Nachhaltiger Messestand mit Hochbeeten in Transportkisten und interaktiven Exponaten auf Holzwänden

Nachhaltiges Messedesign: Was facts and fiction beim BMUV-Messestand anders gemacht haben

Von Katharina Stein 15.3.2023 ~8 Minuten Lesezeit

Der Messestand des BMUV auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) 2023 sollte nicht nur das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Klimakrise und Biodiversitätskrise stärken. Auch er selbst sollte möglichst nachhaltig und ressourcenschonend sein. Ein Ziel, das mittlerweile viele Messepräsenzen und Events formulieren. Doch bei genauerem Blick kratzen nicht wenige davon nur an der Oberfläche der Möglichkeiten. Die betreuende Agentur facts and fiction wollte bei diesem Projekt aber bewusst tiefer ins Thema Ressourcenschonung einsteigen.

Wir haben uns den Messestand und die Maßnahmen angeschaut und die Agentur im Interview gefragt, ob und was sie bei diesem Projekt anders gemacht haben.

BMUV Messepräsenz auf der IGW 2023

Das BMUV war auf der Internationalen Grünen Woche 2023 mit einem eigenen Stand vertreten. Passend zur Halle „grünerleben“ war der „Natürlichen Klimaschutz“ Schwerpunkt der Präsentation. Bei den BesucherInnen der IGW sollte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie eng Klimakrise und Biodiversitätskrise zusammenhängen und dass sie nur gemeinsam gelöst werden können.

Großformatige farbige Banner sollten schon von Weitem die Aufmerksamkeit der MessebesucherInnen wecken und mit überraschenden Fakten zum „Natürlichen Klimaschutz“ einen schnellen Einstieg ins Thema anregen. Spielerische Interaktionen an den Gangseiten lockten mit niedrigschwelligen Angebot auf den Stand.

Die runde Bühne bildete das kommunikative Zentrum. Umgebende Themeninseln fassten zentrale Aspekte des Themas übersichtlich und mit großformatigen Illustrationen sowie einführenden Texten zusammen. Interaktive Exponate ergänzten das Angebot und luden zum Ausprobieren und Aktivwerden ein. Auf der rund drei Meter hohen Terrasse fand eine Ausstellung zum Thema Meeresschutz sowie eine Meeres-Lounge Platz.

BMUV Messestand auf der IGW 2023 | Copyright: Espen Eichhöfer / BMUV

Ressourcenschonendes Konzept

Bei der Konzeption und Umsetzung des BMUV-Messestands war der Agentur das Thema Ressourcenschonung besonders wichtig. Das bedeutet auch bewusst neue und andere Wege zu gehen.

„Ressourcenschonung braucht Erfahrung und ein gutes Netzwerk aus PartnerInnen. So können Prozesse gemeinsam verbessert werden und wir uns dem Ziel „Zero Waste“ Schritt für Schritt nähern“, erläutert Max Zürker, Kreativdirektor bei facts and fiction, das Konzept. „Wir haben deshalb gleich zu Beginn der Konzeption passende Gewerke mit Erfahrungen im Bereich Ressourcenschonung gesucht und in die Planung miteinbezogen. Sie haben ressourcenschonende Ansätze und Impulse aus ihrer fachlichen Perspektive eingebracht, um bestmögliche Lösungen zu finden.“

In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden wurden alle Anforderungen, Möglichkeiten und Einschränkungen abgewogen und ein Konzept entwickelt, das folgende Maßnahmen beinhaltet:

