen. Wir haben uns ihr Konzept angesehen und mit Kreativdirektor Andreas Horbelt über die Hintergründe gesprochen.


Dies ist der 2. Teil einer Artikelreihe.
» Zu Teil 1 des Artikels: “Vom Briefing zum Konzept”
» Zu Teil 3: “Das Nicht-Sichtbare und die Nachhaltigkeit”


Viele Inhalte, eilige Besucher

In der Regel liegt es im Interesse Deutschlands möglichst viele Projekte und Inhalte vorzustellen. Da die Deutsche Ausstellung an sich schon sehr umfangreich ist, möchte Andreas die Projektzahl in Dubai aber möglichst gering halten. “Lieber fünf starke Exponate anstatt 15.” Das ist wohl auch im Interesse der Besucher. Bedenkt man, dass viele Menschen von einem Pavillon zum anderen rennen, eventuell ein bis zwei Stunden anstehen, bleibt nicht viel Zeit und Ruhe, um sich Themen lange und ausführlich zu widmen.

Aus diesem Grund hat die hohe Besucherzahl zumeist eine höhere konzeptionelle Bedeutung als zum Beispiel kulturelle Eigenheiten der Besucher. Vor allem in Dubai, wo knapp 75% internationale Gäste und nur circa 25% aus dem Gastgeberland erwartet werden.

So ist ein zentrales Ziel des Raumkonzepts, die Menschen in ihrer Eile zu bremsen. Ein Grund, warum der Pavillon als Campus mit verschränkten Ebenen konzipiert ist. Auf dem Weg durch die Ausstellung wechseln sich offene Terrassen mit geschlossen Räumen ab. So sollen immer wieder neue, abwechslungsreiche Perspektiven entstehen, die die Menschen zum Stehenbleiben animieren. Einmal mit Weitblicken über die offene Architektur, ein anderes Mal mit geschlossenen, räumlichen Highlights.

Instgramability ist das zentrale Schlagwort

Dabei kommt den geschlossenen Labs eine besondere Bedeutung zu. Sie sind 2020 nicht nur als Ausstellungsflächen gedacht, sondern auch als Rauminstallation konzipiert. Instgramability ist das zentrale Schlagwort für Andreas. Sein Ziel ist es möglichst große Bilder zu liefern, die die Besucher schnell erleben können – fototauglich und immersiv erlebbar.

Im CityLab sollen komplett verspiegelte Wände und Decken für faszinierende Perspektiven sorgen. Im BioDiversityLab erwartet die Besucher ein riesiges Mobile, das die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur verdeutlichen soll. Falls keine Zeit bleibt, sich die einzelnen Exponate anzuschauen, soll der Besucher den Raum als Erlebnis empfinden – und nicht zuletzt fotografieren und in den sozialen Medien posten.

Spaßgesten um ihrer selbst Willen sollen es aber trotzdem nicht sein, betont Andreas. “Natürlich werden die Menschen zum Beispiel im Bällebad im Atrium Spaß haben und sich fotografieren. Gleichzeitig erzählt jeder der 155.000 Bälle aber auch eine Geschichte über Nachhaltigkeit, präsentiert eine Zahl oder stellt einen Menschen vor, wenn man den Ball auf eines der Lesegeräte legt”.

Gleiches gilt für die traditionelle Abschlussshow des Deutschen Pavillons. In Dubai erwartet die Besucher ein großer Raum mit knapp 100 Schaukeln und einer zentralen Skulptur. Ziel wird es sein, möglichst im Gleichklang zu schaukeln. “Die Abschlussshow soll auch etwas aussagen und bei den Menschen hinterlassen: So unterschiedlich wir sind, die Umweltproblematik beschäftigt uns alle. Und gemeinsam können wir auch etwas erreichen!” Ein bisschen pathetisch. Aber nach der Ausbildung im “Deutschen Campus” gönnen auch die fleißigen Deutschen den Besuchern etwas pure Emotion. Gut und richtig so.
 

» Hier weiterlesen: Teil 3 “Das Nicht-Sichtbare und die Nachhaltigkeit”
 


Dies ist der 2. Teil einer Artikelreihe.
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Die Idee für 2020: Campus Germany

Deutschland wird 2020 den Schwerpunkt Nachhaltigkeit aufgreifen. Deutsche Innovationen und Lösungen rund um dieses Thema sollen unterhaltsam und überraschend, haptisch sowie digital vermittelt werden. Das Konzept präsentiert Deutschland als einen Campus, einen “Ort des Wissens, Forschens und persönlichen Austauschs”. Besucher werden zu Beginn “immatrikuliert” und durchlaufen ein “Curriculum” durch das „Energy Lab“, das „Future City Lab“ und das „Biodiversity Lab“, so die zentrale Idee.


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