Ein Expo Pavillon entsteht: das Nicht-Sichtbare und die Nachhaltigkeit – Teil 3

Seit Kurzem steht das Konzept des Deutschen Pavillons für die Weltausstellung in Dubai 2020 fest. Der Pavillon mit dem Titel “Campus Germany” wurde von Facts and Fiction, Adunic und Lava konzipiert. Bei einem Gespräch mit Kreativdirektor Andreas Horbelt haben wir uns ihre Idee angeschaut und über den Entstehungsprozess eines Expo Pavillons gesprochen.


Dies ist der 3. Teil einer Artikelreihe.
» Zu Teil 1 des Artikels: “Vom Briefing zum Konzept”
» Zu Teil 2: “Viele Inhalte, eilige Besucher und Instagramability”


Die Idee für 2020: Campus Germany

Deutschland wird 2020 den Schwerpunkt Nachhaltigkeit aufgreifen. Deutsche Innovationen und Lösungen rund um dieses Thema sollen unterhaltsam und überraschend, haptisch sowie digital vermittelt werden. Das Konzept präsentiert Deutschland als einen Campus, einen “Ort des Wissens, Forschens und persönlichen Austauschs”. Besucher werden zu Beginn “immatrikuliert” und durchlaufen ein “Curriculum” durch das „Energy Lab“, das „Future City Lab“ und das „Biodiversity Lab“, so die zentrale Idee.


Unsichtbarkeit gegen das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip

Auch wenn große Bilder ein zentrales Merkmal des Deutschen Pavillons 2020 werden sollen, auch das Nicht-Sichtbare ist ein Thema. “In Dubai stehen das höchste Gebäude der Welt und die größten Wasserspiele der Welt. Mit dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip können wir in Dubai nicht mithalten. Deswegen möchten wir lieber mit etwas anderem überraschen: dem Nicht-Sichtbaren.”

Einer dieser Ansatzpunkte ist das zum Teil selbstentwickelte Indoor Navigationssystem namens “IAMU”. Darüber können die Gäste bis auf 10cm genau geortet und erkannt werden. Korrekt wie die Deutschen sind, natürlich alles Datenschutz konform – in diesem Bereich auch absolut richtig. Beim Betreten des Pavillons erhält jeder Besucher ein Namensschild, für das der Vorname, die Sprache und das Herkunftsland erfragt werden. Das Namensschild soll die Besucher als kleine Geste nicht nur einander näherbringen, indem man sich persönlich ansprechen kann. Es dient auch dazu, dass unter anderem Bildschirme erkennen, in welcher Sprache sie Informationen anzeigen sollen oder wie sie die Menschen persönlich begrüßen können.

Neben dieser noch durchschaubaren Funktionsweise, erwarten die Besucher Effekte, bei denen sie nicht mehr genau nachvollziehen können, wie sie funktionieren. “So entsteht Magie. Die Menschen erleben überraschende, beeindruckende Effekte – ohne die technische Grundlage dafür wahrzunehmen. Die Technik wird unsichtbar, unsere Umgebung als Ganzes scheinbar intelligent. Das ist die Zukunft der Technik, und diese Zukunft wird man ein Stück weit im Pavillon erleben können.”

Nachhaltigkeit, das deutsche Thema

Inhaltlicher Kern des Pavillons wird, wie fast immer, das Thema Nachhaltigkeit und Zukunft sein. Deutschland möchte sich als führende Nation in Sachen Nachhaltigkeit präsentieren. Die Alltagsrealität in Deutschland spiegelt dieses eifrige Kommunikationsziel nicht wirklich wider. Doch das ist ein anderes Thema.

Beim Pavillon in Dubai werden ebenfalls einige nachhaltige Maßnahmen bedacht. Ehrlicherweise gibt aber auch Andreas zu, dass das inhaltliche Konzept an erster Stelle steht. Bei der Umsetzung wird man jedoch versuchen, so viel wie möglich nachhaltig umzusetzen. Was bei einem Bau, der danach komplett wieder abgerissen wird, an sich etwas schwierig ist. Teile des Baus, wie zum Beispiel die Stahlelemente des Dachs, werden aber ein zweites Leben bekommen, betont Andreas. Dank einer Spezialfirma und ihrer Software, die berechnet, wie man bestehende Bauteile in anderen Gebäuden einsetzen kann, soll das möglich werden. Darüber hinaus verfolgt man das Ziel, mit möglichst wenigen Materialien ein möglichst großes Gebäudevolumen zu erreichen.

Der Energieverbrauch ist auch bei einem Expo Pavillon einer der größten ökologischen Themenfelder, gerade in Dubai. Hierfür wurde unter anderem mit der Klima Engenieering Firma Transsolar zusammengearbeitet. Schon bei der Entwicklung des Baus wurde unter anderem bedacht, wie groß die Gebäudekuben sein und wo sie angeordnet werden müssen, um möglichst viel Schatten zu spenden.

Der Pavillon ist ein klimatischer Hybrid. Das bedeutet, dass er in kühleren Monaten alleine durch die Architektur gekühlt wird und nur in den warmen Monaten zusätzliche Kühlung benötigt. Um auch in den warmen Monaten nicht zu viel Energie zu verbrauchen, werden die Besucher langsam und stufenweise “heruntergekühlt”. Nach Betreten des Pavillons durchschreiten sie mehrere Räume, die immer nur ein Stück kühler sind als der Raum davor. Harte Temperaturunterschiede gibt es nicht. Das hat den Vorteil, dass letztlich auch wärmere Raumtemperaturen als angenehm empfunden werden und weniger Kühlung benötigt wird.

Nach dem Pitch kommen die Details…

Trotz eines außergewöhnlich umfangreichen Pitchs bleibt bis zum 20. Oktober 2020 noch eine Menge Arbeit. “Es gibt noch viele Details zu klären, Inhalte zu recherchieren und konzeptionelle Ideen auszuarbeiten.” Welche Bilder 2020 um die Welt gehen werden, ist zumindest in Teilen noch offen.

Die Highlights des Pavillons werden aus Andreas’ Sicht aber wohl die Labore werden. “Vor allem das verspiegelte CityLab. Wir haben Modelle gebaut und verschiedene Spiegelungen ausprobiert. Das wird ein spannender Effekt. Besonders gut gefällt mir aber auch die Architektur der Verschränkungen, die gerade im Atrium eine besondere Atmosphäre erzeugen wird. Die Bühne, das Restaurant, Freiflächen, das Bällebad, viele versteckte Ecken, die immer wieder etwas Neues entdecken lassen – das wird wie eine europäische Kleinstadt.”

… und die Personalsuche

Zusätzlich sucht Facts and Fiction immer noch nach zusätzlichem Personal: für die Konzeption, für das Projektmanagement, für die Grafik. Ganz besonders heiß begehrt sind Grafiker/innen, die arabisch sprechen! Die Sprache bringt inhaltliche sowie gestalterische Herausforderungen mit sich, die deutlich schneller und einfacher zu lösen sind, wenn man sie versteht. Wer Interesse und entsprechende Qualifikationen mitbringt, kann sich bei ulrike.schwinn@factsfiction.de bewerben.


Dies ist der 3. Teil einer Artikelreihe.
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