Was wir in Event-Pressemeldung nicht mehr lesen können!

Es gibt so einige Floskeln, Worthülsen und vermeintlich wichtige PR-Stilmittel, die in fast jeder Event-Pressemeldung auftauchen. Doch auch wenn sie irgendwie zum Standard geworden sind, man kann sie nicht mehr lesen, geschweige denn ernstnehmen oder glauben. Daher kann man sich Folgendes einfach sparen – und sich auf die wirklich wichtigen Inhalte konzentrieren!

Unser Kunde ist führend im Bereich…

Wenn man Pressemeldungen glaubt, ist anscheinend so ziemlich jeder Kunde und jede Firma führend. Natürlich ist auch jede Messe die „bedeutendste“ oder „wichtigste“, zumindest aus irgendeinem Blickwinkel. Künstlich erhöhende Beschreibungen, die so inflationär gebraucht werden, dass sie letzlich gar nichs mehr aussagen! Kann man sich sparen, nimmt sowieso keiner ernst.

…die Spezialisten, Profis, Experten

Wenn es um die Selbstbeschreibung geht, kann es manchen nicht selbsterhöhend genug sein. Wenn man sich nur oft genug als Experte bezeichnet, werden die anderen es schon irgendwann glauben und übernehmen, oder?! Nein!
Ausserdem werden die Titel „Spezialist“ und „Experte“ von vielen Medien so ziemlich jedem verliehen – vermutlich, um ihre eigenen Inhalte möglichst wichtig aussehen zu lassen – dass sie für mich eine ähnliche Wirkung haben, wie der Begriff des „Eventmanagers“ unter Eventlern. Ich halte es da mit dem Grundsatz: Ein wahrer Experte hat es nicht nötig, so genannt zu werden. Name, Position und Äußerungen lassen zumeist schnell darauf schließen, ob er oder sie ein Experte ist! Derjenige, der sich selbst so nennt, ist es zumeist nicht.

…hochkarätige Jury und Referenten

Bei diesem Wörtchen stellen sich mir alle Haare auf. Welche Jury oder welche Referenten sind eigentlich nicht hochkarätig? Gerade in der Eventbranche scheint man die Worte Referent und Jury ohne den Zusatz gar nicht zu kennen. Dabei ist die Nutzung des Wörtchens absolut entlarvend: Anscheinend hat da jemand bedenken, ob Referenten oder Jury wirklich so hochkarätig sind. Deswegen lieber selbst immer wieder betonen…
Hier gilt das Gleiche wie beim „Experten“: Eine hochkarätige Jury erkennt man auch ohne den Vermerk!

Alles ist und war ein riesiger Erfolg

Ob vor oder nach einem Event, lustigerweise freut sich jede Veranstaltung über eine riesige Nachfrage und war im Nachhinein ein unglaublicher Erfolg. Die Teilnehmer waren begeistert von dem einzigartigen, spektakulären Erlebnis oder den hochkarätigen Vorträgen…
Ähm, und worum ging es bei dem Event inhaltlich? Was genau soll das Erlebnis so einzigartig und spektakulär gemacht haben? Und wie hat man diese große Begeisterung der Besucher gemessen? Komischerweise werden die genauen Hintergründe der eigenen Behauptungen nur selten sachlich erläutert.
Ich kann verstehen, dass man nicht von einem Flop berichtet oder, dass man um jeden Teilnehmer kämpfen musste. Aber diese reflexartigen, schamlosen und sachlich nicht begründbaren Übertreibungen sind absolut unglaubwürdig und, ehrlich gesagt, auch ein bisschen eklig.

Das ultimative Event! So etwas gab es noch nie!

Was wird uns im Vorhinein nicht alles versprochen. Ultimative, einzigartige Formate, Eventkonzepte und Inhalte, die es so noch nie gab. Zu viel will man vorher natürlich nicht verraten, es soll eine Überraschung werden… Mhm?! Ich zitiere dazu einfach mal Kerstin Hoffmann-Wagner: „Eventankündigungen mit Formulierungen wie „das gabs noch nie“ oder „ultimativ“ erwecken in mir einen starken Drang zur Delete-Taste…“ Stimmt!

