Automobilmesse IAA 2011: Königsdiziplin für den Messebau und die Live-Kommunikation – wirklich?

FotoDie Automobilbranche und die IAA gelten in der Live-Kommunikation als Königsdisziplin. Hier wird investiert und ausprobiert – oder etwa doch nicht?! Wir waren für euch auf der IAA 2011 und haben uns die vielen Messestände angeschaut. Haben euch Fotos von der IAA mitgebracht und uns natürlich auf die Suche nach den Highlights im Messebau und der Live-Kommunikation gemacht.

Unsere Eindrücke und Highlights von der IAA 2011 in Frankfurt:

Mercedes-Benz – Messebaukonzept vom Feinsten

Beeindruckend ist ganz sicher die treffende Beschreibung des Mercedes-Benz Standes auf der IAA 2011. Soweit man das noch Messestand nennen kann oder doch eher eine eigene Messewelt, darf sicher hinterfragt werden. Ein klares, helles und modernes Design dominierte – so wie eigentlich auf fast allen Ständen. Besonders gelungen fanden wir die Führung der Besucher, die mit einer beeindruckend langen Rolltreppe begann und die Menschen Etage für Etage nach unten und somit durch die Ausstellung führte. Die Emporen waren eine schöne Möglichkeit für einen orientierenden Blick ebenso wie für ein entspanntes Beobachten der Besucher. Die Bühne war mittig angeordnet und bot einen guten Blick von allen Etagen. Die riesige LED Wand tat ihr Übriges um zu beeindrucken! Insgesamt ein unserer Meinung nach sehr gelungener Stand, aufgrund des durchdachten Messebaukonzepts und der guten Führung der zu erwartenden Menschenmassen. Ein Stand, der mehr an einen Museumsbesuch erinnerte als an eine Messe.

Inhaltlich waren wir nur teils etwas verwirrt: die Moderatoren, die Image-Videos und das Design waren auffällig zu jung und zu hip – augenscheinlich auf ein sehr junges und modernes Publikum ausgerichtet. Doch ist ein Mercedes etwas für ein jungen Hipster mit RayBan? Nicht wirklich, oder?

Audi – das Produkt als Erlebnis

FotoEin Highlight der IAA 2011 war ganz sicher der Stand von Audi. Als eigener freistehender Pavillion zwischen den Hallen war zunächst vom Inneren nicht viel zu sehen. Nur kleine Öffnungen ließen erahnen und erhören was sich im Inneren verbarg: eine Rennstrecke! Eine beeindruckende Wirkung die sehr neugierig machte. Nicht zuletzt erlebte man hier das Produkt in Action – man sah es in Bewegung und das Wichtigste: man hörte es! Der hügelige Parcours durch den Messestand schuf auch genügend Möglichkeiten aufs Gaspedal zu treten und die Besucher mit entsprechendem emotionsgeladenem Sound in den Bann zu ziehen.

Außen hui – Innen ganz sicher nicht pfui, aber schon ein wenig enttäuschend. Denn das was Mercedes-Benz so gut gemacht hat – die Menschenmassen zu führen – war hier nicht vorgesehen. Die Autos standen sehr eng beieinander. Ohne eine Besucherführung wie in jedem Autohaus. Die Menschen knubbelten sich, die Tür eines Autos zu öffnen war beinahe nicht möglich. So begeistert wir von dem Äußeren des Standes waren, weil es auf das Produkt gespannt machte und es tatsächlich als ein Erlebnis inszeniert wurde – so mussten wir mit Bedauern feststellen, dass das im Inneren total verloren ging. Wir haben im Audi Messestand kein einziges Auto wirklich wahrgenommen, geschweige denn in Ruhe anschauen können. Und das schon an den Fachbesuchertagen.