  • Verwendung von recyclebaren Materialien, wie z.B. bedruckte Stoffbahnen, die zu 100 % aus recyceltem Polyester bestehen und nach ihrem Einsatz wieder vom Produzenten zurückgenommen und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden.
  • Bestandsmaterialien nutzen und keine Sonderbauten beauftragen: Ein Beispiel dafür sind Hochbeete, die aus Transportkisten für Kunstwerke bestehen.
  • Wiederverwendbarkeit von Exponaten, z.B. wurde die Exponat-Technik so benutzerfreundlich angelegt, dass sie bei Folgeveranstaltungen von anderen PartnerInnen einfach bespielt werden kann.
  • Existierende Exponate ausleihen und reparieren, z.B. eine 20 Jahre alte Wasserwippe des Bundesamts für Naturschutz (BfN), die die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz vermittelt.
  • Vorhandenes Material wiederverwenden oder umnutzen: In der Ressourcenwerkstatt wurden Take-aways wie Notizbücher und Taschen aus alten Bühnenrückwänden gestaltet und hergestellt.

Der ressourcenschonende Ansatz wurde zudem als zweite Storyline transparent kommuniziert, indem auf die Zirkularität der einzelnen Materialien hingewiesen wurde.

BMUV Messestand auf der IGW 2023 | Copyright: Espen Eichhöfer / BMUV

Erfahrungen und Extra-Meilen

„Beim BMUV-Messestand auf der IGW konnten wir eine Menge Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel, dass nachwachsende Materialien nicht per se besser sind. Es müssen sinnvolle Materialien gefunden und genutzt werden“, sagt Zürker. „Anders als bei einem traditionellen Messestand, bei dem der Fokus des Arbeitsprozesses in der Planung auf dem sichtbaren Part zwischen dem Tag der Eröffnung und dem Ende der Messe liegt, muss ein ressourcenschonender Stand darüber hinaus das Davor und Danach genauso im Blick behalten.“

Tiefergehende nachhaltigere Ansätze konnte die Agentur auch beim zuvor betreuten 7. BMUV-Agrarkongress in Berlin testen. Auch hier hat sich das Team um eine nachhaltige Umsetzung bemüht, indem z.B. eine Bühnenrückwand aus ressourcenschonender Wabenpappe hergestellt wurde. „Es wäre natürlich einfacher, die Elemente aus einem gängigen Kunststoffgemisch zu produzieren, aber es lohnt sich im Entwicklungsprozess mit den PartnerInnen diese Extra-Meile zu gehen, um eine ressourcenschonende Lösung zu finden“, erläutert Christine Hartwig, Kreativdirektorin bei facts and fiction. Zusätzlich wurde der Stoff der Bühnenrückwand bewusst minimal bedruckt, um eine möglichst hohe Nachnutzung des Materials zu gewährleisten.

Quelle: Pressemeldung facts and fiction

 

Klicken, um sich das Video auf Instagram anzuschauen.

 

Interview mit facts and fiction

Mit Sina Oswald, Konzeptionerin, und Max Zürker, Kreativdirektor bei facts and fiction.

Nachhaltigkeit beschäftigt uns alle natürlich schon länger. Aber seid ihr beim BMUV Messestand tiefer ins Thema eingestiegen als bisher?

In diesem spannenden Projekt hatten wir die Möglichkeit, das Thema Ressourcenschonung noch intensiver zu verfolgen, als wir das sowieso schon tun. Dafür haben wir viele Prozesse, die in dem Messestand zusammenfließen, in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit noch grundsätzlicher hinterfragt. Das betraf konzeptionelle Überlegungen, beispielsweise die Weiternutzung und zukünftige Anpassbarkeit von Exponaten oder auch die Wiederverwendung und Reparatur älterer Exponate. Im Messebau haben wir auf bestehende Systeme ohne Sonderbauten gesetzt und sie teilweise umgenutzt. Auch in Bezug auf die verwendeten Materialien und die Standbeleuchtung haben wir ressourcenschonende Lösungen gefunden. In der tieferen Auseinandersetzung ergeben sich auch „einfach“ anpassbare Stellschrauben, wie das Vermeiden von Transportverpackungen. Je genauer wir hinschauen, desto mehr Prozesse lassen sich hinterfragen und verbessern. Deine Frage, ob wir Nachhaltigkeit in diesem Projekt weitergedacht haben, können wir mit „ja“ beantworten.