Die Workshop Lüge

Interaktive Formate sind gerade ziemlich angesagt. Deswegen sind Eventbeschreibungen wie „interaktive Workshops“ hoch im Kurs. Problem ist nur, dahinter verbirgt sich eher selten ein interaktiver Workshop. Sobald einem Vortrag eine Fragerunde folgt, ist’s ein Workshop. Sobald sich das große Publikum in kleinere (frontale) Vortragsgruppen aufteilt, ist’s ein Workshop. Sobald Menschen einzeln miteinander reden können, ist’s ein Workshop. Passt doch?! Nur wenn man enttäuschte und getäuschte Teilnehmer haben möchte. Am besten einfach immer bei der Wahrheit bleiben, ob es um das Format oder sonst einen Bestandteil geht!

Neu dabei: das Wörtchen „Top“

Erst seit Kurzem scheint ein kreativer Kopf auf ein neues Wort gekommen zu sein – und viele scheinen ebenso begeistert zu folgen. Mit dem Zusatz „Top“ kann man so wunderbar noch einen draufsetzen: Nein, man ist nicht nur Finalist, man ist Top-Finalist. Man ist auch nicht Dienstleister, sondern Top-Dienstleister und Top-Kreativer. Was auch immer das heißen soll?! Klingt besser als die anderen und passt fast immer, oder?! Nein! Es sagt rein gar nichts aus, produziert nur heiße Luft sowie Bullshit Bingo in Reinstform. Also gleich wieder damit aufhören!


Was soll man anstatt dessen in PMs schreiben?

Ich weiß, dass man sein Event und sich selbst in Pressemeldungen gut dastehen lassen möchte. Aber doch nicht indem man einen hohlen äußerlichen Schein produziert, der bei genauerer Betrachtung sofort verpufft. Das lässt doch niemanden in gutem Licht dastehen. Ganz im Gegenteil!
Man sollte sich vielmehr auf die Fakten, Inhalte und Konzepte, die das Projekt ausmachen, konzentrieren, die tatsächlichen Besonderheiten beschreiben und sich die Zeit sparen, alles in selbstlobende Worthülsen zu verpacken, die letzlich doch nichts aussagen.

Sucht nach dem tatsächlich erwähnenswerten Kern. Beschreibt die durchdachte, konzeptionelle Herleitung, die Tiefe oder Besonderheiten des Projekts, aber sachlich und begründbar. Wenn die Konferenz-Vorträge so großartig waren, dann sollte man sie zitieren und kurz zusammenfassen. Wenn man etwas unbedingt als innovativ, spektakulär oder einzigartig beschreiben möchte, dann sollte es sachlich erklärt werden können. Wenn das Publikum oder der Kunde begeistert waren, dann braucht es einen O-Ton oder eine Umfrage, die das untermauern! Und nein, ein Zitat eines Agentur-Mitarbeiters oder Partners (mit gleichem Interesse), der bestätigt, wie großartig alles war, zählt nicht!

Kurzum, denkt mehr in redaktionellen Artikeln, die etwas beschreiben und nicht in beweihräuchernden Aussagen, die man sich über das Projekt wünscht – und veröffentlichenden Medien versucht in den Mund zu legen. Das würde uns alle sehr freuen und den Absendern auch viel mehr bringen!


2 Kommentare
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2 Kommentare

  1. Ein alter Kollege mit viel Mitgefühl

    Jetzt liken alle und manche Eventler geloben sogar Besserung. Bis zur nächsten Pressemitteilung.
    Als alter „Profi“ mach ich das schon Jahrzehnte mit. Das wird sich nie ändern, zumal die Wertungen bei Abdruck viel zu oft und leider überall übernommen werden. Der Branche fehlen leider die Maßstäbe, weil jeder denkt, er könne sie selber machen.

  2. Katharina Stein (Falkowski)

    Ja, es ist zum Verzweifeln! Arbeite gerade die PMs der letzten Tage durch und sie sind natürlich wieder voll mit genau dem gleichen Zeugs. Das ist und wird wohl immer so bleiben. Allerdings stammen viele davon auch von PR-lern, die es eigentlich besser wissen müssten/sollten!

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