Mini – Lebensgefühl & Kundenorientierung

FotoUnser Favorit war der Mini Stand. Deutlich kleiner als die großen und beeindruckenden Messewelten von Mercedes-Benz, Audi, VW und BMW. Aber dieser Stand hat etwas rübergebracht, was die anderen unserer Meinung nach nicht getan haben: ein Lebensgefühl kommuniziert! Der Mini Stand war im Gegensatz zu den vielen anderen Ständen unverwechselbar und einzigartig. Durch die stringente Markenkommunikation im Vorfeld, kannte man bereits viele der Elemente am Messestand und erkannte sie direkt wieder. Hätte man die Autos und Logos an einigen Messeständen ausgetauscht, niemanden wäre es aufgefallen – hier ging das aber definitiv nicht.

Kleine Räume mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten erzählten Geschichten und empfanden Situationen nach, die ich als Käufer mit dem Mini erleben kann. Der sportliche Mini in der Werkstatt mit individueller Ausstattung für Rennfreunde, der original verdreckte Rallye Mini auf einer Dirt-Strecke, der Mini mit Social-Media Features und einige mehr.

Das Motto „BE MINI.“ spiegelte sich gut im Standkonzept wider und bezog die Menschen aktiv mit ein. Der Mini Messestand ist meiner Meinung nach als einziger auf mich als Kunden und (m)einem gewünschten Lebensgefühl mit möglichen Erlebnissen eingegangen. Mehr als die reine Markendarstellung! Bis auf den Mini Stand hat mir keiner der anderen Automobilhersteller gezeigt, wie gerade dieses Auto, diese Marke mit mir als Kunden zusammenhängt und was ich davon habe.

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Unser Fazit der IAA 2011 aus Sicht der Live-Kommunikation

Die IAA als Königsdisziplin im Messebau – ganz sicher. Die IAA als Königsdiziplin in der Live-Kommunikation – eher weniger. Auf der IAA kann man mit Sicherheit sagen, dass sich ein größeres Budget deutlich in der zumeist sehr hochwertigen und guten Umsetzung der Messestände äußert. Im Großen und Ganzen kann man wirklich sagen, dass die meisten Messestände sehr ansehnlich und professionell umgesetzt waren. Die Messebauer haben definitiv einen guten Job gemacht!

Nur hat man das dumpfe Gefühl, dass mehr in den Messebau als in das Kommunikations-Konzept dahinter investiert wurde. Von tatsächlicher Live-Kommunikation, im Sinne einer erlebbaren Marke, haben wir nicht viel gesehen. Viele Messestände bestachen durch die reine Präsentation der Autos – wie in einem Autohaus. Natürlich konnte man die Autos anfassen und testen, aber ist das wirklich Live-Kommunikation?

Viele Stände hatten zudem einen sehr ähnlichen Stil – sie kommunizierten ganz sicher ein schönes, hochwertiges und modernes Design. Doch fehlte häufig die „individuelle Seele“ darin und man provoziert Austauschbarkeit.

Was ebenfalls bei fast allen fehlte: die Verbindung zum Kunden und dem Erlebnis mit dem Produkt. Hier wurden Autos und Marken ausgestellt, aber kein Lebensgefühl verkauft. Sehr überraschend fand ich auch, dass nur sehr wenige Autohersteller das nahezu Wichtigste an einem Auto genutzt haben: den Sound. Da wurden tolle Videos gezeigt, aber ohne Ton oder nur mit lauter Pop-Musik untermalt.

Im Bereich Messebau – und natürlich den Autos – ist die IAA ganz sicher ein Highlight. Im Bereich Live-Kommunikation ist aber noch viel Luft nach oben, liebe Automobilhersteller.

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6 Kommentare
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6 Kommentare

  1. svennii

    Ich denke es wäre besser gewesen diesbezüglich an den Pressetagen die Messe zu besuchen. Das solltet Ihr 2013 auf jeden Fall mal machen :-)

  2. Katharina Falkowski

    Ja, für uns wäre das sicher angenehmer gewesen :) Aber ich finde es gerade interessant einen belebten Stand unter „realen Verhältnissen“ – sprich im Fall der IAA: ziemlich voll – zu sehen. Gerade so etwas wie eine gute Besucherführung fällt dann erst richtig auf.

  3. OCCASEO | Vicky Faltenbacher

    Ferrari schafft beides:
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