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Grundlagen der ästhetischen Gestaltung eines Events: Wie Räume unser Fühlen beeinflussen

Von GastautorIn 1.9.2022 ~5 Minuten Lesezeit

„Funktionalität hat die Schönheit verdrängt – dabei ist doch gerade sie es, die uns Menschen fühlen lässt.“, sagt Architektin Anna Philipp. Auf der Suche nach Grundprinzipien der ästhetischen Event-Gestaltung spricht Chris Cuhls mit der German Design Award Gewinnerin über das Fühlen.

Welches Gefühl triggert uns, wenn wir einen Raum betreten und wie können wir ihn gestalten, um bestimmte Stimmungen auszulösen? Anna Philipp erklärt in der neuen Podcast-Folge von „What´s Next – Events im Wandel“, was Eventgestaltende aus der Architekturgeschichte lernen können und warum ein Fokus auf Schönheit nachhaltig ist.

Fühlen geht nicht über den Verstand

Wenn Menschen fühlen, stellen sie einen emotionalen Bezug her zwischen sich und den Sinneswahrnehmungen, die im Raum um sie herum vorhanden sind. Details wie die Beschaffenheit des Bodens, die Helligkeit des Raumes oder akustischen Reize bilden einen Zusammenhang zwischen Individuen und der Gesamtcharakteristik einer Situation. Denn je nachdem wie ein Ort geschaffen ist, löst er im Menschen unterschiedliche Emotionen aus: Freude, Unbehagen oder Ergriffenheit finden im Detail ihren Anstoß und in der Summe der Eindrücke ihre Wirkung.

Form follows Function …

In einer schnelllebigen Zeit des Funktionierens braucht es Inseln, an denen wir aus dieser Welt aussteigen und einfach nur „sein dürfen“, sich und sein Umfeld fühlen und wahrnehmen können. Orte, an denen nicht die Funktion an erster Stelle steht, sondern die Wahrnehmung gleichermaßen aller Sinneseindrücke. Natur, Kunst und auch Events legen einen besonderen Fokus auf dieses Bedürfnis an Sinnlichkeit und schaffen Momente im Alltag, die Raum für Schönes bieten. Die Architektin Anna Philipp spricht sich deshalb für eine Renaissance der Schönheit aus. Denn dort wo es schön ist, fühlen Menschen sich wohl und können sich ausleben.

… aber Schönheit bietet Raum für Emotion

Jede Architekturepoche hatte eine andere bauliche Charakteristik, obwohl manche Muster und Formen auch häufiger aufgegriffen wurden. Nach dem funktionalem Design der Industrialisierung und dem Prinzip Wohnraum für alle änderten sich z.B. der Fokus und das Baukonzept: Bauherren waren nun vielmehr auf Individualität und Persönlichkeit bedacht – so fand sich häufig in jedem Neubaugebiet eine rote Haustür oder ein besonderes Garagentor.

Ebenso hielt die Nachhaltigkeit Einzug in die Raumgestaltung: Wurde ein Gebäude als schön erachtet, fanden sich gleich zahlreiche Möglichkeiten, es weiter zu nutzen: Kirchen wurden zu Cafés, backsteinerne Lagerhallen zu Eventlocations und barocke Theatersäle werden noch heute gern besucht. Rein funktionale Bauten wecken hingegen keine Emotionen und scheinen weniger attraktiv – für ehemalige karge Bürogebäude werden seltener schöne, neue Verwendungsmöglichkeiten entdeckt und letztendlich oft am Ende abgerissen.

Räume wirken lassen

Drei Komponenten sind Anna Philipp bei der Auswahl und Gestaltung wirkungsvoller Räume wichtig:

  1. die Proportion
  2. die Materialität und
  3. das Licht.

Je nach Abmessung und Anzahl der Personen erzeugen Räume unterschiedliche Empfindungen. Viel Hall und hohe Wände lassen bei einigen Menschen z.B. den Fluchtinstinkt wachwerden, wohingegen ein ruhiger Raum mit passendem Volumen sogar die Aufnahmefähigkeit steigern kann. Die Wahrnehmung von räumlichen Proportionen ist allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Ebenso kann die Materialität der Oberflächen das Fühlen beeinflussen. So wirkt das Zusammenspiel kühler, glatter Flächen anders auf Menschen als warme oder rauhe Materialien. Werden die Proportionen eines Raumes mit thematisch stimmigen Materialien und dem perfekten Licht in Szene gesetzt, lassen sich Architektur und Emotionen gekonnt miteinander verbinden.

Fazit: An Orten der Schönheit können wir loslassen und Emotionen wecken.

Räume sind wie Kleidungsstücke. Wir nehmen sie individuell wahr und fühlen uns in ihnen je nach Stofflichkeit immer anders wohl. ‚Form follows Function‘ ist aber nicht immer der beste Ansatz. Die wahre Nachhaltigkeit ergibt sich durch die Schönheit in ihrer Gestaltung. In wirkungsvollen Räumen kommen wir zu uns und können uns ausleben. Auf mehr von diesen durchdachten Räumen, die Neues erleben lassen!

 

 

Hier geht es zum Gespräch mit Anna Philipp:

Die Themen des Gesprächs:
02:41 Fühlen
08:36 Die Kraft des Raumes
17:29 Funktion über Schönheit
25:41 Form follows personality!
30:19 Wirkung und Gefühle im Raum
36:35 Mit Materialien Nähe herstellen
42:33 Emotionen wecken
50:42 Raumgestaltung und Bühnenbild
58:52 Fühlen beim Event: Annas Essentials
01:04:26 7 Fragen und Antworten


 

Über den Gastautor

Chris Cuhls | Foto: Helge Thomas

Chris Cuhls ist Regisseur und Konzepter von Corporate wie Public Events. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der TV- und Eventbranche treiben ihn Neugier, Kreativität und relevante Ideen an, um Begegnungen wirkungsvoll zu inszenieren. Zum Thema Eventgestaltung veröffentlichte er zuletzt das Buch WHY HOW WOW – What’s Next? und betreibt einen eigenen Blog.

What’s Next! Der Podcast von Chris Cuhls
Wie sehen die Events der Zukunft aus und welche Innovationen haben sich in der Corona-Krise entwickelt? Antworten finden sich im Podcast mit vielen Gesprächen mit ExpertInnen aus der Eventbranche und darüber hinaus. Gemeinsam wird die Gestaltung und der Prozess von bisher analogen Veranstaltungen hin zu hybrid, digital, virtuell, AR, VR, XR… analysiert.

 

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