Wie viel schwieriger oder anders war euer Vorgehen dieses Mal?

Natürlich ist es eine Herausforderung, Entscheidungen nicht allein auf ihre kommunikative Wirkung und budgetäre Darstellbarkeit hin zu treffen. Ressourcenschonung bedeutet auch, Kompromisse einzugehen. Eine zentrale Herausforderung war es, dass sie nicht zulasten der Kommunikation gehen durften. Das ist uns dem Feedback nach gelungen und wir konnten das Ziel sogar übertreffen, indem wir unseren ressourcenschonenden Ansatz als zweite Storyline auf dem Stand transparent kommuniziert haben. So konnte das BMUV (und natürlich auch wir als Agentur) die geleistete Mehrarbeit kommunikativ nutzen und darüber auch Impulse setzen, die von anderen AuftraggeberInnen und DienstleisterInnen aufgenommen werden.

Sina Oswald, Konzeptionerin | Max Zürker, Kreativdirektor

Ihr berichtet, dass ihr bewusst nach PartnerInnen gesucht habt, die sich mit nachhaltigeren Maßnahmen oder Materialien besser auskennen. Warum? Wie wichtig sind solche erfahrenen Firmen im Vergleich zu „regulären“ DienstleisterInnen?

Wir brauchten für diese mitunter kleinteilige Arbeit ein motiviertes Team von AuftraggeberInnen und DienstleisterInnen, die mit ihrer Expertise das gemeinsame Ziel Ressourcenschonung aktiv unterstützen. Konkret bedeutet das, dass alle ihre Prozesse hinterfragen und mit Ideen neue Lösungen einbringen und dafür auch Mehrarbeit in Kauf nehmen. Das funktioniert nicht top-down. In diesem Team geht es weniger darum, ob es sich um „reguläre“ DienstleisterInnen handelt oder nicht, sondern dass sich die richtigen Menschen mit Expertise und Motivation finden, Nachhaltigkeit mit frischen Ideen umzusetzen.

Möchtet ihr zukünftig möglichst bei all euren Projekten anders vorgehen?

Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns nicht neu und Teil unseres Arbeitsalltags. Aber klar, solche Leuchttürme sind wichtig, um weiter Erfahrungen zu sammeln und sie strahlen auch in andere Projekte hinein. Gleichzeitig brauchen wir, wie oben beschrieben, für ambitionierte Projekte ein ambitioniertes Team aus AuftraggeberInnen und DienstleisterInnen und das ist nicht immer in gleichem Maße gegeben, wobei sich der Trend ganz klar in diese Richtung entwickelt.

Ein Schritt in diesem Kontext ist vermutlich auch die baldige EMAS Zertifizierung. Warum ein Zertifikat an sich? Und was bedeutet es für eure künftigen Abläufe und Projekte?

Genau, demnächst ist unser umweltbewusstes Handeln durch das EMAS-Zertifikat bestätigt. EMAS ist ein standardisiertes Umweltmanagementsystem der Europäischen Union, das unserer Agentur umweltbewusstes Handeln bestätigt. Für die Zertifizierung müssen wir unsere Umweltleistungen dokumentieren und regelmäßig prüfen. Dadurch können wir sehen, in welchen Bereichen wir uns schon verbessert haben und wo wir noch nachlegen müssen. Unser langfristiges Ziel ist, nicht nur unsere internen Abläufe zu zertifizieren, sondern auch unsere Projekte. Hier spielen dann auch wieder PartnerInnen, von denen wir oben gesprochen haben, eine wichtige Rolle, denn nur mit gemeinsam mit KundInnen und einem starken Netzwerk können wir das Thema Ressourcenschonung in allen Projektschritten verfolgen.

Danke für die Einblicke!


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